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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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148 Rechts anbelangt, so

148 Rechts anbelangt, so steht Reemtsmas Aussage im Gegensatz zu Mastronardi (2006, 39). Man ist sich unter Fachleuten nicht einig, ob ihre Disziplin eine Wissenschaft ist bzw. sein kann oder nicht. Mir scheint eine Zwischenbemerkung angebracht zu sein: Die Ratio wurde von Aristoteles zum Prinzip der Wissenschaftlichkeit erhoben. Heute ist die Ratio in den Wissenschaften Alleinherrscherin geworden. Es hat Zeit gebraucht, bis es so weit kommen konnte. Die Renaissance erhob die Ratio zum Gütesiegel der Moderne. Descartes legte etwas später noch einmal nach. Heute erleben wir in der Politik und Wirtschaft, was Max Weber (1904) voraussah: den Triumph der in der Prädestinationslehre religiös überhöhten, rationalen Unersättlichkeit. Nur, daß deren Priester heute Politiker und Manager heißen. Auch wenn wir Aristoteles vielleicht nie studiert haben, unterwerfen wir uns selbstverständlich der sogenannten objektiven Wissenschaft und ihren sichtbaren, verstandesmäßig erfaßbaren Beweisen […]. Von dieser alten und problematischen Warte aus betrachtet, war das Ergebnis für die Menschheit katastrophal. Nach und nach wurde die Vorstellung von der Verantwortung des Menschen für die natürliche Welt […] von der bis dahin unbekannten Idee abgelöst, daß die Natur etwas ist, das kontrolliert und beherrscht werden kann. Ohne ihren göttlichen Anteil wurde die Natur (und die mit ihr assoziierten menschlichen Leidenschaften) zu einer Macht, die es zu überwinden galt, statt sich schöpferisch mit ihr auseinanderzusetzen. Der Mensch stand nicht mehr in Verbindung mit den höheren und niederen Formen des Lebens, sondern im Zentrum aller Dinge. Jedes Gefühl dafür, daß die natürliche Ordnung auf wechselseitiger Abhängigkeit beruht, ging verloren. Descartes war dann derjenige, der dieser Weltanschauung endgültig den Todesstoß versetzte. Mit seiner entschiedenen Trennung der Realität in Gedanken auf der einen und Dinge auf der anderen Seite erhob er den menschlichen Geist zum wichtigsten Instrument für das Erkennen der Realität, zu dem Instrument, mit dem menschliches Glück errungen werden kann. Die östliche Überzeugung, daß der Geist der für diese Aufgabe am wenigsten geeignete Bestandteil des Menschen ist, geriet in Vergessenheit. So konnte etwas geschehen, was in der Geschichte der menschlichen Zivilisation noch nie dagewesen war: Aus dem westlichen Denken verschwanden allmählich wesentliche Vorstellungen, die allen traditionellen Lebensweisen gemein waren – der Glaube an die Heiligkeit der Natur, das Streben nach Einklang mit der kosmischen Ordnung, die Vorstellung von der Sinnhaftigkeit nicht nur des menschlichen, sondern allen Lebens. An ihre Stelle traten der menschliche Fortschritt, die unsterbliche Seele und der Mensch als Herr über sein Schicksal. Den Rest kennen wir. Im rationalistischen Boden des Empirismus begannen die Wurzeln eines älteren, mystischeren Religionsverständnisses zu verdorren, so daß man im Westen heutzutage mit dem Wort Mystik nicht mehr rigorose transformative Erfahrungen und Übungen assoziiert, sondern höch-

stens noch Tarotkarten und Kristallkugeln. (Elliot / Heller + Hermstein 2007, 231-233) 149 Wenn Juristen, wie oben besprochen, über ihr Fach nachdenken, fällt auf, wie sehr auch sie auf Ratio und Logik 97 bedacht sind und wie wenig sie Emotion in Betracht ziehen. Die Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit eines Täters beschränkt sich im wesentlichen auf neuronale Defekte, falls und soweit sie nachweisbar werden. Im Zusammenhang mit der postulierten Willensfreiheit spielt emotionale Einschränkung aber eine wichtige Rolle (vgl. Redensarten wie „im Affekt“ handeln, „vor Wut außer sich sein“ und dgl.). Inwieweit wird Willens- bzw. Entscheidungsfreiheit, wenn es sie denn gibt, durch Emotionen blockiert bzw. gelockert? (Man spricht z. B. davon, jemand sei vom Alkohol oder vor Wut „enthemmt“.) Wird das bei einem Urteil (strafmildernd oder strafverschärfend) hinlänglich mit wissenschaftlichen Methoden berücksichtigt? Für die Translation ergibt sich aus den vorstehenden umständlichen Bemerkungen zum Strafrecht und zur Rechtssprache ein Paradox: Was das Recht rechtswidrig macht, nämlich seine unbegründete Gesetztheit, wird für die Translation zur wesentlichen Vorbedingung: Verhalten wird sich, gerade wenn es holistisch gesehen werden soll, wegen der Indefinitheit der das Handeln bedingenden Faktoren (Bedingungen!) unbegründbar auf immer mit Annahmen begnügen müssen. Wegen der nur (quasi)momentanen Existenz von Phänomenen ohne Wandlung und Veränderung gilt nur der Spruch: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. 10. Recht oder Gerechtigkeit? Der Terminus „Gerechtigkeit“ leitet sich von dem Adjektiv „recht, richtig“ her. Im 17. Jh. schrieb Hobbes (1991, 115): For when a Cause is heard; not to condemne, is to absolve: but on the contrary, to say that not absolving, is condemning, is not true. Selbst diesen kleinen Unterschied hat das Gesetz bisher nicht beachtet. Allein vor Gericht gezerrt und dort (schlimmstenfalls „mangels Beweisen“) freigesprochen zu werden, nagt am sozialen Prestige, auch der Familie. 97 „Logik“ leitet sich vom griech. λγος ab, das Reden, Gegenstand, Vernunft/Ratio bedeutet (vgl. Hobbes 1999, 29: „Speech and Reason“).

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