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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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122 digen Reduktionen,

122 digen Reduktionen, zumal auf Ratio) nötig, um über überindividuelles Recht (vgl. die Dia- und Parakulturen) sprechen zu können. In diesem Sinne kann es dann heißen: „Das Recht setzt seine Normen mit staatlichem Zwang durch[.]“ (ib.) Vielleicht unbedacht wird mit diesem Satz ein zweiter Unterschied zwischen Kultur und Recht gemacht. Beide Termini werden durchaus unterschiedlich interpretiert. Kultur bündelt, so hieß es oben, Verhaltensregeln. Das Recht kennt aber keine Regeln, sondern Normen und Gesetze. Dieser Unterschied scheint mir wesentlich zu sein (obgleich etliche Wissenschaftler außerhalb des Rechtswesens auch von kulturellen Normen und Gesetzen sprechen und Rechtswissenschaftler zu präzisieren versuchen, was eine ‚ìst‘; vgl. z. B. Seelmann 2007, 125f). Es kommt noch Grundsätzliches hinzu: Wer nach einem allgemein menschlichen Recht (oder irgendeinem anderen „Begriff“) sucht, findet nicht mehr als die Erkenntnis, es gebe Recht (usw.). Nur kann die jeweilige Reichweite („Extension“) des in Frage stehenden Gemeinten nicht angegeben werden. Der Gedanke an und die Forderung (!) nach „Menschenrechten“ entstammt der abendländischen ‚Geistesgeschichte‘. Die Nähe zu einem Vordenker- und Vormachtanspruch und der oben besprochenen Subjekt-Objekt-Dichotomie ist dabei nicht ganz von der Hand zu weisen. Kühne (2007, 191) macht dies mit seiner Kritik deutlich: Vielfach nehmen Kulturrelativisten den Standpunkt ein, Menschenrechte seien Ausdruck eines westlich-individualistischen Menschenbildes, welches auf Selbstverwirklichung des Individuums ausgerichtet und deshalb unvereinbar sei mit dem kommunitären Ethos kultureller Gesellschaften in Afrika oder Asien. Es geht nicht an, ein kommunitäres Ethos zu einem allgemein menschlichen zu machen. Eine ernsthafte Diskussion von Möglichkeiten ist auch trotz eines gewissen Optimismus bei Kühne im sog. globalisierenden Zeitalter noch nicht denkbar, weil gerade der ‚Westen‘ 90 keine Gleichberechtigung (v)erträgt. 90 Es ist schwierig, einen neutralen Ausdruck zu finden. Mit „Westen“ meine ich (vor allem West-)Europa + (zumindest Nord-)Amerika. Etwas veraltet wird für das Gemeinte „Okzident“, noch älter „Abendland“ gebraucht. Mittel- und Südamerika werden meist ausgeklammert; früh hießen sie „die Neue Welt“. Vgl. Baginsky (1942, 1) zur ältesten dt. Ausgabe von Amerigo Vespuccis (1451-1511) Mundus Novus: „Von der neü gefunden Region so wol ein welt genempt mag werden, durch den Cristenlichen künig, von Portigal, wunderbarlich erfunden; [Basel 1505].“ Das Gegenteil zum Westen im oben gemeinten Sinn ist nicht „Osten“, womit meist Osteuropa bezeichnet wird, sondern „Orient“ für Asien, veraltet „Morgenland“.

123 Allgemein gilt, daß jedes Recht(swesen) nicht idio-, sondern dia-, meistens para-kulturell und damit ­rechtlich gesehen wird: die juristische Perspektive … und Notwendigkeit. Der Mensch lebt real sozial nur in seinem Mesokosmos. Die Probleme, die durch die notwendige Vernetzung von Kultur und Recht entstehen, zeigen sich dann allerorten, z. B. am Gerangel um Stammzellenforschung. Nun hatte Hobbes recht, daß der Souverän (die Regierung) übernimmt und übernehmen muß, was die Bürger im einzelnen oder mehrheitlich nicht übernehmen woll(t)en: die verallgemeinerte (und damit reduzierte) Rechtsetzung. Es ist unmöglich, es einem Individuum, zumal auf mikrokosmischer Ebene, recht zu machen. Die permanente Dynamisierung des Rechts […] ist anthropologisch betrachtet unhaltbar. (Senn 2007, 15) Es ist voreilig, Kultur ebenfalls erst und nur als überindividuelle dauerhafte „Gestaltungsform“ anzusetzen. [D]ie Fähigkeit des Menschen zu Freiheit und Verantwortung [wird vorausgesetzt]. (Mastronardi 2006, 40f) Dann muß ein kulturelles Regulativ u. U. mit (staatlicher usw.) Macht durchgesetzt werden. Vorhin hieß es (vgl. Prinz), Freiheit entstehe in einer Gemeinschaft, sei also überindividuell bzw. gehöre der Gemeinschaft und damit doch wohl eigentlich nicht dem Individuum an. Zudem wird behauptet, daß Verantwortung nur aus (Willens-)Freiheit entstehe und beide Freiheit und Verantwortung eine Einheit von Freiheit-in-Verantwordung bildeten. Mastronardi bespricht dieses Problem nicht. Somit läßt er offen, ob er individuelle Freiheit zugesteht. Ich bezweifle es und öffne damit einen weiteren Widerspruch in seinem Gedankengebäude. Wenn Prinz nämlich mit seiner sozialen Freiheit recht hat, entsteht eine Ameisengesellschaft. Vielleicht ist die aber gar nicht menschlich. Nennen wir die menschliche also eher eine Robotergesellschaft (und wissen nicht, wann Roboter, denen Entscheidungsfreiheit in unserem menschlichen Sinne zugestanden werden kann, gebaut werden können). Individuen gäbe es in der Prinz-Mastronardi-Gesellschaft vor dem Gesetz nicht mehr. Sie wären eine Chimäre wie für viele Neurobiologen die Willensfreiheit. Das wäre zumindest konsequent. Die Widersprüchlichkeit folgt auf dem Fuße: Die Rechtswissenschaft „zählt zu den hermeneutischen Disziplinen“ (Mastronardi 2006, 42). Gesetze werden ausgelegt – oder: Willkür wird willkürlich gesetzt und kann obendrein nur ausgelegt, d. h. kulturell überformt individuell interpretiert (übersetzt), also als Annahme angewandt werden, was wiederum willkür-

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