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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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160 Sprachen korreliert

160 Sprachen korreliert sind. Es müssen indefinit viele Bedingungen sein, von der „Natur“, z. B. dem Klima und damit bedingten Wirtschaftsformen, bis zu ethnischen und … kulturellen Einflüssen auf Kulturen usw. Eine exakte Aussage über Relationen zwischen einer gegebenen Kultur als Verhaltensregulativ und der Sprache der Inkulturierten ist auch in diesem Bereich nicht möglich, zumal Kulturen als Regelklassen (­systeme?) wegen ihrer Wandelbarkeit und daher relativen Kurzlebigkeit schwerlich zu fassen sind. Über die Gründe der Veränderlichkeit sind wir bisher kaum unterrichtet. Wenn Gipper (1950) nach Kade (1968, 106 29 ) „bei der Untersuchung von Gedichtübersetzungen am Material des Deutschen und Französischen zu letztlich nicht exakt faßbaren Ergebnissen [kommt], indem er feststellt, das Deutsche weise eine Tendenz zum Dynamischen, Synthetischen und Konkreten auf, wohingegen das Französische zum Statischen, Analytischen und Abstrakten neige“, so läßt sich die Behauptung vielleicht noch deutlicher für das Spanische und Portugiesische behaupten, aber nicht eindeutig begründen. Zudem fragt sich, ob der Befund angesichts der Globalisierung der Sprache und damit anscheinend einhergehenden Abstraktivierung heute noch einzugrenzen ist. Gewinnt der, welcher eine fremde Sprache intensiv erlernt, dadurch oder, wenn überhaupt, nicht eher durch den Aufenthalt in einem fremden Land eine neue „Weltsicht“, wenn er die Kultur(en) dortselbst zu internalisieren versucht? Das heißt, ein solcher Mensch eignet sich, soweit er mag und kann, andere Kulturen als Regulative für sein Verhalten, auch sein sprachliches, an. Das betonte schon Kade (1968, 17, mit Verweis auf Reiners 1955, 7). Und so bekommt denn nach SCHOPENHAUER […] der Geist einen neuen Leib, was man so auffassen könnte, daß für den Geist ein neuer Leib in Gestalt einer anderssprachigen Form zu schaffen sei. Da aber für SCHO- PENHAUER die Übersetzung eine Seelenwanderung ist, klingt auch hier an, daß sich der Geist vielmehr dem neuen Leib (d. h. der anderen Sprache und der durch sie bedingten Weltansicht im Humboldtschen Sinne) anzupassen habe. Der Zustand, die Verfassung, in der sich eine Sprache befindet, entscheidet zum guten Teil, was in dieser Zeit gedacht, gesprochen und gefühlt werden kann. Da eine Sprache nicht losgelöst von ihrem Träger existiert, wird damit eine Wertung des Trägers impliziert, […]. (ib., mit Verweis auf Reiners 1955, 12) Bis hierhin folge ich Kade, deute seine Bemerkung positiv und interpretiere sie detaillierter auf eine Rückkoppelung zwischen Kultur, ihrem sprachlich geäußerten Teil und dem kulturell überformten individuellen Benutzer. Was bei Kade, seiner Zeit gemäß, noch „Inhalt“ (einer „Form“) war, gilt

161 für eine Kultur. Sie bildet und regiert ihren sprachlichen Ausdruck zum Ausdruck ihrer selbst, und eine Kultur als Regelklasse ist gleichzeitig via (Inter­)Penetrationen wieder mit ihrer Umwelt rückgekoppelt. Dabei kommt schon (ib. 24, nach Wirl 1958, 25) in der Gleichsetzung von „Sinn“ (statt dem bei Kade [1968, 25f] ebenfalls „funktionell“ verstandenen „Inhalt“) und „Erlebnisinhalt“ der emotionale Teil jeden Verhaltens als sein grundlegendes Element heraus. Vor Wirls Zusatz, daß ein Erlebnis nicht über-, sondern nur ersetzt werden könne, macht Kade (1968, 26) leider halt, obgleich er kurz darauf (ib.) das Übersetzen als „Umschlüsselung“, also als eine Art Interpretation, betrachtet. Die Rede von Kode, Kodierung usw. wurde zur Barriere. So hat es also fast 50 Jahre gedauert, bis Translation in einer adäquateren neuen Weise beschrieben werden konnte (vgl. Dizdar 2006). From the point of view of polysystem theory, or the general transfer theory called for, it does not make sense to regard penetration of a system A into a system B as “influence,” while regarding the reformulation of texts belonging to the same system A by system B as “translation.” (Even-Zohar 1990, 75) Kulturen als Weltansichten, Anders-Inkulturierte müßten sich anders verhalten. Wenn es stimmt, wird es kaum beachtet. Und doch stimmen selbst in einem zweisprachigen Wörterbuch die sog. Äquivalente holistisch betrachtet nie überein. Ein Paradox oder eine falsche Fährte? Neue Gesellschaften entstehen da, wo sich eine Gruppe von Individuen aus einer vorhandenen Gesellschaft entfernt. Bricht der Kontakt zwischen der alten und der neuen Gesellschaft weitgehend oder ganz ab, so entwickelt sich die neue Gesellschaft auf eigenen Bahnen fort und ihre Kultur und Sprache mit ihr. Warum und nach welchen Bedingungen? So ist es zu einer bunten Vielfalt von unterschiedlichen Verhaltensweisen (vgl. Jagd- und Bauerngesellschaften), Kulturen und Sprachen gekommen. Nach einiger Zeit kann eine Wiederannäherung einsetzen (vgl. heute die Medienwirkung, die Wirtschaft usw.) Die Annäherung erfolgt nicht in allen Hinsichten gleichzeitig oder überhaupt nur in gewissen Teilen. Man gewöhnt sich im Verhalten aneinander, aber nicht in der Sprache. Usw. Usw. – Ein vielleicht fiktives Beispiel: Einige Ergativsprachen hatten sich zu flektierenden oder agglutinierenden Aktivsprachen entwickelt; später wurden sie Nachbarn. Sie verhalten sich kulturell weitgehend ähnlich bis gleich, nur nicht in ihren Sprachen. Das heißt aber, daß Verhalten und Sprachstrukturen nicht einfach parallel gesetzt werden können. Man müßte z. T. bis in kleine Details gehen, um Unterschiede festzustellen und evtl. begründen zu können.

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