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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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eine andere Struktur

eine andere Struktur (vgl. Lenkersdorf zu einem Mayastamm; s. unten). Gumbrecht (2004, 42) meint, die neuzeitliche Zweiteilung zwischen „Geistigem“ und „Materiellem“ [sei] der Ursprung einer als „Subjekt/Objekt-Paradigma“ begriffenen epistemologischen Struktur, auf die sich die abendländische Philosophie von nun an zu verlassen pflegte. Die Philosophie hat das ‚Geistige‘ seit alters höher geschätzt als das Materielle. Ersteres war, weil höher, näher bei Gott oder, weil dort, höher. Der Mensch, der ‚Geistiges‘ denken und damit (er)schaffen 22 konnte, war Gott (beinah) gleich und damit der zweite Herr 23 der Welt. Die übrige Kreatur war weit unter ihm. Nach den obigen Überlegungen könnte es auch umgekehrt gewesen sein: Der Zwang, beim verbalen Ausdruck eines Gedankens eine Subjekt-Objekt-Struktur gebrauchen zu müssen, könnte zu weiteren ‚Dissonanzen‘ geführt haben. (Darauf wird zurückzukommen sein.) Wird also im obigen Satz nicht Ungeheuerliches behauptet? Die deutsche Sprache (und das dahinter aufscheinende Verhalten) schafft Mächtige und Ohnmächtige, Herren und Sklaven. Gut Lutherisch können wir allerdings nicht anders, solange wir uns der deutschen Sprache bedienen, d. h., sie zu unserer Dienerin gemacht haben. Doch damit sind wir zugleich der Sprache als unserer Domina auf Gedeih und Verderb verfallen. Wir müssen sprechen und schreiben, wie sie, die Sprache, geformt ist, was hieße, daß das Verhalten des Sprechers (oder Schreibers) seine Sprache zu seinem Werkzeug macht und die Sprache dadurch das (verbale) Verhalten des Sprechers unweigerlich mitbestimmt. Verhalten beeinflußt und schafft Sprachstrukturen. Sie beeinflussen das Denken, Reden und Schreiben des Benutzers. Sie scheinen Macht und damit Gewalt und Unterwerfung auszudrücken, und wenn dies gegen-seitig geschieht, wird Krieg angesagt. Das gilt auch für andere Sprachen mit gleicher oder ähnlicher Struktur. Alle indogermanischen (idg.) 24 und semitischen (sem.) Sprachen und viele andere darüber hinaus weisen gleichfalls eine Subjekt-Objekt-Struktur auf. Verhalten wir uns tatsächlich nach dieser Devise? Riedl (zit. n. Irrgang 2001, 103) „behauptet, rationale Vernunft habe unser Denken nur in Subjekt und Objekt gespalten“. Irrgang (ib.) merkt dazu an, „dass eine Wissenschafts- 22 In älteren (katholischen?) Bibelausgaben wurde „erschaffen“ dem göttlichen Tun vorbehalten. In Gen. 1.1 korrespondierte die Wortwahl dann mit dem hebr. ארב (bārā), das nur für das göttliche Handeln gebraucht wird. 23 Beim Gendern käme man nicht umhin, „die Herrin“ zu sagen. 24 Heute sagt man meistens „indoeuropäisch“ (ie.). 18

theorie im Sinne Poppers […] ein Produkt der rationalistischen und instrumentalen Vernunftinterpretation des 20. Jahrhunderts und damit der Subjekt-Objekt-Spaltung“ darstellt, d. h., daß erst die moderne Rationalisierung des Denkens die Subjekt-Objekt-Spaltung auch zur wesentlichen Grundlage der Wissenschaft gemacht habe. – Vergleichen Sie dazu, wie die Natur heute weitgehend nur noch als Wirtschaftsproduktionsmittel behandelt und ausgenutzt wird. 25 – Es kümmert keinen mountain biker, daß Aberhunderte von Pflanzen und Tieren durch seine Raserei getötet werden. Er fährt Rad, das Subjekt mißbraucht sein Objekt. Und das klingt sportlich. („Er radelt“ klingt spießbürgerlich.) – Die Natur ist unglaublich grausam (vgl., wie eine Spinne ihre Beute im Netz zappeln läßt, bis sie entkräftet ist, oder wie die Natur nicht mehr jagdfähige alte Löwen langsam und unbeeindruckt elend zugrunde gehen läßt). Es scheint sogar, daß die sich in der Sprache mehr oder minder verschleiert ausdrückende Macht immer stärker in eine auch sprachlich hervortretende Aggressivität ausartet (vgl. das heutige Wirtschaftsgebaren und die Sprache der Werbung). Gemeinschaftsempfinden muß dem Egoismus weichen. Wird die Subjekt-Objekt- Struktur der Sprache ‚globalisiert‘? – (Wenn es einen Weltenschöpfer gibt, hoffe ich, daß er seine Experimente in anderen Welten nicht wiederholt.) An dieser Stelle muß ich einen weithin geltenden Unterschied in der Subjekt-Objekt-Verbalisierung erwähnen: den von menschlichen und Sachobjekten. Man kann Sachen transportieren, wohin man will; man kann sie warten oder zerschlagen. Keine Sache protestiert lauthals. Leider werden oft auch nicht für menschlich gehaltene Organismen als Sachen behandelt. (Vgl. die Verteilung von he, she und it im Englischen.) Menschen sind anders. Aber Tiere und Pflanzen doch auch. Man darf mit ihnen nur umgehen, wie man mit sich selbst umgehen würde. Sicherlich, man kann nicht direkt mit ihnen kommunizieren. (Das kann man mit Menschen auch nicht; s. unten.) Man kann Sachen, Organismen und darunter Menschen nicht lehren: Man äußerst Gedanken, und jemand greift auf, was er zu hören/lesen annimmt (und annehmen will) und wird dadurch evtl. zum Denken angespornt („stimuliert“); aber er formt, wenn er zuhört oder liest, seine eigenen anderen, neuen Gedanken. Das ist Kommunikation. Doch gerade an dieser Stelle kommt noch Schlimmeres in den Sinn: Wir sind uns dessen, wie wir etwas tun und sagen, selten und immer nur teilweise bewußt. Sprache verhält sich wie der Hacker auf dem Computer: Sie schleicht sich schäublisch in das Denken und Handeln der Menschen ein 25 Zu „Natur“ vgl. Tellenbach + Kimura (1977). 19

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