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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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128 nen“ und

128 nen“ und „Verstehen“ sowie „deskriptivem“ und „normativem“ Denken. Dabei erklärt er das mit den Termini Gemeinte folgendermaßen: Ein Teilnehmer an einem Fall versucht ihn zu verstehen, ein Beobachter erkennt und zwar angeblich „unmittelbar“ (ib. 55). Soeben versuchte ich darzulegen, daß gerade dies nicht zutrifft. Verstehen ist Teil oder Folge eines Erkennens (ib. 55 39 ). Sollte man daher nicht sagen, Verstehen sei das Resultat aus einer Erkenntnis, das natürlich erst dann gegeben sein kann, wenn die Erkenntnis abgeschlossen ist (genauer: abgeschlossen worden ist) und auch nur in dem Maße, als in der Folge das Verstehen als abgeschlossen gelten kann? Deskriptives Denken erkennt (nach Mastronardi) einen Gegenstand als „Faktum“ und damit als „Wahrheit“. Ich verkompliziere: Ein Gegenstand wird als ‚wahres‘ Faktum angenommen. Der Wahr-Nehmende (vgl. den Ausdruck!) kann im Augenblick der Wahrnehmung von der wahrhaftigen Existenz des Wahrgenommenen überzeugt sein (vgl. ib. 55f). Wahrheit ist, was man erkannt zu haben glaubt. „Die“ Wahrheit, so glaubt dann manch Mächtiger, könne auch durch Folter herausgefunden werden (vgl. Lenkersdorf 2000, 116 23 ). Normatives Denken erkennt nach Mastronardi (ib. 56) die „Richtigkeit“ eines Objekts (z. B. eines Gesetzes) und versteht den Gegenstand (z. B. das in Frage stehende Gesetz) als „Norm“. Das könnte sich beißen. Der Teilnehmer sucht normative, richtige Entscheidungskriterien. Der Beobachter (hier z. B. der Richter) will die objektive Wahrheit erkennen. Mastronardi verweist auf die Naturwissenschaften. Es ist naiv, die objektive Wahrheit erkennen zu wollen. Man kann nur eine Metawahrheit als Wahrheit über die angeblich objektive Wahrheit erkennen. Absolut gesetzt, sind weder Religion noch Politik noch Wissenschaft gangbare Wege zur ‚Wahrheit‘. (Keil-Sagawe 2004, 211, zu Habib Tengour) Die Rechtswissenschaftler sind sich über den einzunehmenden Standpunkt nicht einig (vgl. Mastronardi 2006, 56). Dann müßten sie aber den Schluß ziehen, daß ihr Recht relativ ist, und müßten dann auch nur relativ urteilen, d. h. nicht verurteilen. (Das Präfix ver- besagt u. a. ~ „ganz und gar, bis auf den Grund, grundsätzlich“ usw.) Freiheit heißt, nach der Richtigkeit einer Entscheidung fragen können (vgl. ib. 64), und Verantwortung, diese Erkenntnis relativierend einem Urteil zugrunde legen. Urteilen heisst, den Mut (oder ist es ausweglose Verzweiflung?) aufbringen, im Bewußtsein einer immer unsicher bleibenden Entscheidung (und im Fall einer gerichtlichen Verhandlung einer angenommenen Straftat) dennoch ein Urteil widerrechtlich zum Schaden des Verurteilten fällen.

129 Schließlich ergeht jedes Gerichtsurteil zunächst mündlich (vgl. auch das Formulieren eines Gedankens vor der Niederschrift), danach auch schriftlich (d. h., es wird ins Schriftliche übersetzt). In beiden Fällen spielt die oben beschriebene Sprachstruktur eine Rolle. Kultur ist mehrfach spezifisch: individuell (idio-, dia- und para-kulturell). Bekanntlich zerfällt auch „das“ Recht in viele kulturspezifische und untereinander z. T. unvereinbare bzw. nicht kompatible Rechte (Mastronardi 2004, 47-54). „Das“ Recht gibt es nicht. Es ist an der Zeit zu hören, was Juristen zur Leugnung der Willensfreiheit sagen. Werfen wir also einen weiteren Blick auf ihre Meinungen zur Problematik von Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Freiheit und Willensfreiheit. Allgemein gilt für die Rechtsprechung: Willensfreiheit […] wird unterstellt. Diese Unterstellung ist die Voraussetzung für die Existenz von Gerichten, für funktionierende Rechtssysteme und moralisches Handeln. Ohne sie ist Gesellschaft nicht denkbar. (Reemtsma in Markowitsch + Reemtsma 2007, 118) Das müßte Richter eigentlich nachdenklich machen: Willensfreiheit „ist eine Empfindung. Ein subjektives Gefühl und kein Willensakt“ (Markowitsch in Markowith + Reemtsma 2007, 118). – Wenn Willensfreiheit für Rechtsurteile vorausgesetzt wird, wird zu Unrecht geurteilt, weil die Freiheit fraglich geworden ist und gegebenenfalls von indefinit vielen, nicht überprüfbaren Bedingungen abhängt (s. oben). Reemtsma behauptete, ohne Willensfreiheit könne keine Gesellschaft existieren. Was meint Reemtsma mit „Gesellschaft“? Ameisen- und Bienenstaaten existieren ohne Willensfreiheit, wie wir annehmen, bzw. Willensfreiheit wird üblicherweise so definiert, daß sie nur einem Bewußtsein habenden Menschen (und manchmal und in geringerem Maße einigen ‚höheren‘ Tieren) zukommt. Zahlreiche Tierarten leben in Gesellschaften, ohne daß ihnen vom Menschen Willensfreiheit zuerkannt wird. Für weitere Erörterungen folge ich einem Vortrag Burkhardts (2006). Manche Neurobiologen verneinen bekanntlich, daß es „Willensfreiheit im Sinne des ‚Unter-denselben-physiologischen-Bedingungen-willentlichandershandeln­Könnens‘“ gibt (ib. 83). Das heißt einerseits: ein Mensch kann im selben Raum-Zeit-Moment zwischen (mindestens) zwei Möglichkeiten wählen. Andererseits ist anzunehmen, daß Burkhardt für eine Entscheidung eine gewisse Dauer der Überlegung einräumt. Das ist das übliche mesokosmische Verständnis. Dann wird fraglich, ob es sich bei (mindestens) zwei Raum-Zeit-Momenten noch um dieselben Bedingungen

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