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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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[...] the fact for which

[...] the fact for which a man is Punished, ought first to be Judged by publique Authority, to be a transgression of the Law. (Hobbes 1999, 215) 116 Das Recht ist also wieder einmal zu allererst ein Strafrecht. Strafen erscheint bis heute als Hauptgrund für die Existenz eines Rechts („des“ Rechts) in einer Gesellschaft, z. B. einem Staat. Auch der des öfteren erwähnte Schutz vor weiterem Unrecht (vgl. Campagna 2007, 23) tritt wie die Besserung eines Täters in den Hintergrund. Legt das heute dominante Wort „Strafrecht“ den Akzent auf die Rechtslage der Straftat, so legt das heute kaum noch gebräuchliche Wort „Kriminalrecht“ […] den Akzent auf das, was zur Strafe Anlass gibt, also auf die Straftat (lat. crimen)[.] (ib. 24) Sicherlich ungewollt, bleibt das Wort „Strafe“ im Vordergrund. Die Perspektive geht vom Strafen aus. Die Wortwahländerung betont die Tendenz zum Strafen desto mehr. Auch wenn diese Begriffe [Straf- und Kriminalrecht] ganz oft denselben Normenkomplex bezeichnen, rücken sie doch ganz unterschiedliche Elemente in den Vordergrund. Indem eine Gesellschaft diesen oder jenen Begriff vorzieht, bringt sie, bewusst oder unbewusst, eine bestimmte Einstellung zum Ausdruck. Spricht man von Strafrecht, so denkt man unweigerlich an das Strafen, was nicht der Fall ist, wenn von Kriminalrecht die Rede ist. Hinter der bloßen Wortwahl kann sich eine ganz andere Wahl verstecken, nämlich die Wahl einer bestimmten Umgangsart mit den kriminellen Handlungen. (ib.) Sprache beeinflußt die Perspektive, von der aus etwas wahrgenommen wird. Wie etwas dank der verwendeten Sprache wahrgenommen wird, so wird es als real/Realität bis zur Überzeugung geglaubt. (Zur Rechtssprache vgl. Gruntar Jermol 2006; Arntz 2007. Arntz (2007, 3) erwähnt zwar unterschiedliche „Methoden des juristischen Denkens“ zwischen Britannien und Frankreich, doch kann aus einem gewissen Abstand durchaus vom heutigen europäischen Rechtsdenken gesprochen werden. Es erhebt, anders als das islamische, nicht den Anspruch, sein Gegenstand sei göttlichen Ursprungs. Somit werden beide Rechte anders begründet, gleichgültig, ob sie ‚recht haben‘ oder nicht. Natürlich ist die Gründung eine Annahme. – Man kann dem glauben, der behauptet, er habe eine Eingebung von Gott erhalten, aber man muß deshalb noch nicht glauben, daß Gottes Wort selbst ergangen oder daß es korrekt wiedergegeben worden sei. „Gesetz“ hat in der jüdisch-christlichen Tradition einen religiösen Sinn. Gott ist das Gesetz. In Bezug auf das sog. Alte Testament spricht man vom mosaischen Gesetz oder Gesetz des Mose. Was die Bibel sagt, ist Gesetz. Vor allem ist die הרות (Thora), die fünf Bücher Mosis, das „Gesetz“. – Üb-

117 rigens verzeichnet das DUW (1989) religiöse Einträge für „Gesetz“ nicht mehr; bei Grimm + Grimm ([1897] 1984, 5, Sp. 4070ff) kamen sie noch alle vor. Da stehen sie an zweiter Stelle (II.2, 4071): Gesetz als das „gebot gottes“ (mit Verweis auf ib. 7c und 7d, 4074f), „die lehre eines religiösen glaubens und damit verbundenen sittengesetzes, zunächst des jüdisch-mosaischen“ und „im gegensatz dazu der christliche glaube, das evangelium“ sowie „danach auch von Muhameds lehre“ und schließlich (7d) „das buch des gesetzes, die fünf bücher Mosis“ und „das alte testament“. Campagna (2007, 26) verweist darauf, daß es Kriminalität nur gibt, solange es strafrechtliche Normen gibt. Konsequent kann es weiter heißen (ib. 29), daß eine Straftat entsteht, wenn im Strafgesetzbuch dafür eine Strafe vorgesehen ist (s. oben zur „Legitimierung“ durch Strafe). Erst durch die Strafe wird die Art der Tat, des Täters und des Bestrafenden, z. B. des Richters, festgesetzt (ib. 30). Das alles ist kulturspezifisch (vgl. Vergehen vs. Verbrechen ≠ ital. delitto vs. crime; vgl. Arntz 2003). Ein Täter handelt in einer Gesellschaft. Ein Richter handelt ebenfalls in dieser Gesellschaft. Beider Handeln kann Unbeteiligte betreffen oder zumindest mitbetreffen. Wenn jemand zu einer Haftstrafe verurteilt wird, leidet seine Familie ebenfalls ein Übel. Das sollte zwar möglichst vermieden werden, bleibt aber für das Strafrecht außen vor, ist ihm nicht von Belang (vgl. Campagna 2007, 40). Der Bestrafte wird selbst nach Abbüßung der gerichtlichen Strafe weiter bestraft, indem er z. B. gesellschaftlich geächtet wird, z. B. ihm keine Arbeitsmöglichkeit geboten wird. Strafe hat noch eine zweite Seite: die Verachtung. [Der Bestrafte] feels himself irrecoverably degraded by the punishment, though not by the crime. (Smith [1759] 1976, 61 [I.iii.s.10]) Ein weiteres Paradox des geltenden Strafrechts liegt darin, daß der Bestrafende (der Richter, der Gesetzgeber) selbst nicht absolut schuldfrei ist. Es gibt folgerichtig Stimmen, die das Strafen allein Gott überlassen möchten (vgl. ib. 43). Und es kommt noch eines hinzu, daß ich in der Folge in den Mittelpunkt stellen will: Urteilen heißt, etwas als X annehmen. Wir haben soeben gesagt, dass die Strafe eine Reaktion auf ein begangenes Unrecht ist. Eigentlich müsste man sagen, dass sie eine Reaktion auf ein vermutetes begangenes Unrecht ist. Wichtig ist also nicht das Faktum des begangenen Unrechts, sondern der feste Glaube an ein begangenes Unrecht, die Überzeugung, dass ein Unrecht begangen worden ist. (Campagna 2007, 38; vgl. wieder oben zur „Legitimierung“)

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