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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

132 Hier liegt etwas

132 Hier liegt etwas Ähnliches vor wie der Einfluß der virtuellen Makro-Ebene mit ihren Klassen(namen), z. B. der Existenz von Schloßgespenstern, auf die reale Lebenswelt der Menschen auf der Meso-Ebene (auf der dann allen Menschen unterstellt wird, sie hätten Angst vor Gespenstern). Die Makro- Ebene der virtuellen Klassen/Begriffe ist menschengemacht und damit individuell bis höchstens kulturspezifisch. Mit dem von Seelmann künstlich geschaffenen Menschen ist ein statisches Regelinventar für eine Kultur vergleichbar, an dem sich zugehörige Individuen dann orientieren müssen oder bei Abweichung strafbar werden. Ein kulturelles Regelinventar stellt aber lediglich den kleinsten gemeinsamen Teiler als freibleibendes Angebot für das Wohlverhalten der Gesellschaftsmitglieder dar. Das Recht muss […] vom empirisch-konkreten Menschen […] abstrahieren. Das Recht muss deshalb den Menschen zur Kunstfigur der Person umformen, an der vom konkreten Menschen nur das übrig bleibt, was ihm mit anderen Menschen gemeinsam ist. […] Diese Reduktion […] genügt damit den Erfordernissen der Rechtssicherheit. (Seelmann 206, 91f) Es wäre also zu prüfen, ob es in Seelmanns Ansatz, anders als bei der horizontalen Ausgleichung Burkhardts, einen gemeinsamen vertikalen Teiler zwischen zwei Ebenen, nämlich Neurobiologie und Rechtswissenschaft, gibt. Ist die Seelmannsche Position nicht ebenso wie andere willkürlich und damit für eine fundierte Rechtsprechung weder tragfähig noch tragbar? In Bezug auf ein Individuum gesteht Seelmann, daß das Recht mit seinem Ansatz „ungerecht handelt“ (ib. 92) und zwar nicht nur in Bezug auf den individuellen Menschen, sondern gegenüber der gesamten Menschheit, die zu einem Puppentheater wird. Seelmann (ib. 92) folgert: Der abstrakte Mensch „ist Person gerade insoweit, als er mit allen anderen eine Position teilt“. Er wird also nicht als Mensch be- oder verurteilt, sondern als eine Position in einer Gesellschaft. – Das scheint das Gegenteil von der gängigen Meinung zur sog. Gerechtigkeit zu sein, soweit es Gerechtigkeit geben kann. Die (Neuro-)Biologie zögert. Briggs + Peat / Carius (2006, 98) verweisen auf die Bakterien, „die ersten Lebensformen auf der Erde“, die untereinander genetisches Material austauschen. Das heißt, „daß es unter Bakterien keine wirklichen Individuen gibt. Wegen der Selbstrückkoppelung bei der Herstellung der Kopien gibt es nur die verschiedenen Abstammungslinien von Klonen.“ 95 Individuell ist ein Organismus nur auf Grund seiner individuellen Genetik. Doch „[j]e größer die Autonomie eines Organismus ist, um so mehr Rückkoppelungsschleifen braucht er offenbar in sich selbst 95 Zur Individualität geklonter Tiere vgl. Dizdar (2006, 65ff) und Bahnsen (2008).

133 und in seinen Beziehungen zur Umwelt.“ (ib. 250) Briggs + Peat / Carius verstehen Organismen als „offene“ Systeme. Bei ihnen brauche Autopoiesis kein Paradox zu sein (ib. 250). Doch „[a]us ihm folgt in gewissem Sinne, daß das Individuum eine Illusion ist.“ (ib. 250) Verflechtung und Rückkoppelung gibt es seit Anbeginn des Universums (vgl. die Sensitivität). Ein Organismus ist u. a. aufgrund seiner komplexen Rückkoppelungsschleifen und die dadurch ermöglichten Iterationen komplexer als ein mechanisches System. Das hat Vor-, aber auch Nachteile für die Erhaltung des Organismus. Ganz ähnlich entstehen auch unsere intimsten Gedanken und Gefühle aus ständiger Rückkoppelung aus dem Durchfluß der Gedanken und Gefühle anderer, die uns beeinflußt haben. Unsere Individualität ist ganz entschieden Teil eines kollektiven Vorgangs. An der Wurzel dieses Vorgangs stehen Rückkoppelungen. (ib. 231) Aber wer (welcher Richter) will sie aufzählen und abwägen (evaluieren)? Die Feststellung im vorstehenden Zitat ist wesentlich. Es gibt nur bedingte Individualität/Personalität/Autonomie. Rückkoppelungen sind das A und O des Chaos und der Ordnung. Rückkoppelung macht ein Individuum weniger ‚individuell‘. Sie entindividualisiert gerade die komplexesten autopoietischen Systeme. Hier nähert sich die Biologie der Physik. Desto schwieriger wird ein individuelles Urteil über ein Individuum. Im geltenden Strafrecht wird aber gerade auf die Individualität eines Täters abgestellt. Es gibt keine Kollektivstrafen. – Lenkersdorf (2000) zeigt, daß die Tojolabal in Südmexiko die Rückkoppelung in ihrer Rechtsprechung tatsächlich praktizieren (s.unten). Die „moderne“, westliche Welt hat den Zusammenhang noch nicht verstanden. Das Recht zwingt, ungleiche Machtpositionen gleich zu behandeln (Seelmann 2006, 92). Es geht aber nicht um Macht – oder zumindest in einem anderen Sinn. Es geht um reale Menschen. Folgt man Seelmann, so wird nicht ein Mensch, sondern eine Chimäre verurteilt (oder gelobt). Die Strafe (oder das Lob) aber trifft einen realen Menschen. Zu Seelmanns allgemeiner Rechtsgeltung gibt es zwei Ausnahmen: [1] den „rechtfertigende[n] Notstand“, z. B. eine Hungersnot, der eine „Person“ in solcher Gefahr freispricht (ib. 100), und [2] erst seit 1945 [!] den Grundsatz vom „gleiche[n] Recht auf Rechte“ als einem allgemeinen „Status“ für alle Menschen (ib. 93). Auf reale Individuen bezieht sich Seelmanns Recht nicht, obgleich er meint, das Recht wirke (auch?) auf sie ein, weil die Person „untrennbar mit der biologischen Natur des Menschen verbunden“ (ib. 100) sei.

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