Aufrufe
vor 4 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

120 Antiphon

120 Antiphon (Αντιφν), ein griechischer Sophist des 5. Jhs. v. Chr., behauptete, „die Forderungen von Gesetz und Brauch […] sind willkürlich auferlegt“ (zit. n. Canto-Sperber/Sedlaczek 2000, 122). Besonders deutlich wird in unserer Zeit Mastronardi (2006, 39). Zur fehlenden Begründbarkeit des Rechtswesens schreibt er: Die Rechtswissenschaft […] ist eine normative Entscheidungslehre. Sie erhebt nicht den Anspruch einer […] Wissenschaftlichkeit. Ihre Erkenntnisse sind dogmatischer Art. Da haben wir den Kernsatz der Rechtslehre, die sich damit selbst unglaubwürdig macht: Gesetze sind gesetzt, also Willkür! 87 Man muß sich diesen Satz langsam zu Gemüte führen, denn er ist schwer verdaulich. Daß Jura keine Wissenschaft sei, kann man übergehen. Schließlich hat man das früher auch von der Medizin behauptet, später vom Sport, der trotzdem eine akademische Disziplin geworden ist, und natürlich ebenso z. B. von der Translation. Das erschreckt nicht weiter und perlt am Schutzmantel der Verteidiger genannter Disziplinen ab. Eines aber bleibet: Recht ist dogmatisch gesetzt. – Das wußten bereits die alten Griechen: Ihr Wort für „Gesetz“ ist νµος, „Brauch, Gewohnheit“. – Der Gesetzgeber ist selbst dem Gesetz unterworfen. Und ein weiteres: Die bloße Existenz solchen Rechts zwingt, auf es zu reagieren (vgl. oben zum Zwang, auf einen Reiz zu reagieren): Le surgissement même de la justice et du droit [...] implique une force performative, c’est-à-dire toujours une force interprétative[.] (Derrida 1990a, 940f, zit. n. Kaarto 2008, 523 117 ) 88 Das Verhalten des Forschungsreisenden in Kafkas In der Strafkolonie (1996, 4.151ff) als Reaktion wird exemplarisch: The explorer is here using – in a Nietzschean manner, force, making something just happen, by remaining silent, by not interfering with the impending collapse of the penal system, which is practically caused by him. (Kaarto 2008, 524) (2- Negationspräfix + Stamm idg. *lā- „verborgen/versteckt sein“), das Erkannte oder vielmehr:: das als erkannt Angenommene. 87 Vgl. zu den folgenden Ausführungen u. a. Kafka (Vor dem Gesetz 1996, 4.120f; In der Strafkolonie 1996, 4.149-177), dazu Derrida (1990a); Benjamin (Zur Kritik der Gewalt 1991, 2.1, 179-203); vgl. Kaarto (2008, 485ff). 88 „Das Aufkommen des Rechts und der Gerechtigkeit […] impliziert eine performative Kraft (Gewalt),das heißt es impliziert regelmäßg eine deutende Kraft (Gewalt)[.] (Derrida / García Düttmann 1991, 27) – Soweit ich Derria, Heidegger und Husserl nicht selbst einsehen konnte, zitiere ich nach Kaarto.

121 Derrida / García Düttmann (1991, 25) unterstreicht, man zolle Gesetzen kein Ansehen, weil sie gerecht seien. Wer immer auch den Gesetzen gehorcht, weil sie gerecht sind, folgt ihnen nicht auf angemessene Weise, so, wie er ihnen folgen soll und muß. Für das Volk gab es von alters her die Sühne als Rache. Hier muß ich wieder an Hobbes erinnern: Das Volk hat seine Macht freiwillig an den Souverän abgetreten, und so erhielt der schrankenlose Machtfülle. Ich frage mich, weshalb man sich noch über Recht und Rechte streitet. Sie sind. Punktum. – Engberg (2008, 335) spricht zudem von der „Tatsache, dass Sprache das Recht determiniert“. Dadurch kann Recht „nur innerhalb der Grenzen von Präzision, Eindeutigkeit und Stabilität“ (ib. 338) bedingt interpretiert werden und ist dabei dem Prozeßcharakter alles Sprachlichen unterworfen. Engberg (ib. 340-342) sieht dabei zwei Bedingungen für relative Stabilität: die „geschlossene Diskursgemeinschaft“ der Juristen und die „Interpretationshierarchie“. Beide Bedingungen erinnern an die Theologie. Senn (2007, 13) geht genauer auf die Grundlage des Rechts ein: Das Recht ist vom Menschen für den Menschen gemacht. Es stellt keine vorgegebene Ordnung, ein natürliches System, dar, das aus sich selbst heraus entstünde, sondern das Recht wird vom Menschen geschaffen und somit ist es auch ein Teil seiner Kultur. Wie seit der Antike geht die Wissenschaft auch heute noch von der „vom Menschen“ geschaffenen (makrokosmischen) Allgemeinheit, der Ebene des generalisierten und daher reduktionistischen „Begriffs“ aus (vgl. „der Mensch“, „das Recht“ usw.). Mit dem Bezug auf Kultur wird aber deutlich, daß spezifiziert werden muß. Sowenig es „die“ Kultur in der mesokosmischen Realität gibt, 89 so wenig kann es auch „das“ Recht geben. Es gibt holistisch mikrokosmisch gesehen indefinit viele Kulturen bis hinunter zur (mikrokosmischen) momentanen Kultur eines Individuums zu einem gegebenen Raum-Zeit-Punkt mit seiner emotionalen und rationalen Befindlichkeit in einer gegebenen Situation / einer gegebenen Umwelt. Wenn Recht bei Senn als Teil einer Kultur verstanden wird, müßte es eben ‚von Rechts wegen‘ auch indefinit viele Rechte bis hinunter zum individuellen Recht geben. Letzteres müßte sich dann jedermann selbst geben, so wie sich jeder auch individuell kulturell (idiokulturell) verhalten kann und tatsächlich verhalten muß und verhält. Mikrokosmisch gesehen gelten die genannten Phänomene (quasi)momentan. Generalisierungen sind (mit ihren dazu notwen- 89 Zu Recht und Kultur vgl. Senn (2007); Senn + Pukás (2005). – M. Fischer (2007, 61) nennt Kultur im allgemeinsten Sinn eine „allgemeine menschliche ‚Software‘[.]“. Schwierig und willkürlich wird dann die Abgrenzung zum Verhalten der „Tiere“.

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag - Fachbereich Translations ...
Modulhandbuch BA (Stand März 2010) - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung MA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...