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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

124 lich geschehen muß,

124 lich geschehen muß, weil es ja keine reale Basis für die Auslegung/Interpretation gibt, wie Mastronardi oben ausdrücklich bestätigt hat. Die Auslegung (Übersetzung) erfolgt durch Juristen, deren Tun nach Mastronardi nicht wissenschaftich begründbar ist, denn für sie gibt es keine Wissenschaft, also keinen festgelegten Kanon kausal-logisch-rational anwendbarer Interpretationsregeln (hier -gesetze). Die Literaturwissenschaftler wissen gut Bescheid um die Unbestimmtheit von Interpretationen (vgl. Jauß 1973; Iser 1990 etc.). Rechtstexte und juristische Methodik haben den Stellenwert von Mitteln zur Rationalisierung einer subjektiven Entscheidung. (Mastronardi 2004, 42) Nun ist alle Beobachtung perspektivisch, also (übersetzte) Teilansicht. Somit ist auch Verstehen eine auf kulturell überformter individueller Rezeption eines Objekts unter indefinit vielen situationellen (quasi-momentanen) Bedingungen zustande kommende Interpretation (Übersetzung). Außerdem behaupte ich im Anschluß an Luhmann (1985), es gebe keine unmittelbare Rezeption eines Objekts, Penetration oder per definitionem reziproke, rückgekoppelte Interpenetration erfolgten indirekt, indem eben jedem Organismus jede Beobachtung oder sonstige Aufnahme individuell (rückgekoppelt) angepaßt oder besser: angewandelt (in sie übersetzt) werden müsse (vgl. z. B. Nahrungsaufnahme und Symbiose). Das gilt für jede Beobachtung und erst recht für die Rezeption von Aussagen (vgl. Vermeer 2006a), z. B. die Beobachtung eines Zeugen und dessen Vernehmung hierüber. Jeder von jemandem vernehmlich geäußerte Gedanke (usw.) wird von jedem Rezipienten auf dessen eigene Weise rezipiert (übersetzt). Sonst könnte es ja kein Mißverständnis, Unverständnis und keinen Streit um Interpretationen usw. geben, wovon z. B. die Literaturwissenschaftler im wesentlichen leben. Es gibt keine „Auslegung, die beziehungslos, d. h. absolut gültig sein könnte“. Sachliche ‚Neutralität‘ oder gar Selbstauslöschung des Interpreten ist letztlich unmöglich. Sie im Grunde auch, wenn wir nicht auf jegliche „Lebensbedeutsamkeit“ verzichten möchten, nicht erwünscht. Für „ein hermeneutisch geschultes Bewußtsein“ gilt es, wie Gadamer ausführt, „für die Andersheit des Textes von vornherein empfänglich [zu] sein“: „Solche Empfänglichkeit setzt aber weder sachliche ‚Neutralität‘ noch gar Selbstauslöschung voraus, sondern schließt die abhebende Aneignung der eigenen Vormeinungen und Vorurteile ein. Es gilt, der eigenen Voreingenommenheit innezusein, damit sich der Text selbst in seiner Andersheit darstellt und damit in die Möglichkeit kommt, seine sachliche Wahrheit gegen die eigene Vormeinung auszuspielen.“ (Neumann 2006, 150; die Zitate aus Gadamer; die eckige Klammer im Text)

125 Man spricht oft von der „Befangenheit“, z. B. eines Zeugen, aber weit seltener wird der emotionale ‚Zustand‘ eines Zeugen usw. vor Gericht bei seinen Aussagen berücksichtigt, z. B. seine Angst und Beklemmung vor der Situation, in der er sich befindet. (Vgl. auch ‚die Angst des Richters vor seinem Urteil‘.) Wir haben es mit vier Bedingungen (Übersetzungen) einer Interpretation zu tun: 1. mit den situationell allgemeinen (einschließlich der soziokulturellen) und den dispositionell individuell-momentanen Vorbedingungen 2. mit dem Skopos (der Funktion, dem Ziel und Zweck) der intendierten Interpretation 3. mit der Interpretation selbst und ihrer Übersetzung in eine Ausdrucksweise (z. B. Sprache) gemäß (2) und 4. damit (3) für jemanden ([einen] Rezipienten [Sing. oder Plur.] als Individuum/Individuen) Wenn nun ein Richter einen Fall behandelt, rezipiert er nicht den Fall, sondern dessen Interpretation(en) (Übersetzungen) durch andere (vgl. Mastronardi 2006, 43). Platon […] erklärte […] in einer paradoxen und umstrittenen Passage seines Theaitetos, daß im Hinblick auf ein Ereignis der Vergangenheit, zum Beispiel ein Verbrechen, nur ein Augenzeuge wissen könne, was geschehen ist, und daß der Richter, wenn er, vom Vortrag der Redner überzeugt, dennoch zu einem korrekten Urteil kommt, dabei „ohne Wissen“ geurteilt habe (201b). (Brunschwig/Sedlaczek 2000, 103) Die angegebene Stelle lautet im Original (Plato 1987, 201B, zit. n. Fowler 1987, 220): ΣΩ [Sokrates]. Η τν µεγίστων ες σοφίαν, ος δ καλοσιν ήτορ0ς τε κα δικανικος. οτοι γ0ρ που τ αυτν τέχν πείθουσιν ο διδ0σκοντες, 2λλ1 δοξ0ζειν ποιοντες 7 7ν βολωνται. σ οει δεινος τινας οτω διδασκ0λους εναι, στε ος µ παρεγένοντ τινες 2ποστερουµένοις χρήµατα τι 4λλο βιαζοµένοις, τοτοις δνασθαι πρς δωρ σµικρν διδ0ξαι κανς τν γενοµένων τν 2λήθειαν; ΘΕΑΙ [Theaitet]. Οδαµς γωγε οµαι, 2λλ1 πεσαι µέν. ΣΩ. Τ πεσαι δ’ οχ δοξ0σαι λέγεις ποισαι; ΘΕΑΙ. Τί µήν; ΣΩ. Οκον ταν δικαίως πεισθσιν δικαστα περ ν δντι µνον στιν εδέναι, 2λλως δ µή, τατα ττε ξ 2κος κρίνοντες, 2ληθ δξαν λαβντες, 4νευ πιστήµης κριναν, ρθ1 πεισθέντες, επερ ε δίκασαν;

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