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Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

© 2013 Egbert Jahn –

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 8 ger und Sympathisanten des Kommunismus bzw. des Nationalsozialismus gehen von einem fundamental unterschiedlichen und gegensätzlichen Charakter der beiden Systeme aus und leiten daraus den Stellenwert des Krieges und der Repression „gegen Feinde des Regimes“ ab. Die europäischen Gedenktage des 27. Januar und des 23. August stehen zweifellos im Zentrum um die kontroversen Bemühungen um ein gemeinsames europäisches Geschichtsbild, auch wenn die einzelnen Völker Europas unterschiedlich unter der kommunistischen und nationalsozialistischen Herrschaft gelitten oder an ihr beteiligt waren. Zudem standen in vielen Ländern die einen politischen Kräfte auf seiten der Nationalsozialisten, die anderen auf seiten der Kommunisten und manche wechselten von der einen Seite auf die andere. Schließlich spielt auch bis heute das kriegsentscheidende Bündnis zwischen den Westmächten und der UdSSR eine wesentliche Rolle bei der Beurteilung der Ereignisse in der Vergangenheit. Der Westen sieht sich ungern als Unterstützer des einen totalitären Regimes gegen das andere und neigt deshalb zu einem positiveren Bild vom Kommunismus als vom Nationalsozialismus. Ein gemeineuropäisches Gedenken und das Ringen um eine europäische Identität und ein europäisches Geschichtsbild stehen auch im Wettbewerb mit den oft gänzlich unterschiedlichen, manchmal gegensätzlichen nationalen Geschichts- und Gedenkkulturen. Schließlich konkurrieren die großen politischen Gedenktage auch mit der Aufmerksamkeit für zahlreiche andere Gedenktage. Auf dem europäischen Gedenktagskalender stehen neben allerlei Gründungstagen wie dem Jahrestag der konstituierenden Sitzung der Europäischen Parlamentarischen Versammlung (19.3.) auch solche Tage wie der Europäische Gedenktag für die Opfer des Terrorismus (11.3.), der für die Opfer des Massakers von Srebrenica (11.7.), der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (26.4.), ferner der Europäische Tag gegen die Todesstrafe (10.10.), der Seltenen Krankheiten (29.2.), der für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (5.5.), des Datenschutzes (28.1.), ferner der Europäische Tag der Sprachen (26.9.), des Verbrauchers (15.3.), des Parks (24.5.), sowie der Europäische Kopfschmerztag (13.9.) und einige andere mehr. Berücksichtigt man auch die viel zahlreicheren nationalen Gedenktage, so ist allmählich der Jahreskalender so vollständig mit zivilen Gedenktagen belegt wie mit kirchlichen Heiligentagen. Damit droht eine völlige Überlastung der europäischen wie nationalen Gedenkpolitik, die unvermeidlich zu einer Entwertung, inhaltsarmen Ritualisierung der Gedenkveranstaltungen und zu wachsender Gleichgültigkeit der Bürger ihnen gegenüber führt. Interessant an diesen Tagen bleibt dann nur noch, ob an ihnen arbeitsfrei ist oder nicht.

3 Unterschiedliches nationales Erleiden und Verarbeiten von Völkermordpolitik © 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 9 Geschichts-, Erinnerungs-, Gedächtnis- und Gedenkpolitik spielt seit Urzeiten eine wichtige Rolle bei der Legitimation von Herrschaft. Viele der ersten schriftlichen Dokumente in der Geschichte der Menschheit rühmen die Heldentaten und Leistungen von Herrschern. In der Regel sollen militärische Siege und Eroberungen, manchmal auch Friedensschlüsse im Gedächtnis der Menschen eines Kulturkreises verankert werden. Später sollten auch hin und wieder heroische militärische Niederlagen in Erinnerung gehalten, um den Widerstand gegen Fremdherrscher und Unterdrücker zu motivieren. Anscheinend wurde erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Opfer von Untaten und Verbrechen, die von einem Regime und Angehörigen des eigenen Landes begangen wurden, offiziell gedacht. Voraussetzung dafür ist nicht nur ein Politikwechsel, sondern ein revolutionärer oder ein von außen erzwungener Regimewechsel, der die Distanzierung des neuen Regimes vom alten mit seinen Verbrechen erlaubt. So wurde die Verurteilung der nationalsozialistischen Verbrechen und seit den 1960er Jahren immer häufiger ausdrücklich auch des singulären Mordes an den Juden zu einem wesentlichen Element der Identität der demokratischen Bundesrepublik Deutschland. Sie diente außer der eigenen politisch-moralischen Selbstversicherung, derart gravierende Menschenrechtsverletzungen niemals mehr zuzulassen, unter anderem auch der Aufnahme der Bundesrepublik in den Kreis der westlichen Nationen. Für viele andere Nationen hat das Gedenken an den Holokaust meist eine gänzlich andere Funktion. Einerseits wird das Leiden der eigenen Nation unter der nationalsozialistischen Herrschaft (Polen, Tschechien usw.) oder unter deren Kriegsführung (z. B. Großbritannien) mit dem besonders barbarischen Leid der Juden in Verbindung gebracht. Hin und wieder wird aber auch die Kollaboration bei der Judenermordung selbstkritisch thematisiert. Dann erhält das Gedenken an den Holokaust eine brisante innenpolitische, kontrovers beurteilte Komponente, deren Bedeutung jedoch mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration schwindet, da es den Generationen der Kinder und Enkel leichter fällt, sich von den Untaten und Unterlassungen von Mitgliedern der Eltern- und Großelterngeneration zu distanzieren. Geschichtspolitik versucht, ein bestimmtes Geschichtsbild in der Öffentlichkeit zu verankern, zumindest in den offiziellen Geschichtsdarstellungen von Politikern, Parlamenten, Schul- und Lehrbüchern, möglichst aber auch im Bewußtsein der Bevölkerung. Letzteres ist aber auch geprägt von der persönlichen Erinnerung an das eigene Erlebnis von Ereignissen oder von zeitgenössischen Medienberichten. Es ist damit je nach Person, Familie, Freundes- und Bekanntenkreis, nach Informationsgrundlage und politischer Gesinnung höchst unterschiedlich

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