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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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104 folgende Handeln ist

104 folgende Handeln ist zielgerichtet („funktional“; vgl. die Rückkoppelung). Also spielt die aktuelle Funktion eine mitentscheidende Rolle bei einer Kontrolle. Ob Willensfreiheit oder nicht, der Organismus als Ganzes bekommt (im Rahmen seiner Kontrollaufgabe) ‚Verantwortung‘ für eine Entscheidung, sei sie bewußt oder unbewußt. Er muß (mit)entscheiden. Eggers (2008, 55-59) versucht, die Wichtigkeit eines Einbezugs der Umwelt aufzuzeigen. Er ersetzt Willensfreiheit durch „Verantwortung“ (ib. 61-63); es müßte die Verantwortung für die Entscheidung der Kontrollschleife sein. Verantwortung ist die sozio-aktive Empfindung für das Kontrollergebnis. Kontrollen können, wie schon angedeutet, einmalig sein oder momentan von Moment zu Moment iteriert werden (Situationen sind mikrokosmisch betrachtet [quasi]momentan). Gefühle, z. B. ein unbestimmtes Unwohlsein bei einer Handlung, gehören zur Kontrollschleife. Am Ende entscheidet das Gehirn ‚nach Anhörung der Meinung der Kontrollschleife‘ in letzter Instanz (vgl. Roth 2005, 56). Der Mensch vermeint trotzdem zu „tun“, was er für richtig hält, oder sucht sich in inneren Rückzugsgefechten zu verteidigen und für das, was sein neurophysischer Apparat entschieden hat und die Kontrollschleife nicht akzeptieren wollte, zu entschuldigen oder doch noch zu begründen. Dann kann es dazu kommen, daß der Mensch tut, was er „gar nicht wollte“ (es „geschah“ ihm). (Vgl. unten die Spiegelung als kritische Beobachtung einer Beobachtung). Nachdenken ist ein rationales Vorgehen, das mit heftigen Emotionen einhergehen und von ihnen entscheidend beeinflußt werden kann. An sich größere emotionale neuronale Aktivitäten werden nur insofern be- oder überdacht, als das Denken selbst rationalisiert werden kann. Ich suche nach einer möglichst holistischen Erfassung der hier angeschnittenen Themen. – Gefühle kann man nicht fühlen. Man kann sich nur bewußt werden, daß man emotional aufgewühlt ist usw., und das ist wieder eine andere Geschichte. – Auch Emotionen werden soziokulturell überformt. Die „Kontrollschleife“ des Bewußtseins erlaubt also u. U. die Korrektur einer in der Vergangenheit begangenen Handlung, die dadurch im nachhinein u. U. als Fehler eingestuft wird. Die Korrektur kann nur nachträglich, also in der Zukunft erfolgen. Wird sie das, so ist eine weitere Kontrolle vonnöten ..., und so fort bis eben an das Ende der Zeiten. Erst wenn es keine Zukunft mehr gibt, holt Achilles Zenons Schildkröte ein. Das Ende ist das Ziel. Jeder Weg, und sei er auch ein Umweg, führt entgegen Octavio Paz’ (2004, 12.69) Diktum an ein Ende. Ein Irrweg kann tragisch enden. Vor die soeben erwähnte angebliche Entscheidbarkeit eines auf den ersten Blick geradezu pervers und sadistisch erscheinenden Verfahrens zu

105 einer angeblich möglichen Revision durch den Willen des Menschen gestellt, entpuppt sich die sog. Willensfreiheit als verspätetes Palliativ. Zur weiteren Aufgabe der Kontrollschleife meint Singer (2004, 61): Ein offensichtlicher Gewinn könnte die Mitteilbarkeit der Gründe sein. Auch wenn die benennbaren Motive nur Fragmente darstellen, erlaubt ihre Kommunizierbarkeit eine wesentlich differenziertere Bewertung von Verhaltensdispositionen, als dies durch die Beobachtung von Verhalten allein möglich wäre. Diese Mitteilbarkeit hat vermutlich entscheidend zur Entwicklung und Stabilisierung sozialer Systeme beigetragen, weil sie die Option eröffnet, die Äußerungen über getroffene Entscheidungen zu bewerten. Das heißt mehrerlei: Durch das Vermögen, sich einen inneren Druck bewußtmachen und zudem evtl. verbalisieren zu können, wird das anstehende Problem nochmals kritisch und zwar auf sozialer Ebene doppelt überprüft und kann sich dadurch bis zu einem gewissen Grad sogar entschärfen (oder entschärft werden). Dadurch, daß der Druck kommuniziert werden kann, wird er sozusagen auf mehrere Schultern verteilt; es entsteht zwischenmenschliches Vertrauen. Der Kommunikationspartner wird zu einem Teil der Kontrollschleife und trägt deren Verfahren und Verantwortung mit. Die Kontrollschleife verändert die Aktivitäten des Gehirns. Bei gewohnheitsmäßigen Handlungen, z. B. eine Kaffeetasse anfassen, anheben und zum Munde führen, wird die Kontrollschleife normalerweise nicht bemüht, wohl aber evtl. bei der Frage, ob man schon wieder Kaffee trinken dürfe. Die Frage ist, wie ‚neutral‘ ein Gehirn sein kann, wenn es selbst über die Bedingung der Aktivierung der Kontrollschleife und ihrer etwaigen Bewußtwerdung entscheidet und schließlich ‚das letzte Wort‘ bekommt. Vielleicht ist die Schleife bereits fest in den neuronalen Ablauf einer Entscheidung über den ‚Wert‘ einer vorzunehmenden Handlung eingebunden. Auch hierbei kann wieder eine indefinite Menge von in ihrer Einflußkapazität variierenden inneren und äußeren, syn- und diachronischen (erinnerbaren) Faktoren angenommen werden. Wird die Schleife als Willensfreiheit verstanden, so erweist sich letztere als arg eingeschränkt und schwerlich holistisch. Die Neurobiologie hat im Verein mit der Mikrophysik herausgefunden, daß rund 85% aller Gehirnaktivitäten dem stolzen Besitzer dieses Schatzes unbewußt bleiben. Lediglich etwas 10 bis 20 Prozent der Aktivitäten können (!) dem Menschen bewußt werden. Es klingt etwas verwegen, Entscheidungsfreiheit auf diese schmale Basis gründen zu wollen. Bewußtwerdung ist ein Resultat immer komplexer werdender Evolution oder genauer: durch Evolution immer komplexer gewordener bzw. werdender Gehirnstrukturen und dadurch entstehender Empfindungen. – Trotz aller möglichen Einwände ist ein Ver-

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