Aufrufe
vor 4 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

162 Benennungen gelten

162 Benennungen gelten nicht für Phänomene, sondern für die Ganzheit von Formen und Funktionen für Phänomene durch einen Namengeber (mit all seinen individuellen und kulturell überformten Eigenschaften) in einer gegebenen Situation unter einer gegebenen Perspektive. Die Benennung erfolgt aktuell-momentan und kann durch Iterationen zu einer Gewohnheit werden, deren Speicherung auf der Makro-Ebene als Klassenname iterativ abrufbar wird. Die Syntax einer Satzform (z. B. als Aktiv oder Passiv) hängt von der intendierten Funktion einer Kommunikation unter einer gegebenen Perspektive ab. Kulturelle Phänomene werden als solche nicht bewußt, aber einmal zur Gewohnheit geworden, wirken sie als Regulativ für aktuelles Verhalten. Aus den bisherigen Überlegungen ergeben sich für die folgenden Vorlesungen drei Grundprobleme. Als Sprecher einer Aktivsprache werde ich die Themen (nolens volens) im Medium dieser Sprachstruktur darlegen. Damit bleibe ich nicht neutral; ich kann nicht ‚objektiv‘ denken, sprechen und mitzuteilen versuchen, weil ich nur in Sub- und Objekten denken kann. Eine Einsicht, die aus den vorgebrachten Zweifeln und Zögerungen erwächst, wird zum Zentralpunkt dreier Erkenntnisse: [1] Die unvermeidliche Perspektivität und die dadurch verwehrte Ganzheit der Erforschung, welchen Phänomens es auch sein mag, läßt keine ‚objektive‘ Perzeption und Apperzeption zu. Auch Gewißheit muß Stückwerk, eben Ungewißheit, bleiben. Dieser Schluß wird für die Translation grundlegend. [2] Man könnnte das auch wie folgt ausbuchstabieren: Trotz aller zu einer Gesellschaft zusammenführenden kulturellen Überformung bleibt das Individuum eine Monade, ein geschlossenes System, das vor sich und seiner Umwelt selbst die Verantwortung für sein Verhalten, Tun und Handeln übernehmen muß (weil man es so zu verstehen gelernt hat. [3] Denn Sicherheit, ob das Individuum selbst entscheidet, handelt usw., gibt es nicht. Der Bedingungen für eine Entscheidung sind indefinit viele. – Unsere „Welt“ besteht aus Eindrücken (vgl. Humes „impressions“), die in uns Vorstellungen und Meinungen (Humes „ideas“), eben „Phänomene“ produzieren, die wir (wieder im Doppelsinn des Wortes) „annehmen“ müssen, ohne gewiß zu sein, ob und gegebenenfalls inwieweit wir uns auf sie verlassen können. Gemäß dem Thema dieser Vorlesungen sollte nach (neuen) Grundlagen für eine Translationswissenschaft gesucht werden. Von (praktischer) Translation war keine Rede, erst recht nicht von Translation als einer Handlung, bei der ein Text(em) in ein anderes „übertragen“ wird. Aber Translation hat es nicht nur mit Sprachen, Kulturen, Individuuen und Gesellschaften,

163 Momentanität und Habitūs zu tun, wobei die Extensionen dieser Faktoren miteiander rückgekoppelt und nicht eindeutig zu bestimmen sind. Eine Translation hat es mit Mengen der genannten und anderen Faktoren mehr zu tun. Und vor allem mit dem aktuellen Leben, einem Vabanquespiel. Wir müssen entscheiden und wissen nicht einmal, ob wir entscheiden. Aber das Empfinden, vielleicht die Chimäre, entscheiden zu können, und die Gewißheit, daß entschieden werden muß, von wem oder was auch immer, bürdet uns eine Verantwortung auf, die wir nicht ignorieren können. Es ist diese Empfindung, welche die Verantwortung schafft.

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung MA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch BA (Stand März 2010) - Fachbereich Translations ...