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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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112 Teil des Körpers

112 Teil des Körpers und die „Person“ eine Ein- oder Ganzheit, also wird eine Strafe an einem anderen Teil eines ganzen Menschen als einer Person für eine Tat, die ein anderer Teil zu verantworten hat, vollzogen. Das Gehirn kann durch lange Haft, evtl. Folter, in Mitleidenschaft gezogen werden. Das genannte Zustand ist im herrschenden Rechtsempfinden jedoch kein Grund für oder gegen eine Bestrafung. Deren Art, Schwere usw. und ihre Auswirkungen auf das Empfinden des Täters werden als positiv erhofft (!), ansonsten im wahren Sinn des Wortes ‚gröblich‘ ignoriert. Ein Straftäter ist Teil einer Gesellschaft. Soll die Gesellschaft mitbestraft werden? Ist dies vermeidbar? – Wenn sich ein ‚Terrorist‘ [ohne Überprüfung, ob er einer ist] in die Luft sprengt, sind alle Terroristen Mörder. – Wenn eine Hand abgeschlagen wird, leidet der ganze Körper. – Ist die Gesellschaft mitverantwortlich? – Vgl. die Harz-IV-Armut. Heute kann das Gehirn soweit ausgeschaltet werden, daß der Körper nicht mehr leidet. Dadurch wird allerdings nach Meinung von Rechtsgelehrten und Philosophen kein Paradox beseitigt. – Die Verabreichung des mono-aminen Transmitterstoffs Serotonin als Resozialisierungsmittel zur Ruhigstellung von Straffälligen ersetzt nach Wingert (2007) Strafe nicht. Die gezielte Veränderung des Serotoninspiegels bei einem Straftäter kann wohl dazu beitragen, dass der Aufbau einer massiven, impulsiven Aggression blockiert wird. Damit mag Schlimmes fürderhin unterbunden sein. Nur genügt das nicht, um soziale Beziehungen wieder ins Lot zu bringen, die durch eine schwere Straftat exemplarisch gestört wurden. Dafür ist nötig, dass das sanktionierte Verhalten des Täters als Unrecht zurückgewiesen wird. Ein neurotechnisches Einwirken kann das für sich genommen nicht leisten. Denn bei solchen Eingriffen wird dem Täter nicht als Autor eines unberechtigten Tuns, sondern nur als Ursache eines unerwünschten Verhaltens begegnet. Eine vorbeugende Verabreichung von Serotonin ist, wie leicht einsichtig, nicht zulässig. Jeder Proband würde zum potentiellen Täter, jedes Mitglied der Gesellschaft zum potentiellen Straftäter. Durch Wingerts Darstellung wird zugleich vorsichtig umschrieben, daß ein geschehenes „Unrecht zurückgewiesen“ werden muß. Was immer das konkret heißt, es ist sicherlich nur ein Ziel eines Strafprozesses, und im verbreiteten Mißverständnis von Strafprozessen wohl das unwichtigste. Sinnvoll wäre die vorbeugende Verhinderung. Andererseits wird bekanntlich nicht Unrecht in den Vordergrund gestellt, sondern eine Handlung als Straftat. Bestrafung scheint wichtiger zu sein als ihre Recht- oder Unrechtmäßigkeit und damit die Beurteilung (Evaluierung) von Straftat, Strafrecht und Recht- oder Unrechtmäßigkeit (vgl. Vaihinger 1911, 198). Selbst bei einer so umsichtigen Analyse von „Strafrecht und unbestrafte[n] Straf-

113 taten“, wie Campagna (2007) sie vorlegt, scheint die Befriedigung eines Rachegelüsts nicht ganz aus dem Hintergrund verbannt werden zu können. Das Wort „Strafe“ tut mehr, als bloß ein bestimmtes Tun zu beschreiben: es legitimiert darüber hinaus dieses Tun – unter der Voraussetzung, dass man das Strafen überhaupt als legitim betrachtet. (Campagna 2007, 38) „Strafe“ soll nicht nur das Strafen legitimieren, sondern macht das Vergehen, das bestraft wird, erst zu einem „Vergehen“, d. h., durch Bestrafung wird ein Vergehen Realität-als-Vergehen. Wie kann ein Einzelner eine Störung der gesellschaftlichen Ordnung „exemplarisch“ wiedergutmachen? Wie kann Wiedergutmachung geschehen? Wieder wird der Täter als Straftäter und zwar als Straftäter gegenüber einer Gesellschaft gesehen. Hier wird die Subjekt-Objekt-Dichotomie einer Sprachstruktur als Modell für das Verhalten einer Gesellschaft eingesetzt. (X hat Y umgebracht. Das Gericht bestraft X. Um Y können sich die Hinter kümmern.) Ein Modell ist ein perspektivisches Konstrukt. Der verbale Ausdruck bestimmt die Perspektive, und die Perspektive bestimmt, wie das Recht verstanden wird. Also muß der Täter Subjekt zum Objekt (einer Bestrafung) werden. Erst dann wird, so lautet die Argumentation, der Gesellschaft (also dem Abstraktum ), weil es auch um eine exemplarische Behandlung geht, Genugtuung geleistet. [F]ür die Wiederherstellung einer intakten Sozialbeziehung, in der bestimmte Ansprüche und Verbindlichkeiten bestehen, müssen diese Rechte und Pflichten als legitim bekräftigt werden. Die zukünftige Vermeidung unerwünschten Verhaltens reicht dafür nicht. (Wingert 2007) „Unerwünscht“ und „unberechtigt“ sind „zweierlei“ (ib.). Es geht um das „bestehende“ Recht. Dem muß Genüge getan werden. Die Berechtigung des Rechts selbst wird nicht hinterfragt. Sein Bestehen wird als statisch existent gesetzt. Noch schlimmer: Strafe wird mitunter sogar als eine Art „Ehre“ dargestellt, nämlich „als Pflicht gegenüber dem Verbrecher“ (Campagna 2007, 67-69). Durch das geltende Recht wird die eigentlich selbstverständliche Wiedergutmachung als „Sühne“ in den Hintergrund gedrängt. (Das Wort „Sühne“ spielt bei Campagna so gut wie keine Rolle.) Vielleicht ist „Sühne“ als /wie Buße ein veralteter Ausdruck. „Wiedergutmachung“ riecht nach Reparaturversuch und unmöglicher 1:1-Aufrechnung eines realen und virtuellen Schadens. – Smith ([1759] 1976, 103 [II.iii.2.8] scheint auch Sühne als eine Art Strafe zu sehen. – Wir müssen also nachsehen, was es mit dem angeblich unwandelbaren Recht auf sich hat und ob es nicht dringend von einer anderen Struktur her neu gedacht werden kann und muß.

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