Aufrufe
vor 4 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

150 Oben wurde das

150 Oben wurde das straffällige Individuum in den Vordergrund gerückt. Oft wird aber auch von „Kollektivstrafen“ gesprochen, womit mehrerlei gemeint wird: eine Strafe, die eine ganze Gesellschaft oder zumindest einen überindividuellen Gesellschaftsteil trifft und oft wahllos über die Individuen ausgeteilt wird, zum anderen eine Strafe, die eine Gesellschaft oder einen Gesellschaftsteil zur Rechenschaft zieht, wobei die einzelnen Individuen allesamt, wenn auch in unterschiedlichem Maße, als zu recht straffällig angesehen werden. In einem dritten Fall wird eine spätere Generation (oder deren mehrere) für begangene Taten der Vorgeneration zur Rechenschaft gezogen. Unverantwortlich ist allemal, den einzelnen Beschuldigten nicht sorgfältig den Prozeß zu machen (vgl. Afghanistan, Irak; Sanktionen gegen die Bevölkerung eines Landes, z. B. gegen „den“ Iran; vgl. auch Selbstmordtäter, die wahllos Unschuldige mit in den Tod reißen, usw.). Die obigen Zitate aus der Neurobiologie, die die Willensfreiheit als nicht existent vermuten läßt, dies aber nicht nachweisen kann, und aus der Rechtswissenschaft, die freimütig zugibt, daß ihre Gesetze willkürliche Setzung sind, und die damit ihre Existenz in Frage stellt, führen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Auf keiner der beiden Schienen lohnt sich (zur Zeit) die weitere Suche nach einer Neu-Lesung der geltenden Strafgesetze bzw. überhaupt nach einer Lösung für das Problem der Willensfreiheit. Auf dem Weg der Strafe darf nicht weitergegangen werden (vgl. Foucault 1975). Es ist vielmehr an der Zeit, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Ansätze hierzu finden sich ansatzweise im Völkerrecht und ab und an in einem geltenden nationalen Recht in uns fremden Kulturen. Ich stelle nicht andere Ansätze gegen das hierzulande geltende Recht, sondern möchte lediglich auf andere Möglichkeiten aufmerksam machen und damit zeigen, wie schwierig, wenn nicht unmöglich, es ist, sich deterministisch auf eine Perspektive festzulegen. Bekannt ist auch in unserer Welt die sog. Amnestie (vgl. Campagna 2007, 135-166). Wie schwankend sie ist, zeigen Fälle, in denen das Racheverlangen selbst geltendes Rechtsverhalten verdrängt. Selbst vor Rückschritten im Rechtsempfinden scheut man nicht zurück. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Amnestie als integraler Bestandteil des Friedensschlusses angesehen. Allerdings änderte diese Situation sich mit dem Sieg der Alliierten im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Zumindest de facto schien die Amnestie nicht mehr automatisch mit dem Friedensschluss gegeben zu sein. (ib. 151) Man kann also festhalten, dass die internationale Gemeinschaft dazu tendiert, die strafrechtliche Amnestie, zumindest wo sie mit kriegerischen oder

kriegsähnlichen Handlungen in Zusammenhang steht, für unrechtmäßig zu erklären. (ib. 151f) 151 Dabei wird oft kein Unterschied zwischen Verursachern und ‚Helfern‘, die zu bestimmten Handlungen abkommandiert, also gezwungen wurden, gemacht. Amnestie als Schulderlaß verlangt Verzicht auf Verurteilung. Kritik macht nur Sinn, wenn sie in die Zukunft gerichtet wird, um Kritikwürdiges forthin zu vermeiden. – Kritik muß zuerst versuchen, von den indefiniten Bedingungen, unter denen eine Handlung zustande gekommen ist, so viele wie möglich als pro und contra zusammenzusuchen. Kritik muß immer auch Lehre sein, d. h. auf künftiges Verhalten einwirken wollen. Eine Benotung besagt nicht, so ist der Kandidat, sondern nur: so war er (und nicht einmal: so ist er gewesen) oder genauer: so war er, wie ich annehme. Nichts hindert ihn ja, sich zu (ver)bessern, und ich kenne nur mein Urteil über ihn. Kritik und Benotung als Evaluierungen dürfen keine Bestrafung werden, sondern Hilfe leisten (wollen). – Deshalb werden Noten, die ja Urteile sind, sinnlos oder sogar widersinnig, schädlich, wenn sie nicht ausgiebig besprochen und dabei begründet werden. Neben Strafe und Straferlaß gibt es ethisch weit höher stehende, in die Zukunft gerichtete Lösungen. 1993 griff die Südafrikanische Interimsverfassung „auf eine typisch afrikanische Form von Reaktion auf Unrecht“ zurück, nämlich auf das sog. „ubuntu“, eine Reaktion auf Unrecht, die nicht die Form der Rache oder auch nur einer maßvollen Vergeltung annimmt, sondern sich darin ausdrückt, dass man das durch das Unrecht zerstörte Band zwischen dem Täter und dem Opfer – oder der Gemeinschaft – wieder herzustellen versucht. Ubuntu ist in erster Linie am Wohl des Kollektivs orientiert und verlangt insofern vom einzelnen Individuum, dass es seine Ansprüche und Gefühle zurückstellt, wenn diese der Wiederherstellung oder Bewahrung des Kollektivs entgegen stehen. Während die traditionelle Strafe das Band zwischen Opfer und Täter anscheinend noch stärker durchtrennt, will ubuntu dieses Band wieder stärken und somit wieder eine Einheit schaffen, wo die Straftat sie zerstört hat und wo auch die Strafe sie nicht wieder herstellt. (Campagna 2007, 145f) Die südafrikanische Verfassung stellt das Bedürfnis nach Wiederversöhnung höher als das Bedürfnis der Opfer, sich an die Strafgerichte zu wenden und nach einer Bestrafung der Täter zu verlangen. (ib. 147) Ein ähnliches Verhalten ist aus Ruanda bekannt. Bei der sog. „gacaca“-Justiz handelt es sich um eine Prozedur, an der die Einwohner eines Dorfes beteiligt sind. Der Täter muss sich vor seinen Mitbürgern verantworten. Dabei geht es nicht so

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag - Fachbereich Translations ...
Modulhandbuch BA (Stand März 2010) - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung MA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...