Aufrufe
vor 5 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

s- Präfix des

s- Präfix des Handelnden -∫aj (Pronomen des Aneignens) na/a ∫aj Wissen aneignen > (er)kennen ja … /i ~ bestimmter Artikel (s. oben). Das erkennende Subjekt kommt nicht zur Erkenntnis ohne die aktive Teilnehme des zu erkennenden (im Deutschen: des erkannten) Subjekts, denn im epistemologischen Prozeß tritt das zu erkennende Subjekt in Aktion, indem es sich das Erkennen des Erkennenden zu eigen macht. Deutlicher und einfacher gesagt heißt das: Wir erkennen nichts, es sei denn, das zu erkennende Subjekt eignet sich unser Erkennen an. Mit anderen Worten: Es muß eine Zusammenarbeit zwischen dem Kennenlernenden und dem Kennenzulernenden geben. Daher treten nicht nur die Forscher in Aktion, sondern die zu Erforschenden kommunizieren mit uns auf vielerlei Art. Sie sind sozusagen nicht stumm, vielmehr wollen sie mit uns „sprechen“, und sie sprechen zu uns auf ihre Art, damit wir einander kennenlernen. (Lenkersdorf 2000, 61; Fußnote weggelassen) Lenkersdorf möchte sein Hauptanliegen, das Tojolabal kenne keine „Objekte“, deutlich machen. Dazu verweist er auf sein Verständnis des Weltverständnisses der Sprecher. Seine Darstellungen sind in Kleinigkeiten nicht immer konsistent. Das tut seiner Intention aber keinen Abstrich. Die etwas ungelenke Darstellung macht nicht eigens deutlich, daß die sog. Subjektpronomina bei transitiven Verben (zunächst formal) andere als bei intransitiven Verben sind. Wenn aber formal, dann müßte untersucht werden, ob auch ihre Funktion (für die Syntax des Satzes) eine andere ist. (Bei der Besprechung des Baskischen gehe ich unten auf eine andere Interpretation ein.) Im Tojolabal gibt es laut Lenkersdorf, wie erwähnt, keine Transitivität, d. h. keinen wie auch immer verbindenden Übergang von einem Aktanten (Handelnden) zu einem passiven (behandelten) Phänomen. Zwei Aktanten stehen sich gleichwertig gegenüber. Sie verbindet, wenn überhaupt, eine Emotion („Ich sehe“. „Du erlebst [es]“). Die Transitivität in Sprachen mit einer Objekt-Struktur, z. B. dem Dt., wird dagegen als ‚rational‘ beschreibend interpretiert oder, um bei meiner oben gebrauchten Terminologie zu bleiben: Transitivität teilt die Welt in Mächtige/Herrschende und Ohnmächtige/Abhängige. Aus der Perspektive einer Fremdbeobachtung, z. B. des Deutschen, handelt es sich bei dem obigen Satz im Dt. wie im Tojolabal nach üblicher Meinung und Ausdrucksweise auch der Wissenschaft um dieselbe Situation. Schaut man genauer hin, geht es aber nicht einmal um die gleiche. In der Selbstbeobachtung der Kommunikationspartner gibt es zwei Situationen: die eigene und die andere des Partners. Die Perspektiven der Kommu- 36

nikationspartner sind andere, und darauf kommt es hier an. Das Dt. beschreibt (nach Lenkersdorf) einen einmalig vertikal von oben nach unten gerichteten Informationsprozeß der Macht (vgl. „ich verändere mich, und du wirst durch mich verändert“). Das Tojolabal beschreibt (wiederum nach Lenkersdorf) einen horizontal auf gleicher Ebene angelegten gegenläufigen kommunikativen Doppelprozeß gleichwertiger Subjekte (vgl. „ich verändere mich, und du veränderst dich“). Lenkersdorf spricht von einer „intersubjektiven“ Kommunikation der Tojolabal, während die idg. Sprachen mit ihrer Subjekt-Objekt-Struktur (nur) eine einseitige „Information“ (besser: einen einseitigen Informationsfluß) kennen (vgl. Lenkersdorf 2000, 32). Das Tojolabal ist für Lenkersdorf eine Sprache mit zwei Aktanten auf ‚gleicher Augenhöhe‘ von Sprecher und Hörer(gruppe), ohne Gefälle von Subjekt zu Objekt. Der Angeredete muß nicht wider Willen reagieren; er ist schon da und bereit zuzuhören. Los tojolabales, pues, no pueden percibir la comunicación ni hablar de ella a no ser que sea dialógica. En cuanto tal requiere que sujetos se interrelacionen con sujetos; dicho de otro modo, se exige complementariedad entre iguales, es decir, la intersubjetividad. (ib. 33) 39 Genau betrachtet, ist die Lenkesdorfsche Ansicht der Tojolabal die natürliche: Auch wenn ich jemanden wie im Dt. zwinge zuzuhören, sobald ich ihn anspreche, muß der Partner ja schon anwesend sein. Einige Beispiele zeigen dabei eine auffällige Umformung der Verbalisierung im Vergleich zu Subjekt-Objekt-Sprachen: Ich sagte euch → Ich sagte (es); ihr hörtet (es) / ihr hörtet zu. Wir werden es euch geben. → Wir werden geben. Ihr werdet empfangen. An die Stelle eines Objekts des dt. Satzes tritt ein zweiter Subjektsatz ohne Objekt. Unter welchen Bedingungen die Konstruktion eintritt, ist aus Lenkersdorfs Darstellung nicht deutlich zu erkennen. In anderen Fällen führt Lenkersdorfs Interpretation analog ebenfalls zu zwei Sätzen, wobei der zweite formal als eine Art intransitiver (implizierter) Seins-Satz erscheint: Ich sehe das Maisfeld / die Maispflanze → Ich sehe (hin). Der Mais erlebt (es). Der zweite Satz erscheint formal analog zu einem Satz wie „Ich bin ein Mann“ (s. oben). Obgleich sich Lenkersdorf nicht des näheren über die 39 „Die Tojolabal verstehen Kommunikation bzw. die Rede hierüber also dialogisch. Subjekte korrelieren mit Subjekten – anders gesagt: Gefordert wird Komplementarität Gleicher, d. h. Intersubjektivität.“ 37

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung MA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch BA (Stand März 2010) - Fachbereich Translations ...