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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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118 Es genügt, daß der

118 Es genügt, daß der Bestrafende, z. B. der Richter, „die starke Vermutung der Schuld des Bestraften“ voraussetzt (ib. 39) und „dass die Strafe nur denjenigen treffen kann und darf, […] von dem vermutet wird, dass er es [das Unrecht] begangen hat“ (ib.). Diese Abschwächung liest man bei Campagna mehrfach. Es besteht somit die Gefahr, dass [Menschen] mit bestem Wissen und Gewissen Menschen bestrafen, die es eigentlich [!] nicht verdient hätten, von denen sie aber glauben, sie verdienten es. (ib. 50) Wie steht es um die Grundlagen für die Rechtsprechung? – Es gibt keine. Auch wenn [„die strafrechtlichen Normen“] einen allgemeinen Teil enthalten, wagen die meisten Strafgesetzbücher sich nicht bis auf die Ebene der Prinzipien, aus denen sich alle partikularen Strafrechtsnormen ableiten lassen. (Campagna 2007, 17) Streitet die derzeitige Neurobiologie die Willensfreiheit ab und schießt dabei bisweilen übers eigene Ziel hinaus, so verteidigt die Rechtswissenschaft die Existenz des z. Zt. bestehenden Rechts und als deren Grundlage die behauptete Willensfreiheit mindestens ebenso heftig und (für mich durchaus sträflicherweise) unter Verweigerung von Begründungen und außerhalb jeder wissenschaftlichen Argumentation. Als allgemeines Normensystem berechtigt das Strafrecht bestimmte Instanzen, Handlungen auszuführen[,] die, wenn sie nicht durch eben dieses System von Normen abgedeckt wären, selbst einen Anlass für strafrechtliche Schritte liefern würden. Das Strafrecht ist in diesem Sinne ein zur Strafe berechtigendes Recht, wobei allerdings sogleich betont werden muss, dass sich das Strafrecht nicht über die allgemeine Begründung des Rechts zu strafen äußert, sondern vielmehr die Existenz eines solchen allgemeinen Rechts voraussetzt[.] (Campagna 2007, 22) Von Protagoras 83 (Πρωταγρας; um 480 – um 410 v. Chr.) ist der Spruch überliefert, er habe gesagt, π0ντων χρηµ0των µέτρον 4νθρωπον εναι („Aller Dinge Maß ist der Mensch“; Diels + Kranz 1996, 2.263, 80 [74], B 1). Über die Bedeutung dieser Aussage bei Protagoras streitet man sich. 84 Viele Interpreten verstehen „Mensch“ als ‚Allgemeinbegriff‘, andere als Individuum: Jeder Mensch müsse selbst urteilen. Dazu gehört dann, daß sich der Mensch seine Meso- und Makro-Realität(en) mitsamt seinen/ihren Göttern selbst schafft. 83 Zur Historie der Rechts- im Rahmen einer Kulturwissenschaft vgl. die Beiträge in Senn + Puskás (2007). 84 „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ (Wittgenstein 1969, 311)

119 Protagoras wollte die „als eine Technik kultivierte Beredsamkeit zum grundlegenden Instrument des Rechts“ machen (Brodéüs/Sedlaczek 2000, 156). In der Antike wurde Emotivität als gewollter Teil eines Gerichtsverfahren angesehen. Ein Beklagter konnte seine Familie und Freunde und Klientel mit vor Gericht bringen, die den Richter u. a. durch ihr Weinen und Haareraufen günstig stimmen sollten. Das griech. Wort πείθειν heißt (mit einer, allerdings nicht immer beachteten, syntaktischen Differenz) sowohl „überzeugen“ als auch „überreden, (emotional) bewegen“. Gleiches gilt für das lat. persuadēre. Bei den Germanen konnte die Menge 85 der Klientel, die ein Beklagter mitbrachte, für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein. Seit Aristoteles fragen sich die Wissenschaftler, „ob es möglich ist, Prinzipien anders als willkürlich zu setzen, das heißt mit einer gewissen Begründung, warum man genau diese setzt und nicht etwa andere, ohne es jedoch beweisen zu können.“ (Brunschwig/Sedlaczek 2000, 112). Doch nicht jeder bemüht sich ernsthaft um eine Begründung. Auch die Mathematik beruht letzten Endes „auf Hypothesen, die sie als bekannt voraussetzt und die sie glaubt nicht weiter begründen zu müssen“ (ib. 113). Die heute übliche Arithmetik beruht auf den vier von Giuseppe Peano Anfang des letzten Jahrhunderts (1904) aufgestellten Axiomen. Popper (1981) wies nach (?), daß es letzten Endes keine Beweisbarkeit gibt. So kann auch die Mathematik „aufgrund des hypothetischen Charakters ihrer Prinzipien […] zwar Kohärenz für sich in Anspruch nehmen, aber nicht Wahrheit“ (Brunschwig/Sedlaczek 2000, 113). – Mathematiker werden diesen Satz zurückweisen. Die Crux der Sprache. Sie ist mehrdeutig. Hofstadter/Held (2008, 165) setzt Wahrheit und Beweis gleich. (Sicherlich hätte Popper dem zugestimmt; ich nicht.) X ist wahr, weil es einen Beweis für X gibt: X ist wahr, deshalb gibt es einen Beweis für X. Es wird nicht gesagt, daß der Beweis tatsächlich gefunden wird, aber die zweite Zeile verlangt Vollständigkeit. (Solange diese beiden Forderungen nicht allgemein erfüllt sind, gibt Popper keine Ruhe; vgl. die Axiome.) Übrigens, Lügen sind ein interessantes Phänomen und trotz Weinrich [1966] oft besser als die Wahrheit. – Zu Wahrheitsbehauptungen vgl. Vermeer (1983, 53-75). 86 85 (und Bewaffnung) 86 In einer Hinsicht (Perspektive) hatte die traditionelle Philosophie recht, wenn sie einen wohlgeformten Satz als „wahr“ behauptete. Ein solcher Aussagesatz enthält ja eine Behauptung, und die behauptet eine Erkenntnis. Wahrheit ist dann angenommene Erkenntnis. – Das griech. Wort für „Wahrheit“ ist 2λήθεια „die Unverborgenheit“

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