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Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

© 2013 Egbert Jahn –

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 6 sche Ermordung der Juden einmalig und einzigartig sei, muß man einen Vergleich mit anderen Massenmorden anstellen, mit vergangenen ebenso wie mit gegenwärtig laufend dazukommenden. Selbstverständlich ist jeder Massenmord mit einem anderen vergleichbar. Das Ergebnis jeden Vergleichs können einige Gemeinsamkeiten und viele Unterschiede sein. Während viele Menschen, vor allem in Osteuropa, die Gleichstellung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und des Kommunismus als eine Anerkennung der Gleichheit aller Opfer totalitärer Regime aus vielen europäischen Völkern begrüßen, für die etwa die lettische Politikerin Sandra Kalniete schon vor Jahren vehement eingetreten war, verurteilen manche andere den europäischen Gedenktag am 23. August scharf als einen Gegen- Gedenktag oder eine „Anti-These“ (die österreichische Zeithistorikerin Heidemarie Uhl) zum 27. Januar und sprechen von einer „Verfälschung der europäischen Geschichte“ und von einer „Trivialisierung“ und „Relativierung“ des Genozids an den Juden, so der israelische Holokaust-Forscher Yehuda Bauer. Bauer ist der Auffassung, daß der Zweite Weltkrieg von Nazi- Deutschland begonnen wurde, nicht von der Sowjetunion, und daß die Verantwortung für 35 Millionen Tote in Europa bei ersterem liege. Die sowjetische Armee habe Osteuropa befreit und Europa und die Welt vor dem Nationalsozialismus gerettet. Es sei völlig unakzeptabel, daß bei derselben Gelegenheit verschiedener Verbrechen gedacht werde. Für die Verfechter einer großen Ähnlichkeit bzw. wesentlichen Gleichheit von nationalsozialistischer und kommunistischer Massenmord- und Unterdrückungspolitik ist wichtig, daß unter beiden totalitären Regimen Zigmillionen Menschen systematisch ermordet wurden, allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere zu Ethnien, Nationen, Glaubensgemeinschaften oder zu sozialen Klassen und Schichten, manche auch aufgrund ihrer politischen Gesinnung. Sie verweisen zudem auf den Beginn des Zweiten Weltkrieges aufgrund des Molotow-Ribbentrop-Paktes mit dem deutschen und sowjetischen Angriffskrieg gegen Polen im September 1945. So schrieb Daniel Koerfer am 17.9.2009 in der FAZ einen Artikel „Die deutsch-sowjetische Beutepartnerschaft“, der mit den Worten endete: “Aber auch in Deutschland (d.h. nicht nur im heutigen Rußland, E.J.) gibt es in Verbindung mit der hier behandelten rot-braunen Beutepartnerschaft ein mächtiges Tabu. In unserem Land darf man nicht wie François Furet in Frankreich feststellen: ‚Hitler und Stalin haben den Krieg gemeinsam begonnen.’“ Demgegenüber hieß es in der Erklärung einer großen Gruppe deutscher Intellektueller und Politiker in der Zeitschrift „Osteuropa“: “Uns ist es schmerzlich bewußt, daß es ohne den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg weder die kommunistischen Diktaturen in Ostmitteleuropa noch die Teilung des Kontinents und

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 7 Deutschlands gegeben hätte.“ Die sowjetische Rolle beim Beginn des Weltkrieges wird hier nicht erwähnt, obwohl es zuvor hieß: “Der Überfall auf Polen durch Deutschland und die Sowjetunion im September 1939 war der Auftakt zu einem beispiellosen Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Mit diesem Krieg brachte Deutschland unermeßliches Leid über seine Nachbarn in ganz Europa, namentlich in Polen und schließlich auch in der Sowjetunion.“ Bei dieser Formulierung hat die Sowjetunion zwar an dem Überfall auf Polen teilgenommen, aber der „Eroberungs- und Vernichtungskrieg“ und das damit verbundene „unermeßliche Leid“ werden allein Deutschland zugemessen. Ferner spielen in der totalitarismustheoretischen Argumentation große Ähnlichkeiten in den Herrschafts- und Terrormethoden der beiden Einparteienregime, in ihrem Führerkult und in ihren ideologisch-propagandistischen Strategien eine Rolle. Diese Position wird vorzugsweise von nichtrussischen Mittel- und Osteuropäern und auch von vielen westlichen Konservativen, seltener auch von Liberalen und Sozialisten im Westen vertreten. Die Gegner eines gemeinsamen Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus und Kommunismus verweisen auf die Einzigartigkeit des Mordes an den Juden als eines systematisch, bürokratisch, industriell und effizient betriebenen Versuches, sämtliche Juden (einige erwähnen auch die Sinti und Roma) zu ermorden. Kein anderes Regime, auch nicht das kommunistische, habe einem ganzen Volk die Existenzberechtigung schlechthin abgesprochen. Die Zahl der Opfer der beiden Regime spielt in diesem Argument keine ausschlaggebende Rolle. Außerdem verweisen die Gegner des gemeinsamen Gedenktages auf die Allein- oder Hauptschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg, häufig auch darauf, daß die Völker der Sowjetunion seit dem 22. Juni zum Opfer der Eroberungs- und Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Deutschlands wurden. Betont wird dabei, daß sie die Hauptlast in der Anti- Hitler-Koalition trugen und entscheidend zur Befreiung ganz Europas von der nationalsozialistischen Herrschaft beitrugen, und daß sowjetische Truppen die überlebenden Häftlinge des KZs Auschwitz am 27. Januar 1945 befreiten. Diese Argumente werden nicht nur von Kommunisten und ihren Sympathisanten und von vielen ehemaligen Sowjetbürgern vertreten, sondern auch von vielen Israelis, Juden in aller Welt und von zahlreichen Liberalen und Sozialisten, seltener auch von westeuropäischen Konservativen. Die drei Dimensionen des Vergleichs – der Charakter der Massenmordpolitik, die Weltkriegsschuldfrage und die Herrschaftssysteme an sich – werden in der Kontroverse um die Geschichtsbilder und die Gedenkpolitik meist miteinander verknüpft, aber es ist auch zu beobachten, daß oft nur eine oder zwei Dimensionen hervorgehoben werden. Lediglich Anhän-

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