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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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136 Ein Handelnder, so

136 Ein Handelnder, so heißt es bei Seelmann (ib. 99) weiter, kann niemals wissen, wie seine Entscheidung ausfällt. Man nehme einen Beobachter an, dem alle Kausaldeterminanten bekannt sind und der deshalb eine Prognose der künftigen Handlung eines anderen abgeben kann. Sobald dieser Beobachter dem künftig Handelnden seine Prognose mitteilt, […] fließt [sie] nun ihrerseits als Kausaldeterminante in die Überlegung des künftig Handelnden ein und die Prognose des Beobachters muss um die Wirkung dieser Ursache ergänzt werden, was sich bei jeder weiteren Mitteilung der Prognose unvermeidbar wiederholt. (ib. 99) In diesem Gedankenexperiment müßte Gott der Allwissende der Beobachter sein, der dem Menschen seine Prognose offenbart; dadurch würde der Mensch jedoch determiniert. Ohne die Annahme göttlichen Eingreifens, so meint Seelmann (ib.) jedoch, könne der rein imaginäre Sachverhalt in Wirklichkeit nicht eintreten, denn [d]enkt man nun Akteur und Beobachter in einer Person, also den Selbstbeobachter, so kann dieser aus den genannten Gründen logisch zwingend niemals eine Prognose seiner eigenen Entscheidung stellen, bevor sie gefallen ist. (ib.) Wenn Seelmann (ib. 100) glaubt, „die Offenheit der Entscheidung“ vertrage sich nicht mit Kausalität, so wird ihm die Mikrophysik widersprechen. In der Tat liegen die beiden Begriffe auf verschiedenen Ebenen. Es ist der mesokosmisch an seine stets unzureichende Perspektivität gebundene Mensch, der weder Determiniertheit noch Indeterminiertheit wegen der indefiniten Komplexität mitentscheidender Bedingungen definitiv festlegen kann. Seelmann schlägt in dieser Zwangslage vor, die Kompatibilität von Verantwortung und Determiniertheit aufzuteilen (ib. 100): Wenn allgemein angenommen werden kann, daß der Mensch sinnvoll agieren kann und will, dann soll gelten: „In der Gegenwart und für die Zukunft“ muß der Mensch [jeder bzw. dieser eine für diesen einen Fall] für sein Verhalten „bis zum Beweis des Gegenteils für verantwortlich“ gehalten werden [also muss nicht der Kläger oder Richter die Schuld, sondern der Beklagte seine Unschuld beweisen], wenn das Verhalten [welches wessen und für wen?] „Sinn“ macht, denn in diesem Fall können Kausalität und damit Determiniertheit nicht behauptet werden. Gälten Kausalität und Determination, so läge kein Sinn im Handeln; Handlungen müßten vollzogen werden. Nun wird aber nach allgemeinem Verständnis für Handlungen „Sinn“ angenommen. Kann dies als Universale oder nur für unserer Kultur gelten? Vom Übeltäter kann Schadenersatz (Sühne) gefordert werden. Eine angemessene „Statusreduktion zum Zwecke seiner Wiedereingliederung in

137 die Rechtsgemeinschaft“ als „sozialethische[r] Tadel“ (ib. 101) wäre jedoch eine Stigmatisierung, die dem Betroffenen, seiner Familie, evtl. Gesellschaft und/oder Rasse 96 auf Dauer schaden kann, also eine verkappte Sippenhaft. Wahrscheinlich meint Seelmann, daß ein Übeltäter, auch wenn er determiniert handelt, eine besondere Behandlung über sich ergehen lassen müsse, um die Gesellschaft vor weiterem Schaden durch ihn zu schützen. dazu wäre aber eher an eine Therapie oder dergleichen zu denken und evtl. an eine Art Sicherheitsverwahrung (vgl. auch Zurechnungsunfähigkeit und beschränkte Zurechnungsfähigkeit; vgl. ib. 102). Hier schließen die Neurobiologen Roth + Lück + Strüber (2006) an. Die derzeitige Strafrechtsdiskussion dreht sich im wesentlichen um folgende Themen (ib. 106): [1] Der Mensch hat einen freien Willen; also kann er entscheiden, wie er sich entscheiden will. [2] Das Gesetz ist „gesetzte“ Norm. [3] Moral ist, was das Gesetz als Moral setzt. [4] „Normenverletzung“ ist hinreichender Schuldgrund. – Man beachte aber, daß ich im Hinblick auf kulturelles Verhalten von Regeln und nicht von Normen und Gesetzen spreche. Ad [1]: Willensfreiheit gilt, wenn nicht innere oder/und äußere Gründe oder Ursachen, z. B. Zwänge oder „Motive“, sie [feststellbar] beeinträchtigen. Willensfreiheit hat mit quantenphysikalischer Indeterminiertheit nichts zu tun, sie wird abseits von psychologischen Motiven moralisch-sittlich begründet (ib. 106). Willensfreiheit umfaßt das „bewusste[…] und sorgfältige[…] Abwägen von Handlungsmotiven und -möglichkeiten“ (ib. 107). „Das stärkere Motiv setzt sich gegen schwächere durch.“ (ib. 107) Es ist ein deterministisch verfahrendes Netzwerk denkbar, daß Motive gegeneinander abwägt und die „Motivgeschichte“ innerhalb der „Lebensgeschichte“ eines Individuums (also bezüglich der Gene, Prägung, Erziehung, Erfahrungen) interaktiv innerhalb seiner Gesellschaft einbezieht (ib. 107). Ein freier Wille wird also immer von „personale[n] Motive[n]“ (mit)bedingt; ein anders verstandener freier Wille stände außerhalb der Person (ib. 107). – Ein Täter wird kaum „sorgfältig“ abwägen können. Er ist in dieser Hinsicht emotional gehemmt. Ein Richter kann nicht emotiv neutral und rational objektiv urteilen (s. oben). Roth + Lück + Strüber (2006, 107) verschärfen die Annahme von Willensfreiheit im Rechtswesen, wenn sie ad [2] feststellen, der freie Wille werde vom geltenden Gesetz normativ zudiktiert. 96 Noch bis ins 19. Jh. wurde in Brasilien diskutiert, ob Indianer eine Seele hätten.

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