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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Der Personbegriff […]

Der Personbegriff […] ist in seiner heutigen Bedeutung ein Resultat komplexer Entwicklungen in der Trinitätslehre und der Christologie des Mittelalters. (ib. 95) 134 Damals wurde der Begriff auf die göttliche Person bezogen und erst später auf den Menschen übertragen, wodurch der Mensch als „Subjekt“ und „Individuum“ allmählich zu einer Einheit wurden (ib. 95). Erst dadurch wurde er als zurechnungsfähige „Person“ (an)erkannt (ib. 95), die sich „reflexiv“ „in ein Verhältnis zu sich setzt“, also als Vernunftwesen auch für ihren Leib [oder in ihrem Leib] verantwortlich wurde (vgl. ib. 95), „weil sie wegen der Fähigkeit zur Reflexion [der Terminus wird hier doppeldeutig gebraucht] selbst einen kritischen Blick auf sich werfen, eine urteilende Metaebene zu sich selbst einnehmen kann“ (ib. 95). Nun wird man nicht behaupten, das Individuum sei erst im Mittelalter geschaffen worden. Prinz (2006, 36f; s. oben) hatte Odysseus als Invididuum anerkannt, und sicherlich waren auch Homer und Platon und Aristoteles 800 Jahre nach Odysseus Individuen. Die wirkliche Emanzipation des Menschen im Mittelalter wird aber bis heute kaum erkannt. Ulrich von Straßburg, Dietrich von Freiberg und sein zeitweiliger „Assistent“ Meister Eckhart erkannten, daß erst der Mensch durch seinen intellectus (seine Vernunft) die Realität seiner Welt und dadurch sich selbst (er)schafft (vgl. Flasch 2007, 33f und 45). Vernunft ist ein Prozeß. Eckhart hatte (Quaestio, 1302/1303) gesagt, Gott sei, weil er erkenne (Flasch 2007, 56). Erkennen ist teleologisch. Folglich ist Funktionalität der Urgrund des Seins. Worauf beruhte eine Verurteilung vor dem Mittelalter und noch lange danach? Sicherlich berief sie sich auf gottgegebenes Recht, von dem man nicht wußte, was es eigentlich war. Nach diesem Recht wurden auch Kinder und Hühner zum Strange verurteilt. Heute fallen auch „juristische Personen“, also tatsächlich Kunstfiguren, unter die Klasse (Seelmann 2006, 95). Der Begriff hat sich ins Gegenteil verkehrt und dabei zugleich reduziert (er gilt außer im Märchen und in Fabeln in unserer Kultur nicht mehr für Tiere), wurde aber (auf virtuelle Personen) erweitert. Weil nun alle Menschen Personen sind, gilt für alle und für ihr gesellschaftliches Dasein dieselbe Reflexivität (ib. 96), aber eben doch nicht für Gesellschaften, denn da nennt man das Urteil nicht Recht/recht, sondern mit Recht Rassenhaß, Völkermord, Genozid oder Holokaust. – Wer spricht noch vom seit Jahrhunderten fortwährenden Massenmord an den Ureinwohnern beider Amerikas, den Indianern? – Was unterscheidet den realen Einzelmenschen (das Individuum) von der juristischen Kunstfigur Mensch /Person und beide von der juristischen Kunstfigur Gesellschaft? Das geltende Recht will/soll unpersönlich urteilen und persönlich strafen. In diesem

135 Prozeß wird der Andere durch Zuschreibung [!] „zum Autor und Adressaten von Sinn“ gemacht (ib. 96), das heißt, ihm wird Verantwortung unterstellt (und er unterstellt sie sich selbst als seinem alter ego), und zwar durch das als allgemein geltend aufoktroyierte Gesetz. Es heißt aber (zumindest: auch), daß die Zuschreibung jeweils von außen einseitig erzwungen wird. Das Recht wird im Doppelsinn ein äußerliches Recht. Für Hobbes und Hume ist Freiheit unzureichend „nur das Fehlen von Zwang“ (Seelmann 2006, 97). In der Kritik der praktischen Vernunft ([1788] 1989, 187) nennt Kant die Willensfreiheit kurzweg „widersinnisch“ [sic] (zit. n. Seelmann). Seelmann (ib. 97) verweist eingehender auf Kants Kritik der reinen Vernunft 2 ([1787] 1992, 500). Dort liest man: [S]o sind alle Handlungen des Menschen in der Erscheinung aus seinem empirischen Charakter und den mitwirkenden anderen Ursachen nach der Ordnung der Natur bestimmt, und wenn wir alle Erscheinungen seiner Willkür bis auf den Grund erforschen könnten, so würde es keine einzige menschliche Handlung geben, die wir nicht mit Gewissheit vorhersagen und aus ihren vorgehenden Bedingungen als notwendig erkennen könnten. Das klingt neuzeitlich, wenn es auch gerade heute nicht mehr angenommen wird. Die heutige Neurobiologie glaubt auf Grund mikrophysikalischer Forschungen nicht mehr, daß auch bei einer weitergehenden Kenntnis des Funktionierens unseres Gehirns, als dies bisher möglich geworden ist, vollständige Determination bewiesen werden könne. Kant gelangte im zitierten Absatz zur Verneinung der Willensfreiheit, die heutige Neurobiologie muß sie (vorerst?) zulassen. Nun findet Strafe, wie sie heute verstanden wird, eine zweifache Begründung. Zum einen müsse, so argumentieren die Juristen und denkt das Volk, eine Übeltat schlechthin bestraft werden. Andererseits soll Strafe als Abschreckungsmittel dienen (vgl. Seelmann 2006, 98). – Eine bloße Androhung, auf die nicht tatsächlich eine Strafe folgt, würde aber nicht nützen, denn bloße Drohung hält niemanden davon ab, des Nachbarn Kirschen zu stehlen. – Auf jeden Fall, so Seelmann weiter, müsse die Gesellschaft vor Übeltätern geschützt werden. Nur wer weiß, daß auf eine Untat Strafe folgt (wenn man ertappt wird), wird zögern oder sein Vorhaben aufgeben. – Doch weiß jedermann auch, daß nach jedem „Starenkasten“ nicht unmittelbar ein zweiter steht; also tritt man, sobald man ihm vorbei ist, aufs Gas, um die ‚verlorene‘ Zeit aufzuholen. – Recht kann auch von „arationalen Annahmen der Bürger“ geleitet werden (ib.; man ist versucht, „und der Rechtsgelehrten“ hinzuzufügen).

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