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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

und macht Terror.

und macht Terror. Angesichts dieser Lage muß sich jeder überlegen, ob und wie er einen Reiz auslösen will (falls er wollen kann; s. unten) oder wie er eine ungewollte Reizung vermeiden könnte. Das gilt z. B. im Fall der Hilfe. Nächstenliebe kann tragisch werden. Indem ich etwas tue, z. B. jemanden anspreche, anlächle oder ein Handzeichen gebe usw., lebe ich meine ganze Dominanz aus. Mein Gegenüber kann nämlich nicht nichtreagieren, wenn er meine Absicht, mit ihm oder überhaupt jemandem wie auch immer in Interaktion zu treten, bemerkt hat. Sobald jemand glaubt, er habe einen Reiz empfangen, der Reiz also das Wahrnehmungsorgan des Betreffenden getroffen hat und an das Gehirn (genauer: an den sog. neurophysischen Apparat) als erstes Alarmzeichen weitergeleitet wurde, muß der Empfänger reagieren. Selbst das Angebot, Hilfe zu leisten, zwingt zu einer Reaktion. Nicht hinsehen wollen, sich die Ohren zuhalten usw. sind Reaktionen auf einen Reiz. Auch ein eigener Gedanke kann seine Fortsetzung befehlen (vgl. zur Macht des Wortes Arrojo 1993, 177-210, in ihrer Analyse von Guimarães Rosas Roman Grande Sertão: Veredas). Den Reiz ignorieren ist auch eine Reaktion. Ein Reiz übt also einen nicht vermeidbaren Einfluß aus, ist ein Befehl. Der Andere muß reagieren, d. h. gehorchen. Trotzdem möchte ich in der Linguistik und anderweitig üblich gewordene Fachausdrücke, wie „Instruktion“ oder „Anweisung“ (etwas zu tun), durch ein weniger verwaltungstechnisches „freibleibendes Angebot“ ersetzen. Der Zwang zu einer möglichen Reaktion scheint dem Rezipienten, also dem Anderen, im Rahmen indefinit vieler Bedingungen einer situationell-aktuellen ‚Freiheit‘ oft die Entscheidung über die Art der Reaktion und sich daraus ergebender Folgen zu überlassen (s. unten). – Hier wird auch die Macht des Wortes, auf die Hobbes ([1651] 1999, 226) hinweist, deutlich. Hobbes schreibt, schon die alten Griechen und Römer hätten um diese Macht gewußt und Ausdrücke geändert, um das Gesetz manipulieren und ihre Herrscher beseitigen zu können: From the reading, I say, of such books, men have undertaken to kill their kings, because the Greek and Latine writers, in their books, and discourses of Policy, made it lawfull, and laudable, for any man so to do; provided before he do it, he call him Tyrant. For they say not Regicide, that is, killing of a King, but Tyrannicide, that is, killing of a Tyrant is lawfull. Ob wir Terroristen oder Freiheitskämpfer töten, ist (evtl.) 26 eine Frage der Perspektive und der perspektivischen Benennung (und diese wieder der eingenommenen Perspektive oder/und der sprachlichen Gewohnheit). 26 Evtl. = eventuell, möglicherweise. 20

Die Subjekt-Objekt-Dichotomie, wie sie für viele Sprachen auf diesem Globus gilt, kann nicht abgeschafft werden, weil wir gelernt haben, die Sprachen so zu sehen (vgl. die Perspektivität, die wir einnehmen und unter der wir sprechen), und uns dieser unbewußt gewordene Blickwinkel zur nicht mehr bedachten Gewohnheit geworden ist. Es geht heute darum, sich klarzumachen, was die zur Gewohnheit gewordene Ausdrucksweise besagt, zumal sie spätestens durch und seit Descartes im „Ich“ eine bewußte und bewußt starke Stellung auch in Philosophie und Psychologie bekommen hat und neuerdings mit kaum mehr zu überbietender Gewalt eine neuartige (nicht: neue) Dichotomie der Mächtigen vs. Ohnmächtigen in der Weltwirtschaft vorantreibt und wider- oder auch nur vorspiegelt. (Vgl. die Entwicklung von Descartes zu und über Schelling, Schopenhauer, Nietzsche, Freud ... – Freud versuchte, Abstand von Nietzsche zu halten; vgl. seinen Brief v. 28-06-1931; vgl. Gay/Frank 1989, 58*.) Das Ich ist zum sich selbst modelierenden und spiegelnden „Selbstmodell“ geworden (Metzger, zit. bei Schnabel 2008b). – Vgl. dazu auch die Mächtigkeit der Emotionen über die Ratio, wie die Philosophie sie oft nicht wahrhaben will, doch die (Neuro­)Biologie aufzeigt; vgl. auch, besonders in der Wirtschaft und Politik, die Entwicklung zur Lüge und zum Rollenzwang. Wieder zurück zu unserem Beispielsatz: Erst bei genauerem Hinhören (und auch dann nur in seltenen Fällen) bemerkt man die hierarchische Machtstruktur, derer wir uns unbekümmert bedienen. Sprache ist ungerecht und menschenverachtend, Sprecher sind unhöflich und rücksichtslos. Im vorliegenden Fall bemerken wir nicht, daß ein wesentlicher Teil der Situation, jener, der sie überhaupt erst ermöglicht, gar nicht ‚zur Sprache kommt‘. Eine Vorlesung kann ein Professor doch nur halten, wenn er Hörer hat oder, wenn wir an eine Radio- oder Fernsehsendung denken, zumindest glaubt, Hörer zu haben. Erst die reale oder vermeintliche Anwesenheit von Hörern macht die Vorlesung möglich. Die Hörer sind der entscheidende Teil der Situation, entscheidend insofern, als das Tun des Professors erst durch ihre Anwesenheit zustande kommen und Sinn machen kann. Wollte der Professor sich vor leere Bänke stellen, sein Manuskript hervorziehen und zu lesen beginnen, interessierte das nur den Psychiater. Im vorliegenden Fall ist es im Deutschen nicht üblich, die Situation des näheren zu erwähnen. Das Verschweigen der im Satz „Der Professor hält eine Vorlesung“ nicht zur Sprache gebrachten (nicht „verbalisierten“) Situation bzw. anwesenden Hörer fällt uns gar nicht auf, weil man es für selbstverständlich hält, daß eine Veranstaltung ihre spezifische Umwelt 21

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