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Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

© 2013 Egbert Jahn –

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 14 Die durch die nationalsozialistische Eroberungspolitik erzwungene Kooperation zwischen den Westmächten und der massenmörderischen Sowjetunion von 1941-45 trug ganz entscheidend zu dem gänzlich unterschiedlichen westlichen Geschichtsbild und seinen politischmoralischen Wertmaßstäben von der nationalsozialistischen und kommunistischen Vernichtungspolitik bei, abgesehen davon, daß das siegreiche kommunistische Regime in der UdSSR weiterhin ein gewichtiger Teilnehmer in der internationalen Politik und seit 1963 bzw. 1969 entspannungspolitischer Partner war und zum Teil erfolgreich den Schleier von Täuschung und Verschweigen über den Archipel GULag ausbreiten konnte. Auch die im Kalten Krieg im Westen vorherrschende Totalitarismus-Theorie hat an den ungleichen Kenntnissen wie an der unterschiedlichen Bewertung der deutschen und sowjetischen KZs und der Massenmordpolitik wenig geändert, vor allem nicht im liberalen und linken politischen Spektrum der westlichen Gesellschaft. Das Bedürfnis nach einer nachträglichen moralischen Interpretation des Krieges gegen die Mittelmächte trug wohl ganz wesentlich dazu bei, das nationalsozialistische System als wesentlich barbarischer zu interpretieren als das verbündete kommunistische System. Schließlich muß man in Rechnung stellen, daß die einzelnen Völker in ganz unterschiedlicher Weise unter der nationalsozialistischen und der kommunistischen Herrschaft zu leiden hatten und daß Teile ihrer Gesellschaft mehr mit diesem oder mehr mit jenem kooperierten, entweder aus taktischen Gründen oder aus prinzipieller Sympathie. 4 Fatale Ideologisierung von nationalen Opfererlebnissen Jede Gedenkpolitik geht notwendig selektiv mit menschlichem Leiden um. Da Politik und demzufolge auch Gedenkpolitik noch im wesentlichen national und noch nicht europäisch oder gar global-human ist, enthält dies die Gefahr der Ideologisierung von nationalen Opfererlebnissen, die nicht nur die tatsächliche Geschichte mit ihren zahlreichen Widersprüchen und Uneindeutigkeiten verfälscht, sondern auch für national- und parteipolitische Zwecke instrumentalisierbar macht. Wurden in früheren Zeiten ausschließlich Siege, Heroismus und widerständige Tapferkeit gefeiert, so gelten in den letzten Jahrzehnten vermehrt auch Opferrollen als Ausweis moralischer Kraft und Überlegenheit. Mit ihnen lassen sich demnach auch manche politisch-moralischen Ansprüche leichter gegenüber anderen Völkern verfechten, hier und da auch die Beteiligung von Mitgliedern des eigenen Volkes an der Herrschaft eines Verbrecherregimes oder an der Kollaboration mit ihm aus einem pauschalisierten Nationalbewußtsein verdrängen. Zudem dienen manchmal Opferideologien (Viktimismus) als Rechtfertigung für besonders intolerante und konfrontative Politik gegenüber tatsächlichen oder vermeintli-

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 15 chen, traditionellen oder auch neuen Gefahren von seiten anderer Völker. So droht in Europa eine fatale geschichts- und gedenkpolitische Spaltung zwischen denjenigen Nationen, die sich allein auf die Holokaustgedenktage konzentrieren wollen und denjenigen, denen nur das Gedenken an die kommunistischen Opfer vorrangig ist, und schließlich dritten, die an einem totalitarismustheoretisch begründeten gleichen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und Kommunismus festhalten wollen. „... eine Erinnerung, die nicht auch die Insassen des GULag einschließt, ist in einem bestimmten Sinne selektiv, unglaubwürdig und wenig europäisch,“ wie Karl Schlögel schrieb. 5 Anerkennung von Ähnlichkeit und Differenz traumatischer nationaler Erfahrungen Welchen Ausweg gibt es aus dem verfahrenen und zugleich auch recht abwegigen Streit? Unstreitig sind psychisch und auch politisch eigene traumatische Erfahrungen mit Krieg und Mord eindrücklicher als jedes Wissen um die traumatischen Erfahrungen anderer. In kleineren Völkern können kleinere Völkermorde gleiche Wirkungen haben wie größere Völkermorde in großen Völkern, wenn ungefähr derselbe Anteil an der Bevölkerung Opfer der Mordpolitik zu beklagen hat. Jedes Volk hat sein gutes Recht, besonders über die Kriegstoten und Mordopfer seines eigenen Volkes zu trauern. Und es bedeutet einen großen Fortschritt in der politischen Kultur Europas und der ganzen Welt, wenn Völker es lernen, die von eigenen Regierungen oder politischen Parteien begangenen Verbrechen öffentlich als solche anzuerkennen und Folgerungen im Sinne einer Genugtuung der Opfer zu ziehen, auf welche Weise auch immer. Dies kann vor allem ein wichtiger Beitrag zur Verhütung zukünftiger staatlich und politisch organisierter Massenmorde sein. Aber grundsätzlich hat der Streit um das größte Verbrechen aller Zeiten absurde Züge. Es bedarf keiner Rangskala in der Bewertung von Völkermorden und der Unterscheidung eines einzigartigen und vieler gewöhnlicher Völkermorde. Den Mord an den Juden wird keineswegs relativiert, wenn auch ein oder zwei anderer herausragender Völkermorde unter Hunderten und Tausenden anderer gedacht wird. Die Ausmaße des sowjetischen Massenmordes sind ebenso einzigartig in der bisherigen Geschichte wie der exterministische Massenmord an den Juden oder auch an den Roma. Und viele andere Völkermorde haben Charakteristika, die sie deutlich von anderen unterscheiden. Der Massenmord im eigenen Volk ist nicht mehr oder minder verwerflich als der an einem anderen Volk. Die gedenkpolitische Aufmerksamkeit der Bevölkerung Europas ist nicht überfordert, wenn sowohl des Endes des Ersten als auch des Zweiten Weltkrieges gedacht wird, außerdem des

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