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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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108 Freiheit für das in

108 Freiheit für das in soziale Verpflichtungen eingebundene menschliche Individuum erwachsen. Vielleicht kann man diese ‚Freiheit‘ nicht Willensfreiheit, aber zunehmende Reflexionsfähigkeit nennen. Die bisherige Ausbeute meiner Vorlesung ist schmal: Eine eindeutige Frage ob und vor allem inwieweit sich das Verhalten, Tun und Handeln eines Menschen bzw. einer Gesellschaft und die Struktur der Sprache, die von dieser Gesellschaft oder diesem Menschen gesprochen wird, gegen- oder evtl. auch einseitig beeinflussen, muß offenbleiben. Die Mikrophysik nimmt an, daß elementare Prozesse und Partikel jedes Element eines Organismus mitgestalten. Die Neurobiologie konnte auf die Frage nach der Existenz einer Willensfreiheit noch keine überzeugende Antwort geben. Als nächstes soll das Rechtswesen untersucht werden. Dort kommen physisches und kulturelles und damit auch sprachliches Verhalten notwendigerweise zusammen. (Ich komme unten vom Standpunkt des geltenden Rechts noch mehrmals auf die ‚Willensfreiheit‘ zurück; zur Translation juristischer Texte[me] vgl. Arntz 1995b; 2003; 2007; Holzer 2004; Soffritti 1995; Gruntar Jermol 2006; zur Situierung juristischer Texte[me] in ihren eigenen Kontext[em]en vgl. Hebenstreit 1997, bes. 103-106; vgl. auch die einschlägigen Beiträge in der von Krings + Mayer 2008, 335-409, herausgegebenen Arntz-Festschrift.) 9. Schuld und Sühne Hoffentlich bleibt auch im folgenden deutlich, daß ich von Grundbedingungen für das Leben in einer Gesellschaft und damit u. a. auch von der Stellung eines Menschen in seiner Gesellschaft, der Ausübung eines Berufs, von Zeugnissen und Noten und ihren Folgen, sowie wiederum von der Perspektivität und damit Realitivität jeden Verhaltens und seiner Bewertung (Evaluation) zu einem gegebenen Zeitpunkt und nicht zuletzt von Translationen und ihrer Bewertung sprechen will. Ich möchte diese Grundlagen exemplarisch an einem aktuellen Problem(kreis) unserer Zeit zu bedenken geben. Das Beispiel skizziert das Verhältnis der hierzulande geltenden Rechtswissenschaft (ich will hier einmal von Wissenschaft sprechen, doch s. unten) zur Willensfreiheit und der damit verbundenen Verantwortlichkeit im Lichte (oder vielleicht eher Schatten) der Unentscheidbarkeit für oder gegen die Existenz von Willensfreiheit. „Recht“ im alltäglichen und damit auch juristischen Verständnis besagt zweierlei: [1] Gemeint wird, was als ‚richtig‘, rechtens bzw. rechtmäßig

109 angenommen wird. Der Gegensatz zu diesem Recht ist das „Unrecht“. [2] Innerhalb dieser allgemeinen Auffassung wird „Recht“ im juristischen Sinn auf mündlich überliefertes (vgl. die Präzedenzfälle) oder/und schriftlich kodifiziertes Recht eingeschränkt und in diesem Sinn der juristischen Klärung und Ausübung überlassen. Weithin wird angenommen, daß der Mensch ein ‚natürliches‘ Empfinden für das, was ‚recht‘ ist, mit auf die Welt bringt. Dieses als natürlich betrachtete Empfinden wird im Laufe der Sozialisierung/Enkulturation des Menschen, d. h. im Laufe seiner Eingliederung in eine Gesellschaft, kulturell überformt. (Jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens Mitglied indefinit vieler Gesellschaften und Kulturen von der Familie bis zum Volk und einer Nation und heute sogar „Unionen“ von Nationen, in manchen Lebenslagen vielleicht auch schon global.) Kulturelles Rechtsempfinden kann dem indivuellen widersprechen (vgl. die Kultur als Regulativ). Hier entsteht dem Individuum u. U. ein Loyalitätskonflikt. Individuelles und soziokulturelles Rechtsempfinden werden durch Iterationen zum Habitus 80 bis hin zu einer Überzeugung. – Im folgenden diskutiere ich das Strafrecht als Sondersorte des kodifizierten Rechts. Ich behandle dabei nur die Frage, wie Strafe verstanden wird, weshalb sie so verstanden wird, wie sie verstanden wird, wie sie verstanden werden kann, was sie bezwecken soll und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen oder erdacht werden können, Strafe notwendig oder unsinnig erscheinen zu lassen und sie gegebenenfalls ersetzen zu können. Wer von Strafe spricht, spricht auch von Verantwortung für Bestrafung und gegenüber dem zu Bestrafenden bzw. Bestraften. Schon bei Voltaire (2008, 146), und er war nicht der erste, heißt es im Märchen von der Prinzessin von Babylon: Als erster stiftete [der Kaiser von China] einen Tugendpreis, während in allen anderen Ländern die Gesetze – zur Schande sei es gesagt – darauf beschränkt waren, Verbrechen zu bestrafen. Die Strafjustiz ist wohl die unchristlichste Haltung und Handlung, die eine sich christlich nennende Gesellschaft ein- und annehmen kann. 2γαπ8τε τος χθρος µν - Liebet eure Feinde (Matth. 5.44). Strafe mag von einer Wiederholung der Tat abhalten, aber sie bessert nicht. Der Täter sucht bei neuerlicher Verfehlung nach Mitteln, nicht ertappt zu werden. 80 Gewohnheit kann als habitus (mit kurzem u) ins Lateinische übersetzt werden. Der Plural zu habitus lautet auf Latein habitūs (mit langem u: ū). Die Länge wird üblicherweise nicht eigens markiert. Ich bezeichne sie hier der Deutlichkeit halber.

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