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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

114 Hören wir zuerst

114 Hören wir zuerst wieder Hobbes ([1651] 1999, 214) mit einem schon zu seiner Zeit überraschend einfältigen, aber auch heute noch vorrangigen Argument: Strafe gebe es “to the end that the will of men may thereby the better be disposed to obedience”. Strafe wird also verhängt, um den Menschen (nein, genauer: andere/alle Menschen) gehorsam, d. h. unterwürfig, zu machen. Da haben wir die Subjekt-Objekt-Perspektive vom Vermachteten (genauer: von Vermachteten) und der Macht (des Souveräns, dessen Stelle heute vielfach „das“ Recht einnimmt). Dazu hätte u. U. auch eine Gehirnwäsche genügt. (Sie wurde bereits in Erwägung gezogen, aber mit der Begründung, sie mißachte die Würde des Menschen, verworfen. Wird die Würde des Menschen nicht auch durch den Vollzug einer Strafe an einem Menschen mißachtet?) Weiter fragt Hobbes (ib.), ob es ein Recht zu strafen gebe. It is manifest therefore that the Right which the Common-wealth (that is, he, or they that represent it) hath to Punish, is not grounded on any concession, or gift of the Subjects. [...] And this is the foundation of that right of Punishing, which is exercised in every Common-wealth. For the Subjects did not give the Soveraign that right; but onely in laying down theirs, strengthned him to use his own, as he should think fit, for the preservation of them all: so that it was not given, but left to him, and to him onlely; [...]. Das wäre die Verschiebung von der privaten Rache zur allgemeinen Strafe, zu einer Funktion. Für Schopenhauer wird Strafe legitim, wenn sie einem guten Zweck dient, also Nutzen stiftet (vgl. Campagna 2007, 52f). Doch die Erhaltung der Menschheit hängt weiterhin von der Subjekt- Objekt- oder Macht-Vermachteten-Struktur ab. Trotzdem könnte Macht, z. B. Staatsmacht, auch ganz auf den Nutzen, im vorliegenden Fall also der Besserung eines Übeltäters zu seiner Resozialisierung abgestellt werden. Besserung gilt der Wiedereingliederung in die Gesellschaft, womit die Verhinderung weiterer Straftaten einher geht. Bisher sind die für eine Resozialisierung statt Strafe eintretenden Stimmen noch recht zurückhaltend (vgl. Campagna 2007, 66f). Es überwiegt der Ruf nach der Pflicht des Staates zu strafen, d. h. zu rächen, die Pflicht, Leviathan zu sein. Der Strafprozess ist somit in erster Linie mehr ein auf die Strafe hin orientierter Prozess, als ein Prozess, der nach einer für alle Betroffenen geeigneten Lösung auf die Straftat suchen würde. (ib. 92) Das Übergewicht der Abstrafung zeigt sich auch darin, daß die Opfer einer Tat im Strafprozeß allenfalls eine Nebenrolle spielen dürfen (ib.). Es geht weniger um Sühne als um das Strafen als solches.

115 Nun behaupte ich, jeder Handlung liege eine Funktion zugrunde. Eine Funktion ist immer vorausweisend. Rache will das Unmögliche: die Vergangenheit ändern. So kann auch eine Strafe, die nicht Rache sein will oder soll, nur zu einem zukünftigen Zweck bzw. zu zukünftigen Zwecken eingesetzt werden, z. B. zur Wiedergutmachung oder/und zur Resozialisierung. (Zum „Zweck der Strafe“ vgl. Campagna ib. 73-95.) Jegliches Gerede über Genozide und dgl., das „die Erinnerung wachhalten“ soll, genügt nicht, wenn es nicht dem Ziel dienen soll, von Wiederholungen („Iterationen“) abzuhalten. (Beachte den Unterschied: Strafe hält nicht ab, Rede soll abhalten.) Die Sprache, in der man etwas ausdrückt und beschreibt, spielt eine wichtige Rolle. Rückwirkende Gesetze zu schaffen ist selbst eine Untat (vgl. Campagna 2007, 130-133). Nicht um des begangenen Verbrechens willen muss er [der Straftäter] diese Strafe erleiden (denn das Geschehene kann ja nie ungeschehen gemacht werden), sondern deswegen, dass er für die Zukunft selbst entweder jedes Unrecht vollständig und von Herzen meidet (wie auch alle, die ihn der strafenden Gerechtigkeit verfallen sehen), oder doch einen beträchtlichen Teil dieses Elends von sich abschüttelt. (Platon, zit. n. Campagna 2007, 85) Ein Zweck (ein „Skopos“, eine Funktion) dient in einem Gemeinwesen nicht nur einem Einzelnen, sondern der Gemeinschaft. In diesem Zusammenhang muß auf ein sträfliches Versäumnis der heutigen Gesellschaft (vertreten durch den Staat) hingewiesen werden: Es gibt eine Pflicht zur Vorbeugung gegen Straftaten. Das beste Mittel zur Prävention ist die früh einsetzende Sozialisierung, d. h. die Erziehung eines Individuums zu einem sozialen Wesen als Mitglied einer Gesellschaft. Sozial sein heißt Verantwortung übernehmen. Erziehung obliegt den Eltern und dem Staat, letzterem z. B. durch Schulen und Lehrer – man könnte auch allgemein von einer Erziehung durch Lehrende sprechen, und zwar auf allen Ebenen von Kindsbeinen bis zur Universität. Der Mangel an Lehrenden, zumal guten, überfüllte Klassen und Hörsäle und schlecht durchdachte Curricula sind in keiner Weise zweckdienlich. Wer darf/soll wozu strafen? Hobbes vertrat bekanntlich einen extrem diktatorischen Standpunkt. Der Souverän eines Staats ist für ihn der Stellvertreter des allgewaltigen Gottes. Dieser hatte und jener sollte nach ihm das unbegrenzte Alleinrecht haben zu bestimmen, was immer er für angebracht hielt. Diese Allmacht wurde dem Souverän verliehen, weil das Volk auf die Ausübung eigener Macht verzichtete (!), also nicht durch ausdrückliche Übertragung, sondern zur Ausfüllung einer Leerstelle. Der Souverän kann sein Recht seinerseits an andere delegieren.

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