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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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142 Göttern und immer

142 Göttern und immer wieder auch von Menschen, daß sie ihr Verhalten selbst entscheiden konnten und entschieden. Derlei Ansichten sind „kulturelle Konstrukte des Gehirns“ (ib. 157) und damit, selbst wenn sie dia- und parakulturell zur Gewohnheit und zu gesellschaftlichen Überzeugungen geworden sind, nicht beweisbar und dürften damit nach heutiger Ansicht nicht rechtswürdig sein. Für Willensfreiheit und ­unfreiehit müßte das gleiche gelten. Regazzoni (ib. 154) erwähnt noch die Unterscheidung des Handelns „aus Gründen“ oder „aus Ursachen“, doch ist sie wenig hilfreich, denn die Zuschreibung ist nicht (hinreichend) bestimm- und nachweisbar. Trotz all dieser und mancher Meinungen mehr als den hier zitierten sieht Regazzoni (ib. 154) im Einklang mit der derzeitigen Rechtswissenschaft, daß „Rechtsnormen ohne Annahme der menschlichen Schuld- und Deliktfähigkeit zu reinen Ordnungsmassnahmen erniedrigt“ [!] würden (ib. 154). – Das klingt, als müßte das Recht seine Herrlichkeit auf Schuld und Delikten aufbauen. Jede Auslegung geht von bestimmten Voraussetzungen aus, die nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen, ohne damit auch das daraus hervorgehende Gedankengebäude zum Einsturz zu bringen. (ib.) Das stimmt, doch die vorgenannten Autoren möchten daraus nicht die Fragwürdigkeit der Gesetzgebung ableiten, sondern die bestehende Rechtsordnung damit untermauern! – So fährt auch Regazzoni (ib. 155) voller Überzeugung fort: Die Schuld- und Deliktfähigkeit des Menschen ist zwar ein unentbehrliches Erfordernis einer jeden Rechtsprechung. Es ist jedoch nicht Sache der Rechtswissenschaft[,] sie zu beweisen. Und er steht damit bei weitem nicht allein, sondern wiederholt nur die Grundsätze des abendländischen Rechtsverständnisses. Da von Ordnung die Rede ist, wäre einzufügen, daß Strafung letzten Endes eine (nachweisbare) Ordnung der Realität voraussetzen würde. Wäre es anders, müsste das Strafrecht ohne den Begriff menschlicher Schuld- und Deliktfähigkeit auskommen und würde dadurch seinen Bezug zur menschlichen Person verlieren. (ib.) Also wird der Mensch über seine Schuld definiert und erst als Schuldiger ein Mensch! Machen wir uns ganz klar, daß mit der geltenden willkürlichen Rechtsauffassung, deren Ordnung nicht nachweisbar ist, jeder Unrechtsmacht (vgl. Diktaturen) Verfahrensfreiheit zugebilligt wird.

143 Ich komme noch einmal auf Christen (2004) zurück. Er fragte nach dem Wesen autonomer Systeme. Kann eine Ausweitung der Verantwortung Klarheit in die Streitfragen von Willensfreiheit und Schuldzuweisung bringen? Der Terminus „autonom“ wird in mehreren Fachdisziplinen unterschiedlich gebraucht. Am bekanntesten ist er im politischen Bereich. In der Medizin und der Biologie wird er in ethischem Sinne gebraucht (ib. 166). Im juristischen Feld ist er „von der jeweiligen Rechtstheorie abhängig“ (Christen 2004, 167) – Kant verwendete den Ausdruck „Autonomie“ zuerst 1785 in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, in der er „die Autonomie des Willens als das ‚alleinige Princip der Moral‘ ansieht“ (Christen 2004, 167). Diese Autonomie als „Selbstgesetzgebung“ durch den Menschen und dessen grundsätzliche Unabhängigkeit (Autonomie) von anderer, z. B. biologischer, und übergeordneter, z. B. religiöser, Begrenzung wird durch den gesellschaftlich gerichteten kategorischen Imperativ eingeschränkt (ib. 167f). Der Mensch gilt als teilweise von äußeren und inneren Bedingungen abhängig. Die Kantsche Autonomie funktioniert modern ausgedrückt als Kontrollschleife für neuronale Aktivitäten. Sie geht darüber hinaus, insoweit sie als agentiale Fähigkeit zur „Urheberschaft“ gedacht ist. Die wird in der „Person“ angesiedelt. Als ‚Personen‘ gelten in der philosophischen Literatur körperliche Wesen, die neben direkt präsenten Motiven wie Emotionen, Affekten und körperlichen Bedürfnissen auch intentionale Zustände wie Überzeugungen und Glaubenszustände haben. (Christen 2004, 169) „Personen“ werden durch ihre Historie genetisch, durch prä- und postnatale Prägung, lebenslange Erfahrung usw. bedingt. Wieder stellt sich die Frage, ob und wenn ja, inwieweit diese Bedingungen festgestellt werden können und inwieweit Verhalten durch sie ‚determiniert‘, sicherlich seine Freiheit aber bedingt wird. Dabei unterscheidet Christen (ib. 170) zwischen unbewußten und bewußten Überlegungen zu den einbezogenen Faktoren und ihren fallspezifischen Evaluierungen, auch hinsichtlich zukünftiger (jeweils emotionaler und in geringerem [?] Maße rationaler) Erwartungen und der damit vorbereiteten, letztlich momentanen Entscheidung. Für den technischen Bereich im weiteren Sinn erinnert der Autor (ib. 165) an den Terminus „autonomes Nervensystem“ aus dem „autonomic computing program“ der IBM. [Autonome Systeme können] auf nicht vorhersehbare Umweltbedingungen sinnvoll [!] reagieren. (ib. 165)

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