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Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

© 2013 Egbert Jahn –

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 4 Wesensgleichheit des nationalsozialistischen und des kommunistischen politischen Systems bei allen Unterschieden betont, wieder enormen Auftrieb in der Öffentlichkeit, zurückhaltender auch in der Geschichts- und der Politikwissenschaft. Diese These hat nicht die tief verwurzelte Feindschaft zwischen beiden Systemen ignoriert, die nur oberflächlich durch die taktische Kooperation zwischen ihnen in den Jahren 1939-41 überspielt wurde. Vor allem viele osteuropäische Kritiker des kommunistischen Systems wollten mit dem Aufgreifen der Totalitarismusthese das im Westen vorherrschende eindeutig negative politisch-moralische Urteil über den Nationalsozialismus auf den Kommunismus übertragen und die Gleichberechtigung der Opfer beider Regime auf ein ehrendes Gedenken hervorkehren. Dieses Begehren stieß von Anfang an auf heftigen Widerstand nicht nur in Israel, sondern auch in Westeuropa und Nordamerika, wo viele einer Gleichsetzung der beiden Regime oder von deren Außen- und Kriegspolitik oder aber von ihrer Massenvernichtungspolitik widersprachen und fundamentale Unterschiede zwischen ihnen hervorzuheben trachteten. Sie fürchteten vor allem eine Relativierung und Verharmlosung der nationalsozialistischen Greuel. Alle drei Dimensionen des Vergleichs bzw. der Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Kommunismus spielen bis heute eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des politische und öffentlich-gesellschaftliche Hegemonie anstrebenden Bildes von der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Ländern der Welt und vor allem in Deutschland und Europa. Die Initiative der Balten und Polen fand schließlich im April 2009 Resonanz im Europäischen Parlament, das in einer „Entschließung zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus“ den 23. August als Gedenktag für die Opfer totalitärer und autoritärer Regime festlegte. Immerhin 533 Abgeordnete stimmten dafür, nur 44 dagegen bei 33 Enthaltungen. Viele Abgeordnete werden diesen Gedenktag als Ergänzung zu dem des 27. Januar begreifen, der mit Bezug auf die Befreiung der überlebenden Häftlinge von Auschwitz begangen wird. In Deutschland ist dieser Tag seit 1996 nationaler Gedenktag „für die Opfer des Nationalsozialismus“, in Großbritannien seit 2000 und in zahlreichen anderen Ländern ebenfalls. In Österreich ist der entsprechende Gedenktag der 5. Mai, der Tag der Befreiung der Häftlinge des KZ Mauthausen bei Linz im Jahre 1945. Nach der Einführung ähnlicher Gedenktage in zahlreichen anderen europäischen Ländern beschlossen die Bildungsminister der Mitgliedsstaaten des Europarats 2003, den 27. Januar als „Tag des Gedenkens an den Holocaust und der Verhütung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ einzuführen. Holokaust ist ein altes, auch im Deutschen gebräuchliches Wort aus dem Griechischen für Brandopfer, das durch den amerikanischen Film Holocaust popularisiert und weithin anglisiert wurde.

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 5 Im Jahre 2005 entschied die Vollversammlung der Vereinten Nationen auf Anregung Israels im Konsens, den 27. Januar zum Tag des internationalen Gedenkens zur Ehre der Opfer des Holokausts zu machen und die VN-Mitglieder zu Erziehungsprogrammen zu bewegen, die zukünftigen Generationen die Erinnerung an die Tragödie nahebringen sollen, um eine Wiederholung von Völkermord zu verhindern. Viele Delegierte erinnerten daran, daß erst nach dem Verbrechen der Nationalsozialisten Begriff und rechtliche Verurteilung des Genozids 1948 in das Völkerrecht eingebracht wurden und erwähnten bei dieser Gelegenheit andere Völkermorde vor und nach diesem Jahr, so die Vernichtung der Indianer, den Sklavenhandel, den Holodomor in der Ukraine, die Verbrechen an Koreanern im Zweiten Weltkrieg, die Genozide in Darfur, Srebrenica, Kambodscha, Ruanda usw. Hingegen wurden die anderen Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik wie Sinti und Roma, Slawen, Behinderte usw. nicht in der Vollversammlung der VN erwähnt. Der Konsens zur Verurteilung der Ermordung der Juden war offenbar nur dadurch möglich, daß der Holokaust als herausstechendes Beispiel für alle anderen Völker- und Massenmorde gelten sollte. Die Einmaligkeit des Ereignisses wurde somit ausdrücklich nicht betont, sondern der „jüdische Holokaust als Paradigma des Völkermords“ interpretiert, wie der brasilianische Delegierte sagte. Für Israel war es offenbar ausreichend, daß erstens der 27. Januar und zweitens der weithin für die Ermordung der Juden reservierte Ausdruck Holokaust für einen VN-Gedenktag gewählt wurde. In Israel selbst wird seit 1959 offiziell der Opfer der Shoah (neuhebräischer Ausdruck für das Töten sehr vieler Menschen oder eines ganzen Volkes) am 27. Nizan des jüdischen Kalenders gedacht, der auf wechselnde Tage im März oder April fällt. Im zeitlichen Umfeld dieses israelischen „Tags zum Gedenken an die Märtyrer und Helden des Holocaust“ (Yom HaShoah Ve- Hagevurah) findet auch der Holokaust-Gedenktag in den USA und in Kanada statt. 2 Die Gefahr einer Überlastung europäischer Gedenkpolitik Die Erhebung des 23. August zum Gedenktag für die Opfer totalitärer und autoritärer Regime durch das Europäische Parlament 2009 erneuerte und verschärfte die Debatte über die „Vergleichbarkeit“ der Ermordung der Juden im nationalsozialistisch beherrschten Europa mit anderen Völkermorden, über die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und überhaupt über den Gewaltcharakter des nationalsozialistischen und des kommunistischen Parteiregimes. In der üblichen sprachlichen Ungenauigkeit wird dabei unter Vergleichbarkeit eigentlich Gleichsetzung gemeint. Denn um behaupten zu können, daß die nationalsozialisti-

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