Aufrufe
vor 4 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

146 rangig) emotional.

146 rangig) emotional. Daß der Mensch in jedem Moment seines Verhaltens angenommene oder wirkliche Möglichkeiten abwägt (evaluiert), wird dem Handelnden und seinen Beobachtern selten bewußt. Zur Verantwortung gehört die ethische Verantwortung. Nach Hermann (2007, 288) ist „Moralität“ als a priori kategorischer Imperativ das oberste Prinzip des Menschen. Knigge (1752-1796; zit. n. Hermann 2007, 288) spricht vom „gesunden Hausverstand“. […] daß unsere jetzigen Begriffe von Tugend und Pflicht gar keine allgemeine, ewige, unwandelbare Wahrheiten, sondern nach den verschiedenen Erfahrungen und Verhältnissen auch verschieden sind und seyn müssen. (Knigge Eigennutz und Undank; in: Gesammelte Werke, hg. v. Paul Raabe; München 1993, Bd. 11, Nr. 8, S. 18) Knigge belegt diesen allgemeinen Satz mit einer Beobachtung: „Kann nicht in Einer StaatsVerfassung, in Einem Himmelsstriche, in Einem Zeitalter etwas zu sagen oder zu thun, Verbrechen oder Thorheit seyn, was in einem anderen Clima, unter anderen Regierungen, zu anderen Zeiten für Tugend und Weisheit nicht nur gilt, sondern auch dadurch würklich Tugend und Weisheit wird, daß es am wirksamsten die Harmonie des Ganzen befördert? (ib. Nr. 21, S. 40) Knigge spricht von „Eigennutz als moralische[m] Prinzip“, weil Eigennutz eine subjektive Größe ist (Hermann 2007, 289). Ich spreche von Relativität und zu deren Begründung von Perspektivität. Neurobiologen diskutieren, ob Ethik angeboren sei. (Zur Entwicklung von Ethik-, Gerechtigkeits- und Rechtsempfinden vgl. u. a. Assmann 2003, bes. 64-83.) Das ist nichts Neues, sondern zunächst eine Frage der Benennung. Auch Tiere haben einen Verhaltenskodex, also ihre eigene Ethik. (Die Benennung ist eine Frage der Perspektivität des Beobachters.) Das evolutionär ‚angeborene‘ (ethische usw.) Verhalten wird bei Tieren wie beim Menschen durch Sozialisation (kulturelle Erziehung) überformt, um das unumgängliche Leben in einer Gesellschaft zu gewährleisten. Somit gehört Ethik als Teil zum Verhaltenskodex oder genauer: zu den (Mit­)Bedingungen des Verhaltenskodex einer Gesellschaft. Jeder Mensch gehört zahlreichen ‚Gesellschaften‘ (Gemeinschaften) an. Kulturelle Kodizes wird unter stetigem Wandel und dauernden Veränderungen von Generation zu Generation weitergegeben, solange die betreffenden Gemeinschaften (noch als solche identifizierbar) existieren. Die kulturelle Prägung wird dem Individuum nicht als solche bewußt. Der Mensch kann lernen, über Geschehenes, Geschehendes, das für eine Erkenntnis immer schon Geschehenes ist, und ge-

147 schehen Werdendes nachzudenken. Für die Evolution, z. B. des ethischen Verhaltens, kann gelten, was in Betreff auf „Sensitivität“ gesagt wurde: Je mehr Elemente sich an einer Struktur beteiligen, desto schneller wächst sie (die Regel der Attraktivität). (Vgl. Blech + von Redow 2007.) Im Strafrecht wird Ethik ausgeklammert. Reemtsma (in Markowitsch + Reemtsma 2007, 118) verteidigt das geltende Recht, fügt aber sich und die Rechtslehre verteidigend hinzu, es sei nicht das Ziel des Strafrechts, Rachebedürfnisse zu befriedigen; es „grenzt den Täter aus“. „Und dem Opfer wird bescheinigt: Der da ist schuld.“ [Das bringt dann ein wohliges Gefühl der Genugtuung.] – Doch diese Interpretation trifft die Sache nicht; es geht nicht um die Ausgrenzung, sondern ganz hart um Strafe (als Rache?). Gegen die Neurobiologie wendet sich Reemtsmas (ib. 119) Warnung: Wir dürfen nicht so tun, als gäbe es eine Fundierung der Rechtspraxis in der Biologie. Dagegen schlägt Markowitsch (ib. 120) andere Töne an: Meiner Ansicht nach muss man alle, die strafauffällig sind, zu Erziehungsmaßnahmen führen. Das ist keine ganz neue Idee: In den siebziger Jahren plädierten einsichtige Juristen bereits für die Abschaffung des Strafrechts (Lakotta in Markowitsch + Reemtsma 2007, ib.). – Und wieder werden Äpfel und Birnen zusammengezählt, wenn es bei Reemtsma weiter heißt, wir straften, um abzuschrecken und um gesellschaftliche Normen zu bestätigen. Abschreckung hat bisher nur wenige Früchte getragen. Wer sich in seiner Ehre gekränkt sieht, läßt sich durch Strafandrohung schwerlich von seiner Rache abbringen. (Die Wahrung der Ehre ist in den meisten Gesellschaften eine soziale Norm. Unterschiedlich sind die Extensionen der verschiedenen Begriffe .) Die zweite Begründung geht wieder vom gesetzten Gesetz aus. Durch ihre Formulierung zeigt sie zynisch den zynischen Hintergrund der geltenden Gesetzgebung auf. Die Juristerei ist eine eigene Form von Wissenschaft. Es gibt in ihr keine Empirie, sondern es geht darum, empirisch Vorfindliches in Normen zu fassen. (Reemtsma, ib. 123) Reemtsma meint, Rechtsprechung könne nicht von Tatsachen ausgehen, sondern müsse ihrem Handeln Interpretationen angenommener Tatsachen zu überindividuell, also allgemein geltenden Behauptungen generalisiert zugrunde legen. Dadurch wird aber die Individualität und Person eines Täters und seiner Tat beiseite geschoben. Was die Wissenschaftlichkeit des

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Auswahlbibliographie - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag - Fachbereich Translations ...