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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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138 Gewalttaten werden

138 Gewalttaten werden typisch von einem Bündel von Faktoren bedingt (ib. 108). Männer sind weitgehend häufiger gewalttätig als Frauen (ib. 108f). Gewalttaten zeigen sich „signifikativ häufiger“ bei Personen mit „strukturelle[n] und funktionale[n] Hirndefiziten“ (ib. 109). Gewalttätig werden Personen etwa ab dem 12. Lebensjahr, das verdoppelt sich mit 13 und 14 Jahren, kommt mit 16 bis 17 Jahren zum Höhepunkt, nimmt mit 18 Jahren um die Hälfte ab und verringert sich kontinuierlich bis zum 27. Lebensjahr (ib. 109). Es folgen Einzelheiten (ib. 109). Unklar sind noch psychopathische und soziopathische Fälle, sowie Serotonin- und Dopamin-Ineffizienz (ib. 110). Serotonindefizite können u. a. aus Umwelteinflüssen, z. T. im Verein mit inneren Defiziten, entstehen (ib. 110f). Genaue Voraussagen sind noch nicht möglich (vgl. ib. 110-113.) – Vgl. nicht heilbare Geisteskrankheiten, psychopathisches Verhalten usw. Laut § 20 StGB ist nicht schuldfähig, wem „Ansprechbarkeit für Normen“ und „Handlungssteuerungsfähigkeit“ abgehen (ib. 108) [bzw. abgesprochen werden; das Gericht entscheidet ja (mit)]. Der Umkehrschluß ist nicht zulässig (ib. 108). – Nicht schuldfähig ist (zumindest unter bestimmten Bedingungen) nach der Mehrheit der Rechtsauffassungen auch jemand, der zu einer Straftat gezwungen wird. (Doch vgl. unten zur Amnestie.) Hier setzen auch Forderungen nach einer neurobiologischen, also physischen, und/oder psychiatrischen Untersuchung des Gehirnzustands an (vgl. auch Campagna 2007, 108). Dem Schicksal muss man sich fügen und man kann niemanden dafür verantwortlich machen. Der Täter selbst erscheint unter diesen Umständen als ein Opfer des Schicksals, so dass es fehl am Platz wäre, ihn zu verurteilen und zu bestrafen. (Campagna 2007, 142) Demnach müßte jeder Verdächtige auf beide genannten Weisen untersucht werden, ehe ein Urteil über ihn gefällt werden kann. Gemeingefährlichkeit muß von moralischer Schuld getrennt werden (Roth + Lück + Strüber 2006, 114). Eine Vergeltungsstrafe ist wie jede Strafe auch aus lernpsychologischer Sicht höchst problematisch. (ib. 113) Seit Franz von Liszt [1851-1919] ist Prävention begründet (ib. 113). Anders-Handeln-Können braucht nicht nachgewiesen zu werden (vgl. ib. 113). Nach den Erkenntnissen der Neurobiologie gilt: Die individuelle Schuld und ihr Maß in einer zuverlässigen, rückblickenden wissenschaftlichen Ermittlung sind jedenfalls im Strafverfahren nicht zugänglich. Niemand vermag den Überstieg in eine fremde Individualität, eine

fremde Situation, derart zu vollziehen, dass er den für einen anderen etwa gegebenen Spielraum einer Willensfreiheit verlässlich bestimmen könnte. (Schreiber 2005, zit. n. Roth + Lück + Strüber 2006, 108) Täter können eine korrekte Einsicht in Normen besitzen, aber unfähig sein, hiernach zu handeln, und umgekehrt. Dies liegt darin begründet, dass hierfür im menschlichen Stirnhirn zwei getrennte und nur lose miteinander wechselwirkende Teilsysteme ‚zuständig‘ sind (Roth + Lück + Strüber 2006, 114; vgl. Drogenabhängigkeit). 139 Weniger ‚engagiert‘ als z. B. Roth und vor allem Singer setzt sich auch Urbaniok (2006) mit der Fragwürdigkeit forensischer Schuldfähigkeit auseinander. Auch er meint, es gebe zu viele Faktoren, um sie allesamt für eine Entscheidung über Willensfreiheit oder ­unfreiheit kennen und berücksichtigen zu können. Daher sind keine definiten Aussagen möglich. Vielleicht sind die uns bisher bekannten neurobiologischen Bedingungen für die vom Gesetz angenommene „Autonomie“ menschlichen Handelns „selber Folge anderer Ursachen“ (ib. 125). Es gibt keinen Ursprung. In der überabzählbaren Menge möglicher Faktoren, die Determiniertheit oder Indeterminiertheit begründen könnten, liegt die Möglichkeit eines relativen Determinismus: [1] Über die Zeit hinweg entsteht ein Zustand auf Grund der Vielfalt von Faktoren. Vielfalt bedeutet Vielfältigkeit, Diversität. [2] Entschieden wird momentan. Ein Handelnder kann weder die Vielfalt überblicken noch sich über Momentanität hinreichend Rechenschaft ablegen. Daher muß gelten, daß „das Prinzip potenziell schuldvermindernder persönlichkeitsbezogener Faktoren [als] Kern jeder Schuldfähigkeitsbeurteilung“ berücksichtigt wird (ib. 135). Auch die Klasse ist ein relatives Phänomen. Personsein ist ein vielschichtiger Prozeß, daher kann jemand mehr oder minder „Person“ sein (vgl. den Familienvorstand, den Chef einer Firma usw.). Christen (2006, 143) weist darauf hin, daß bei Neurowissenschaftlern, z. B. bei Roth, der Terminus „Autonomie“ dem Ausdruck „Willensfreiheit“ vorgezogen wird. Auch Maschinen werden inzwischen so komplex, daß man sie als quasi-„autonom“ betrachten kann [vgl. die Autopoiesis]. Dann entsteht erneut die Frage, was Autonomie heißt (ib.; vgl. Christen 2004). Wegen der Komplexität ist Autonomie fraglich und vom Menschen unüberblickbar geworden. Der Autonomiebegriff ist „praktisch […] nicht mehr relevant“. „Die Menschen fühlen sich zur Selbstgesetzgebung praktisch nicht mehr in der Lage.“ (144) Also braucht man Gesetzbücher, in denen das Gesetz gesetzt wird. Hobbes hatte dafür 1651 den absoluten Souverän eingesetzt.

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