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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

weils selbst kasteien.

weils selbst kasteien. Man kann sich mit Wonne selbst versklaven. – Gesten können das Gemeinte vereindeutlichen. Sprachen können anscheinend von der Subjekt-Objekt-Struktur gelöst werden. Die Umwelt ihres Gebrauchs bestimmt ihre Interpretation. Der Sprecher gehört zur Umwelt seiner Sprache. Die muß sich vom Individuum, sogar von seiner und ihrer individuellen Situation und von der Interpretation durch den/die Sprecher lösen. Sprachen haben uns den Mythos vom Menschen und seiner hierarchischen Machtstruktur überliefert und ihre eigene Macht gestärkt. Stellen Sprachen ein Subjekt auf und lassen es über ein Objekt dominieren, oder tut es der Sprecher, indem er seine Sprachstruktur als Subjekt-Objekt-Struktur interpretiert? Das Subjekt handelt, als Agens(ausdruck) beherrscht es das Objekt, es bestimmt das Objekt, wie eine geläufige Ausdrucksweise der Grammatik sagt. Und als erstes Agens behauptet der seiner selbst bewußte Mensch sich selbst. Alle anderen Fälle sind Metaphern. Nur das „Ich“ kann (anscheinend?) ein sicheres Agens sein; alle anderen „Personen“ bleiben Annahmen, z. B. „Du hast mich vergessen.“ (Zum Terminus „Person“ vgl. Quante 2007, bes. ib. 5.) – Und vergessen wir nicht, daß auch das „Ich“ von Moment zu Moment ein anderes wird. Das häufigste Objekt einer agentialen Sprache ist das sog. „direkte“ Objekt, in flektierenden Sprachen, wie z. B. dem Deutschen, also das Objekt im Akkusativkasus, das sog. Akkusativobjekt. Seit etwa 200 bis 300 Jahren wird der Gebrauch dieses direkten Objekts im Deutschen immer häufiger. Ist es Zufall, daß dies gerade seit der Zeit des Aufkommens der sog. industriellen Revolution und damit der Wirtschaftsmacht und ­mächtigen einer- und der dienenden Arbeitermassen andererseits geschieht? Der Mächtige gebraucht ‚kurz angebunden‘ die Befehlsform; der Diener faßt sich aus Angst und Vorsicht kurz. Spiegeln sich da einerseits Ökonomie (vgl. den Befehlston im Militär) und andererseits zunehmend mangelnde Sprachbildung im Umgang mit Kasūs? Der früher häufige partitive Genitiv ist bis auf wenige feste Redensarten verschwunden. – Niemand spricht mehr wie Luther und noch spätere Autoren von „viel Klagens, Weinens oder Heulens“ (Reiners 1955, 213). – Vielleicht setzt der Verlust des Genitivs im Deutschen auch nur die Jahrtausende alte Schrumpfung der idg. Deklinationsparadigmata fort. Das altindische Sanskrit hatte noch, wenn ich richtig gezählt habe, 46 Deklinationsmuster mit je 3 Numeri zu je 8 Kasus. 31 31 Das ist etwas gemogelt. Es gab in einigen Fällen Formsynkretismus. 28

Es gibt Abstufungen der Unterwerfung. „Ich sehe dich“ benennt nach Meinung der meisten Menschen eine Tätigkeit, in der ich mir ein materielles oder immaterielles, real oder vermeintlich sichtbares Objekt, hier: einen Partner, unterwerfe (s. oben zum Reaktionszwang). Bei „Ich glaube dir“ wird man kaum an Zwang denken können. Im Altertum gab es zuzeiten unter den Wissenschaftlern einen Streit, ob der „Sehstrahl“ vom Auge ausgehe und ein Objekt treffe oder vom Objekt ausgehe und das Auge treffe, ob also das Sehen vom Sehenden, z. B. dem Menschen, ausgehe oder von dem, was gesehen wird, und den Menschen treffe (vgl. das lat. Aktiv video „ich sehe“ vs. das Passiv mihi videtur „es [er]scheint mir“; vgl. z. B. Lloyd/Killisch-Horn 2000, 231; doch s. oben zur Vergangenheit). Ich weiß nicht, ob diese doppelte Möglichkeit, sich auszudrücken, jemals näher auf unterschiedliche Handlungs- und nicht nur Sehweisen untersucht worden ist. Die Demokritische Theorie der Bilder oder Idole setzt das Sehen, das doch ein Sinn der Ferne zu sein scheint, mit einer besonderen Art von Berührung gleich: es beruht nämlich darauf, daß vom wahrgenommenen Körper feine Ausströmungen ausgehen, die den Zwischenraum durchqueren, bis sie auf den wahrnehmenden Körper stoßen. (Brunschwig/Sedlaczek 2000, 103) Erst Johannes Kepler (1571-1630) bewies, daß von einem Gegenstand ausgesandte Partikel das Auge reizen. Die heutige Mikrophysik spricht von Photonen, masselosen Elementarpartikeln, die von einem Objekt ausgehen (und evtl. ein Sehorgan treffen, vorausgesetzt, es wird in die Richtung des Objekts gewendet). Dabei scheint also doch so etwas wie eine doppelte Subjektivität vorzuliegen: Phänomen X sendet Photonen (den antiken ‚Sehstrahl‘) aus; Y nimmt sie wahr. – Auch in „ich höre“ scheint Agentialität nur schwach auf. Ich höre auf einen Reiz hin, werde also Objekt. Wird dem „Hören“ ein Objekt beigefügt, tritt die Tätigkeit etwas deutlicher hervor: „Ich höre ein Geräusch“. Aber es muß ein ‚Subjekt‘ dasein, das reizt. – Vgl. noch: „Ich rieche den Duft“, „Ich fühle die Kälte“, „Ich schmecke das Gewürz“. Versuche, eine weltgemeinsame Kunstsprache, z. B. Esperanto, zu schaffen, gingen allemal von Autoren aus, die nur Subjekt-Objekt-Sprachen kannten. Folglich schufen sie ihre Kunstgebilde ebenfalls nach diesem Schema. Ein Ausweg aus dem vitiösen Macht-Ohnmacht-Circulus wurde nicht gesucht und demgemäß nicht gefunden. Ebensowenig wurden kulturelle Unterschiede beachtet. – Wenn ein Deutscher sein „aufrichtiges Beileid“ äußert, ein Brite vielleicht „my heartfelt sympathy“ murmelt und ein Türke „başınız sağ olsun“ sagt (Steuerwald 1998; ‚wörtlich‘: Ihr Kopf 29

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