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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

130 handeln kann. –

130 handeln kann. – Ein Fußballspieler, der sich während eines Spiels auf einer Stelle des Feldes eine halbe Minute ‚untätig‘ ausruht, kann den Sieg seiner Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes ‚aufs Spiel setzen‘, weil sich die Spielsituation inzwischen dramatisch verändert haben kann. Wenn eine Entscheidung aber (quasi)momentan, d. h. in einem Raum-Zeit-Punkt, fällt, können die in diesem Moment entscheidenden Bedingungen für eine Entscheidung dem Richter für seine Entscheidung nicht exhaustiv bekannt sein. Auch der entscheidende Täter kennt die Bedingungen für seine Tat nur zu einem kleinen Teil. Im entscheidenden Moment ist er u. U. nicht Herr seiner Lage. In einem Moment gibt es keine Bewegung. Die Neurobiologie kann mangels Kenntnis(se) neuronale Prozesse und damit menschliche Handlungen nicht hinreichend zuverlässig voraussagen (ib. 83). Zustände, wie z. B. Überzeugungen usw., sowie das „Freiheitserleben“ können „kausal wirksam“ werden (ib. 83), d. h., als auf das Handeln und auf Handelsabsichten einwirkend angenommen werden, wenn derartige Zustände (von einem Beobachter – auch der Selbstbeobachter ist nur Fremdbeobachter) als real existent betrachtet werden. „Überlegungen“ können zukünftiges Verhalten (in ähnlicher Weise) mitentscheiden (ib.). – Burkhardt (ib. 85) gesteht zu: Unbedingte, alternativistische Willensfreiheit ist kein Bestandteil der Grundannahmen der Rechtsgesellschaft (ib.85). Das ist ein wichtiger Grundsatz, der aber durchaus nicht von allen Juristen geteilt wird. Gewiß kann die Neurobiologie zumindest heute noch nicht mit Bestimmtheit nachweisen, daß es keine Willensfreiheit gibt (s .oben), doch folgt daraus nicht die Annahme, „im Bewusstsein der Freiheit (Bewusstsein des Anderskönnens) zu handeln“ stehe „nicht in Widerspruch zum neurophysiologischen Determinismus“ (ib. 85), und noch weniger, daß man deshalb Recht sprechen müsse, als sei die Willensfreiheit eine ausgemachte Tatsache. Ebensowenig tragfähig ist die Annahme „der westlichen Rechtsgesellschaften“, „dass der Staat seine Bürger als freie, der selbständigen Entscheidung und Verantwortung fähige Personen zu behandeln habe“ (ib. 85) – „zu behandeln habe“ heißt ja wohl auf gut Deutsch, daß der Staat von der Willensfreiheit, also von (bisher) Unbeweisbarem, ausgehen müsse. Andererseits wird nicht bestätigt, daß das Freiheitserleben Indeterminismus voraussetzt (ib.87). Burkhadts Behauptung verlangt außerdem nach einer wesentlichen Erweiterung, nämlich dem „respice finem“ (eine seit dem Mittelalter belegte Warnung; Hans Sachs übersetzte 1557: bedenck das end!; vgl. Büchmann 2001, 35f), also die Verantwortung für die Folgen und damit die Verantwortung, diese (nicht absehbaren) Folgen (auch für

131 andere, z. B. die Familie des Verurteilten) in ein Urteil einbeziehen zu müssen. Nun gilt aber in der Rechtslehre, daß „[p]ersönliche Schuld [voraussetzt], dass der Täter […] im Bewusstsein des Anderskönnens“ gehandelt hat (Burkhardt 2006, 86). – Die Voraussetzung ist eine bloße Annahme; darauf dürfte sich also kein Richter berufen, und eine andere Grundlage für sein Urteil hat er nicht. Recht wird Unrecht. Wenn ein Triebtäter ins Gefängnis kommt, wird das Gefängnis mißbraucht. Burkhardt (ib. 88) folgert, Freiheitserleben als Handlungsfreiheit, Offenheit, Unterdeterminiertheit und Autorschaft „lässt sich unter allen diesen vier Aspekten mit dem neurophysiologischen Determinismus in Einklang bringen“; es komme nicht darauf an, ob sich jemand für frei hält (ib. 88). Das Recht bestimmt, der Mensch müsse als frei gesetzt werden, damit man eine Strafe an ihm vollziehen kann. Es muß zudem noch untersucht werden, ob und inwiefern eine deterministische Behauptung Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen hat (vgl. ib. 89). Burkhardts Folgerung aus den von ihm vorgebrachten unentscheidbaren Faktoren kann jedoch nicht zugestimmt werden: Un être intelligent, dès qu’il se croit libre, l’est en fait. Moralement et psychologiquement, on est libre aussitôt qu’on pense l’être et dans la mesure où l’on croit l’être. C’est la vérité humaine, complète, en dépit de tous les raisonnements a priori et de tous les théorèmes du déterminisme et du mécanisme. (Elme Marie Caro [1881] L’abbé Galiani en exile et sa correspondance; in: Journal des Savants 1881, 722-739, zit. n. Burkhardt 2006, 88 24 ). 94 Die aus der angenommenen Willensfreiheit entstehende Verantwortung für weitere Schlüsse, z. B. die Verurteilung eines Verbrechers, die doch eigentlich jetzt als Hauptstück folgen müßte, wird von Burkhardt allerdings nicht besprochen. Es ist erstaunlich, auf welche Spitzfindigkeiten Juristen verfallen, um ihre überkommene Ansicht zum Strafrecht zu retten. Mastronardi hatte Recht schlechthin gesetzt (s. oben). Seelmann (2006) fragt, ob die gegenwärtige Rechtsprechung mit der Verneinung der Willensfreiheit vereinbar sei, und sucht (ib. 91f) den Menschen zu setzen, indem er eine Kunstfigur postuliert, über die reales Recht gesprochen werden kann oder zumindest soll. 94 „Sobald sich ein intelligentes Wesen frei glaubt, ist es in der Tat frei. Moralisch und psychologisch ist man insoweit frei, als man glaubt, es zu sein, und in dem Maße, wie man glaubt, es zu sein. Das ist die ganze menschliche Wahrheit trotz allen Räsonnements a priori und allen Theoremen des Determinismus und Mechanismus.“

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