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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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100 wußten Selbst keine

100 wußten Selbst keine 3000 Jahre alt und hätte mit Hybris begonnen. Andere Völker waren anscheinend frühreifer als die Griechen: Die Hethiter praktizierten bereits 1000 Jahre früher formale Kriegserklärungen, um dem Gegner Zeit zur Aufrüstung für einen gerechten Kampf zu lassen, und kannten die Gleichberechtigung der Frau, hatten also Selbstbewußtsein und gestanden es Anderen ebenfalls zu. Der postulierte „Freiheitsjargon“ wird von Prinz (ib. 37) auch Kollektiven zugestanden, z. B. der Gesellschaft, d. h. Institutionen der „politischen“ und damit „kollektiven“ Willensbildung (ib. 37). – Nun ist ein Ausdruck wie „kollektive Willensbildung“ bestenfalls mehrdeutig. Im ‚wörtlichen‘ Verständnis führt er zu einem metaphysischen . Wie alles Menschliche entsteht ein „Wille“ (oder vorsichtiger: ein Willensgefühl) zunächst (unbewußt) in einem Individuum. Mehrere Individuen können Willensausdrücke entwickeln, die, z. B. in der Kommunikation, als einander funktional ähnlich angenommen werden können. (Zur Problematik von Vergleichen vgl. Vermeer + Witte 1990.) Es kann zu einem angenommenen Konsens kommen. Das Empfinden kann gesellschaftlich gesteigert werden. Ausgerechnet in einer Demokratie kommt es aber selten zur Einstimmigkeit, sondern bestenfalls zu einem Mehrheitswillen als kleinstem gemeinsamen Teiler, wobei sich Abweichler freiwillig oder gezwungen gefälligst demokratisch in ihr Schicksal zu ergeben haben. Wer lauthals protestiert, wird in Gewahrsam genommen. – Gerade dieses Verhalten zeigt, daß Freiheit, Wille und Bewußtsein, wenn es sie denn im landläufigen Sinne gibt, individuelle (wenn auch soziokulturell überformte) Empfindungen sind. Jedes Individuum muß in jedem Moment selbst entscheiden. Nicht-Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Entscheidungen werden erfahrungsgemäß durch soziokulturelle Anpassung mittels interindividueller (durchaus nicht unbedingt verbaler) Interaktionen (Kommunikation) beeinflußt. In diesem Sinne kann für einen Teil ≥2 der Mitglieder einer Gesellschaft generalisierend von einer gemeinsamen Entscheidung gesprochen werden. – (Zu „kollektiv“ s. unten: Begriff.) Die Annahme, der Mensch sei frei, habe einen freien Willen und sei sich seines Verhaltens bewußt, hat noch eine weitere Konsequenz. Gemeinschaft besagt u. a. Zustimmung von Individuen zu einem gesellschaftlichen Problem und existiert damit im Bewußtsein u. a. als eine für die Anderen übernommene Verantwortung. Es geht darum, ob Zustimmung freiwillig oder situationsadäquat ‚mechanisch‘ erfolgt. Im Grunde gibt es keine kollektiven Rechte und Pflichten, sondern gesellschaftlich überformte und

101 dadurch interindividuell gegenseitig angeähnelte (teilangepaßte) individuelle Rechte und Pflichten gegenüber einer Gesellschaft infolge des Lebens in ihr. Gesellschaften werden von Menschen gegründet. (Prinz sagt „gemacht“.) Wie ‚frei‘ ist ein Mensch bei seiner Mithilfe oder Ablehnung? Ein Mensch kann und muß sich einer Gesellschaft anschließen bzw. mit anderen zu einer Gesellschaft zusammentun. Er kann (freiwillig?) aus einer Gesellschaft ausscheiden und sich einer anderen anschließen. Mesokosmisch gehört ein Individuum zahlreichen Gesellschaften bzw. Sub-Gesellschaften an (vgl. Ehe, Familie, Nachbarschaft, Berufsorganisationen, Freizeitinteressen, lokale, überlokale bis internationale Verbände usw.). Folglich muß sich jeder, der zu einem gegebenen Zeit-Raum-(Quasi-)Punkt einer Gesellschaft angehört / anzugehören annimmt, ihr anpassen, weil er ihr zu eigenem Nutz und Frommen angehören will bzw. muß (ib. 37). Prinz benutzt das Bild der Räder in einem Ganzen. Einen freien Willen haben Menschen also genau in dem gleichen Sinn, in dem sie Räder, Rechte und Pflichten haben. Räder, Rechte, Pflichten und Freier Wille sind Artifakte, die Personen sich aneignen und benutzen. (ib. 37). Sehen wir von den seltsamen Verquickungen von Materie und Virtualitäten ab, wenn Räder und Willensfreiheit als Artifakte in einen Topf geworfen werden. Wer sich seiner jeweiligen Gesellschaft nicht anpaßt, kann bis zur Androhung von Emigration, Ächtung oder gar Tötung dazu ‚von Rechts‘ (!) wegen gewungen werden. Auch in der besten Demokratie. (Tötung muß nicht als offener Mord geschehen. Auch Hunde gehen unter gewissen Umständen ein. Guantánomo ist ein möglicher Umstand.) Im Tierreich ist es nur artspezifisch anders. Das gesamte Problem ist kein ausschließlich menschliches. Es bestand also Hunderte von Millionen Jahren vor dem ersten Menschen. Sind Tiere etwa instinktiv tyrannischer, als Menschen es sein sollten und könnten? Vielleicht habe ich im vorstehenden Kapitel etwas unterlassen: abermals daran zu erinnern, daß im Universum alles rückgekoppelt ist, tout se tient. Hieraus geht eine Komplementarität und damit eine Ganzheit (die hier oft genannte Holistik) hervor, die Gegensätze, auch scheinbare (vgl. Aktiv- vs. Ergativsprachen), durch gegenseitige oder besser gemeinsame Relativität ausgleichen könnte (vgl. Mayer-Abich 1997 im Ausgang von Niels Bohr).

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