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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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158 schwierig, ja

158 schwierig, ja geradezu unmöglich es ist, in den hierfür wesentlichen Disziplinen eindeutige Grundlagen für das Verhältnis von Sprachstruktur und Verhalten zu finden. Ich spreche nicht von lexikalischen Unterschieden; die liegen zu nahe an der ‚Oberfläche‘. Ich meine auch nicht Behauptungen von Psychoanalytikern, daß z. B. die Redeweise eines Menschen verrate, was in seinem Innersten unbewußt vor sich geht. [D]er männlichste Mann scheut sich nicht zu sagen, daß er mit dem oder jenem Gedanken schwanger geht, er spricht von seinem Geisteskinde und nennnt die mühevoll beendete Tat eine schwere Geburt. (Groddeck [1923] 2004, 13) Wir stehen in einer Epoche des Übergangs. Zu Bedenken führt die Haltung, die viele Wissenschaftler und Sachverständigen einnehmen. – Angenommen, es werde aus irgendeinem Grund erst nach der Einführung einer neuen Bremsvorrichtung bei Kraftfahrzeugen festgestellt, daß sie in bestimmten Situationen stark störanfällig ist und zu schweren Unfällen führen kann: Der Einbau der Vorrichtung würde sofort gestoppt. – Angenommen, bei einem neuen Medikament würden schwerwiegende Nachteile für die damit behandelten Patienten auftreten: Das Medikament würde sofort aus dem Verkehr gezogen. – Es ist nicht eindeutig nachzuweisen, daß Strafe Straftäter resozialisiert: Man bestraft ungerührt weiter. Können die vorstehenden Überlegungen zu Sprachstrukturen und Verhalten unser Verhalten und damit Handeln positiv beeinflussen, d. h. uns zu einem friedlicheren Zusammenleben auf diesem Planeten bewegen? Wenn ich allerdings die Versuche, Evolution zu begreifen, von Darwin (1859) über Dawkins (1989 The Selfish Gene) bis hin zu Blackmore (1999) mit deren Ansicht über das selfish meme überdenke, scheint sich die Historie des Universums seit der Sensitivität nach dem Big Bang und dem Gerangel von Attraktionen und Repulsionen der elementarsten Phänomene nur als egoistischer Wettstreit zu präsentieren. Dem steht aber die Komplexitätstheorie entgegen, die u. a. von Niels Bohr ausgehend, den Zuammenhang aller Phänomene des Universum positiv für menschliches Verhalten ausdeuten will (vgl. Meyer-Abich 1997; für eine ganzheitliche Therapeutik vgl. Jacobi 1997; für das Dolmetschen vgl. Bahadır 2007). Ein zusammenführender Vergleich von Aktiv- und Ergativstrukturen kann vielleicht dazu beitragen, die Opposition der Macht zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“ aufzuheben. Wir haben gesehen, daß im Perfekt transitiver Syntax des Hindī/Urdū (als Gleichheit in der Zweiheit der Sprachen) die Opposition Subjekt- Objekt verschwindet, da beide Funktionen unter bestimmten Bedingungen

159 nicht-nominativisch ausgedrückt werden. Wenn dies nicht nur ein Trick der linguistischen Analyse ist bzw. bleiben soll, kommt man zu einem „Dazwischen“ (vgl. bei Lenkersdorf die zwei Subjekte in einem Satz). Jacobi (1997, 107) meint, man müsse mit Buber „aus dem im Ich-Du und als Ich-Du-Erfahrenen ein Es machen“. Nicht um Subjektivität oder Objektivität sollte ihm zu tun sein, sondern um die „fundamentale Tatsache der menschlichen Existenz“: daß „der Mensch mit dem Menschen“ sei. Diese Sphäre, „mit der Existenz des Menschen als Menschen gesetzt, aber begrifflich noch unerfaßt“, nannte Buber „die Sphäre des Zwischen“. (Jacobi 1997, 109; die Zitate aus Buber [1942] 1982, 165) Ziel dieser Vorlesung: die jeweils einseitige Intention als Ich-Will durch Komplementarität als Prozeß des „Zwischen“ ersetzen. Oben wurde angedeutet, daß die Aktivstruktur aus einer Ergativstruktur entstanden sein könnte. Kann letzterer eine noch ältere Realität der Gleichheit zugrunde liegen? Können Spinnereien zur Gleichheit führen? Wenn die bisherigen Überlegungen und Untersuchungen, wie ich sie oben skizziert habe, zu keiner klaren Feststellung über Einflüsse zwischen Verhalten und Sprachstrukturen führen, sind die beiden hier diskutierten Phänomene (Verhalten und Sprachstruktur) dann nicht miteinander rückgekoppelt? Ob die Neurobiologen andere Gehirnorte für die Bildung ergativer Strukturen im Vergleich zu Aktivstrukturen finden werden, ist vorläufig fraglich. Das einzige, was menschliches Verhalten zu unterscheiden scheint, ist das sog. kulturelle Verhalten, das in den indefinit vielen und sich stetig wandelnden Idio-, Dia- und Para-Regelinventaren aufscheint und an die sich die Mitglieder von Gesellschaften mehr oder minder halten müssen, damit der Umgang mit Ihresgleichen ähnlicher Kultur möglichst reibungslos vonstatten gehen kann. Man beachtet Kulturen, nicht Sprachstrukturen. Das aber würde heißen, daß die altüberkommene Meinung, das Dolmetschen und Übersetzen solle sich auf sprachliche Unterschiede konzentrieren und überlegen, wie man sie in einer anderen Sprache behandeln müsse, auf den Faktor Kultur umgedeutet werden muß, damit „Translation“ gelingen kann. Sprache wird zum Indiz und nicht zu Bedingung bzw. Grund für Gesellschaften und das Verhalten ihrer Mitglieder. Was sie unterscheidet oder ähnlich macht, sind Kulturen als die jeweilige Gesamtheit generalisierter gesellschaftlicher Verhaltensregeln. Wir werden unser Hauptaugenmerk auf Kulturen richten müssen, um vielleicht zu verstehen, wie und weshalb sich Menschen so verhalten, wie sie sich verhalten. Ich weiß aber nicht, auf welchen Grundlagen, einschließlich sprachlicher und umweltlicher Phänomene, Kulturen entstehen und entstanden sind und wie sie im einzelnen mit

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