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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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lichen Leben und im

lichen Leben und im sprachlichen Ausdruck unbeachtet. Der Mensch ist auf Langsamkeit und Dauer und damit Ungenauigkeit eingestellt. Vorerst können wir die grobmaschig verallgemeinerte ‚gemeinsame‘ Situation, in der ‚wir uns‘ zur Zeit in diesem Hörsaal befinden, weil wir es denn gewohnheitsmäßig so behaupten und gelten lassen (wollen), als Einheit sehen und in einem Satz ausdrücken, wenn wir z. B. sagen: Der Professor hält eine Vorlesung. Das ist ein einfacher Satz. Er läßt sich grammatisch leicht analysieren. Der Professor ist das „Subjekt“ (der „Satzgegenstand“, wie es früher hieß), und ihm folgt das „Prädikat“ (die „Satzaussage“) aus dem Verb hält und dem direkten „Objekt“ eine Vorlesung. Indem ein „Subjekt“ angenommen wird, entsteht das „Objekt“ als das jenem Gegenüber- oder Entgegenstehende. Es entsteht nicht nur eine Differenz, sondern auch ein Gegensatz (eine „Opposition“). Zugleich werden beide Seiten benannt. Durch Benennung werden Phänomene oft als real existierende Seiende („Onta“) angenommen. In einer sozio-linguistischen 16 Handlungstheorie wird festgestellt, daß der Professor etwas tut, er „handelt“ (indem er eine Vorlesung hält); er ist der Handelnde, das „Agens“ (hier kann man nicht „der Agent“ sagen, weil dadurch ein anderes Verständnis heraufbeschworen würde) oder, etwas suspekt: der Professor ist ein „Täter“. In einer wieder anderen, dritten Textanalyse wird Der Professor zum „Thema“ des Satzes, das Übrige ist das „Rhema“. Ein Rhema sagt etwas über ein Thema aus. – Im Deutschen bleibt die Unterscheidung von Thema und Rhema unklar. Im Japanischen z. B. werden die beiden Satzteile durch eigene Partikeln unterschieden: konniti wa tenki ga ii [Heute ist schönes Wetter] 17 Die Partikel wa markiert das davorstehende Wort als Thema: konniti wa „heute“ (kon-niti „dieser Tag“). Das Subjekt des Satzes wird durch ga bezeichnet („markiert“): tenki („Wetter“) ga. Und das Wetter ist ii („schön“). – Im Anfängersprachunterricht des Japanischen für Deutsche verdeutlicht man das wa-Thema häufig durch die Wendung „was das Heute anbetrifft (so ist das Wetter schön)“. 16 Im folgenden meine ich „sozial“ usw., falls nicht anders angegeben, im Sinne von „gemeinschaftlich/gesellschaftlich“. Ich unterscheide nicht exakt zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft. – Bei Tönnis (1912, 4) wird Gesellschaft als Öffentlichkeit und Gemeinschaft als „familiär-heimatliche Verbundenheit“ aufgefaßt (vgl. Theunissen 1981, 493 6 ). 17 Die Silbe ­ti wird [çi] gesprochen ([ç] wie tsch in Kitsch ohne Lippenrundung). 14

Wandruszka (1969, 9) fragte, „wie weit führen und verführen […] die geprägten Formen einer Sprache das Denken, das Fühlen und Wollen der Menschen, die in diese Sprache hineinwachsen? Wie weit ist jede Sprache prägend und geprägte Weltanschauung?“ Gefragt wird also, ob die ‚Weltsicht‘ und damit das Verhalten der Menschen die Struktur ihrer Sprache (mit)beeinflussen oder ob die jeweilige Sprachstruktur die ‚Weltsicht‘ und damit das Verhalten der Menschen beeinflußt oder ob Sprache und Verhalten wechselseitig aufeinander einwirken. Daß z. B. der Beruf der Menschen und die natürliche Umgebung, in der sie leben, ihren Wortschatz, gewisse Redensarten und die Häufigkeit, mit der sie ihre Sprachmittel verwenden, beeinflußt, sieht man leicht ein und ist oft besprochen worden (vgl. z. B. Wenskus1961, 130-133, mit Lit.); ebenso, daß umgekehrt zur Gewohnheit gewordene Benennungen das Verhalten mitbedingen. – Wer vom Klimawandel reden hört, versucht, Strom zu sparen; vgl. die Warnung „Bissiger Hund“ am Gartentor; vgl. die ‚neue‘ Sprache der Werbung. Es besteht offensichtlich […] ein verhängnisvoller Zusammenhang zwischen dem hypertrophen „Wachstum“ des Materials und der Krisis der Sprache. (Flügel 1977, 112) Aber verhält sich das Mitglied einer Kultur, in der häufig Entschuldigungen und Dankesausdrücke gebraucht werden (vgl. das früher [?] öfter zu hörende „Bitte!“, „Danke!“ des Deutschen) höflicher als das Mitglied einer Kultur, in der solche Floskeln seltener gebraucht werden? – Im Hindī fehlt ein gängiges Wort zum verbalen förmlichen Ausdruck des Dankes; daher wurde ein Ausdruck aus dem Altindischen (ÇKÏÕÞÆ [dhanyavād]) 18 entlehnt. Inder sind mindestens so höflich wie Deutsche. Dank kann auf vielerlei Weisen, auch gestisch, gezeigt werden. Im Urdū gebraucht man einen letztlich aus dem Arabischen entlehnten Ausdruck: ﮫﭔ رﮐﺷ (šukriya – Diminutiv- als Höflichkeitsform (?) von arab. ﮦر ﮐﺷ [šukra]. Ähnlich kann man fragen (und sicherlich keine deutliche Antwort finden), ob der obligatorische Gebrauch des Personalpronomens „ich“ an hervorstehender Stelle des Satzes die eigene Personalität des Sprechers überhöht. – „Ich denke, du bist im Irrtum“; „Ich will, daß du mir antwortest“. Selbst bei einer Inversion kann (bzw. muß) die Stelle, an der (u. a.) das Pronomen „ich“ auftreten muß, durch stärkeren Tod vervorgehoben: „Wenn du erlaubst, esse ich die Schokolade“. In anderen Sprachen verschwindet das Pronomen in einem tonlosen Suffix (vgl. das Türkische). 18 ÇKÏ (dhanya) ~ „glücklich“; der Sinn wäre ~ „Sie machen mich glücklich“. 15

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