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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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wordene Auffassung von

wordene Auffassung von der Sprachstruktur. Viele Sprecher vieler anderer Sprachen denken ebenso. – Vor 60, 70 oder etwas mehr Jahren gab es in Deutschland sogar eine Zeit, da behaupteten einige Philologen, die agentiale Struktur der idg. Sprachen (damals nannte man sie fälschlich auch „arische“ 29 Sprachen) kennzeichne den tatenfreudigen Herrenmenschen. Ist es vielleicht mehr als Zufall, daß gerade die Sprachen der bisher technisch und wirtschaftlich dominierenden Gesellschaften diese Struktur so deutlich aufweisen? Sie werden entgegnen, in Kürze würden die Chinesen den Weltmarkt beherrschen. Erst in einer Erweiterung kommen Prozesse vage ans Licht, z. B. im Präteritum: „Ich sah“. (Das ist jetzt vorüber, aber auch das gewesene Sehen wird noch statisch gedacht. Unklar bleibt, ob es vergangen oder noch gegenwärtig andauert; vgl. das deutsche Perfekt „ich habe gesehen“.) „Sie schreiben mit!“ (Das ist eine Handlung als Prozeß und ein Befehl auf gewisse Dauer.) – Also auch Prozesse werden im Deutschen (und anderen Sprachen) bevorzugt als dauernde Ereignisse dargestellt: „Ich wandere, ich gehe spazieren, ich sehe“. Auch hier steht die Dauer im Vordergrund. – In anderen Sprachen herrscht der Prozeßcharakter vor, z. B. im Türkischen: „razı geldim“ (inchoativ; ­di- ist angeblich Präteritalaffix) vs. deutsch „ich bin einverstanden“. Der Witz dabei ist, daß Muttersprachler und selbst Turkologen sich des vorherrschenden Prozeßcharakters des Türkischen nicht bewußt sind. Es gibt im Türkischen kein Verb für „sein“. Grammatiker und Philosophen haben, von abendländischen Theorien angesteckt, das Verb olmak („werden“) zu einem Vertreter für „sein“ umgedeutet, und alle Welt hat sich daran gewöhnt. Muß oder darf das dominante Auftreten des Subjekts, des Agens oder Themas im Sinne der Linguistik so interpretiert werden, wie ich es hier im Sinne einer tyrannischen Macht getan habe? – Es gibt viele verschiedene Subjekte: Bücher, die fesseln; Flüsse, die das Land überschwemmen; Menschen, die andere für einen Hungerlohn zur Arbeit zwingen; usw. – Kann man die unbewußt eingenommene Perspektive von Sprechern bzw. Schreibern (radikal) ändern? Dann müßte weit mehr getan werden. Das menschliche Denken müßte grundsätzlich überholt werden. Haben Sie schon bemerkt, daß in christlichen Gefilden Tausende Male öfter von der Kreuzigung als der Nächsten- 29 „Arisch“ (¦Ï| ārya „fremd, edel; Herr“) war die Selbstbezeichnung („Arier“) einer Indo-Arisch (als Untergruppe des Idg.) sprechenden Gruppe von Eindringlingen/Einwanderern in Indien aus Südwest-Asien (?). 26

liebe die Rede ist? Das Kreuz bändelt sogar als Schmuck am Hals einer Frau. Und wo hängt die Liebe? Im Rechtswesen ist die Bestrafung, also die Rache, bis heute weit wichtiger als die Resozialisierung. Im Islam steht es nicht anders um das Recht, in der Scharia noch barbarischer. Folterung gibt es überall. Auch jahrelange Kerkerhaft ist Folter. Die Subjekt-Objekt-Struktur ist offensichtlich so tief in das heutige Denken eingeprägt, daß sie sich gar nicht mehr wegdenken läßt. Newmeyer (2000, 372) nimmt sogar an, ursprünglich hätten alle Sprachen eine Subjekt-Objekt-Struktur aufgewiesen. Seine Hypothese hat auch etwas mit Kausalität zu tun. Transitivität und Kausalität stehen nahe beieinander. E. P. Fischer (2007, 28) setzt die Differenz bereits für eine Zeit an, als es noch keine Menschen gab. 30 Nach einer wieder anderen Theorie werden Strukturen ohne direktes Objekt einfach als „of low transitivity“ behauptet (Hopper + Thompson 1980, 254), bei denen wie bei den sog. intransitiven Verben das Objekt angeblich ‚zurücktritt‘. Die Linguistik spricht von „backgrounding“ statt des „foregrounding“ bei transitiven Verben mit Objekt (ib.). Tatsächlich scheinen jedoch einige Sprachen darauf hinzudeuten, daß es u. U. auch ohne Subjekt-Objekt-Struktur geht (s. unten). So frage ich nochmals: Hängen die Struktur einer Sprache und das Verhalten ihrer Sprecher nachweislich auf eine bestimmte Art zusammen? Daß wir Subjekt-Prädikat-Sätze gebrauchen ist nur eine Angelegenheit unserer Zeichengebung; die Subjekt-Prädikat-Form ist an sich noch keine Logische Form und sie ist Ausdrucksmittel unzähliger grundverschiedener logischer Formen[.] (Wittgenstein s. a., 1.1,63, §4) Man kann sich eine Sprache vorstellen, die, ähnlich der chinesischen, keine eigenen Formen für grammatische Funktionen hat. Das einzige grammatische Pänomen im Chinesischen ist anscheinend die Wortstellung im Satz. In der üblichen Perspektive der Grammatiker macht sie dadurch Subjekte und Objekte. Eine Folge wie Hans – Schlag – Peter scheint dem (nach deutscher usw. Denkgewohnheit) zuzustimmen. Aber die Folge Hans – Peter – Schlag bleibt mehrdeutig und je nach der Situation, in der sie auftritt, auf verschiedene Weise interpretierbar, z. B. Hans (→) Peter Schlag oder Hans (←) Peter Schlag oder Hans (+) Peter Schlag. In Worten: Hans schlägt Peter bzw. Hans wird von Peter geschlagen bzw. Hans und Peter schlagen sich. Der letztgenannte Satz ist im Deutschen wieder nicht eindeutig: Die beiden Jungen können sich gegenseitig schlagen oder je- 30 Woher die Beiträger des Buches (Knight + Studdert-Kennedy + Hurford 2000) so viel über die Entstehung der Sprache(n) wissen, ist mir nicht bekannt. 27

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