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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Struktur ausläßt,

Struktur ausläßt, könnte auf Grund einer solchen Interpretation angenommen werden, daß ein dt. transitiver Objektsatz im Tojolabal in zwei Subjekt-Sätze aufgelöst wird (vgl. oben das Seins-Erleben). Jedenfalls spricht Lenkersdorf von einer bisubjektiven Struktur. Lenkersdorf (2005b, 160-164; vgl. auch andere Publikationen) erläutert ausführlich die Konsequenzen aus seiner Sprachanalyse für das Verhalten der Tojolabalgesellschaft (s. unten). So wendet er seine Interpretation u. a. auf die Relation von Lehrenden und Lernenden an. Beide bilden eine Gemeinschaft gleichwertiger Wissen-Wollender. Es gibt keine Macht (eines Subjekts) über ein „Objekt“ und kann daher auch nicht beansprucht und ausgeübt werden. Zwei Subjekte stehen sich gleichwertig gegenüber. Das dialogische Handeln zeigt sich nach Lenkersdorf auch darin, daß gemeinsame und gesellschaftliche Probleme von allen Betroffenen ausdiskutiert werden müssen. Es gibt keine Direktive, keine Obrigkeit oder Oberschicht, die befiehlt (s. unten). Die Struktur des Tojolabal ist mit der Erkenntnis der modernen Neurobiologie und Soziolinguistik dahin gehend interpretierbar, daß bei einer Handlung das (dt.) Subjekt und das (dt.) Objekt reziprok verändert („affiziert“) und damit beide zu etwas anderem verändert werden: Ich werde als Handelnder verändert (bzw. ich verändere mich als Handelnder), und du wirst als Erlebender verändert (bzw. du veränderst dich als Erlebender), z. B. durch eine jeweils andere emotive Einstellung, durch Erkenntnisänderung und ­zuwachs usw. Zwischen uns ‚ist‘ das Sprechen/Handeln zum Hören/Erleben mutiert. Wie bereits angedeutet, kann die Struktur des Tojolabal auch anders interpretiert werden, als Lenkersdorf es im Blick auf die Gesellschaftsstruktur (die „Kultur“) der Tojolabal tut. Mir geht es um die Relativität der Perspektivität. Zwei Subjekte, das heißt immer auch: zwei Situationen statt einer Einheit. Die Welt, genauer: eine Perspektive auf die Welt wird entzweigerissen. – A. Schmitt (2008, bes. 21-23) beschreibt u. a. die europäische „Moderne“ als (Wieder-)Erfindung der Einheit von (betrachtendem) Subjekt und (betrachtetem) Objekt unter einer Zentralperspektive des Subjekts [also als Subjekt-Objekt-Struktur], wohingegen das Mittelalter verschiedene Perspektiven nach der (transzendentalen) 40 Bedeutung des 40 Mit „transzendent“ wird meistens gemeint, was die dem Menschen erkennbare ‚Welt‘ überschreitet. „Transzendental“ kann darüber hinaus bezeichnen, was außerhalb der Welt dieses Universums, extramundan liegen könnte. „Metaphysik“ soll bezeichnen, 38

Bildes [sozusagen als Intersubjektivität] nebeneinander setzen konnte. Aus der Perspektive der ‚ein-heitlichen‘ Subjekt-Objekt-Interpretation wurde die Verweisung auf ein transzendentales Dahinterliegendes durch zwei in Opposition zueinander stehende immanente Realitäten ersetzt. Bemerkenswert ist aber, daß trotz der zunehmenden Anerkennung der Nichtidealität, der Beliebigkeit, der Zufälligkeit, Häßlichkeit der ‚Wirklichkeit‘ die aus der Renaissance übernommene Überzeugung, die authentische Wiedergabe oder die subjektiv illusionierte Erschaffung einer solchen ‚Wirklichkeit‘ sei Kunst, kaum in Frage gestellt worden ist. Selbst die ‚Ästhetik des Häßlichen‘ gilt noch als absolute, autonome Schönheitserfahrung, weil der eigentliche Wert dieser Schönheitserfahrung die Autarkie des Einzelnen ist […]. (ib. 23) Lenkersdorfs syntaktische Analyse und Interpretation des Tojolabal sind kritisiert worden. Da sie mir hier nur als mögliches Beispiel gelten, gehe ich an dieser Stelle nicht näher auf Kritiken ein (s. unten). Es wäre zu fragen, ob und wieweit die Lenkersdorfsche Perspektive auf andere Sprachen angewandt werden kann. In Analysen anderer Linguisten wird die Struktur des Tojolabal als „ergativisch“ beschrieben. Lenkersdorf erwähnt diese Interpretation, geht aber nicht weiter auf sie ein. Stolz (2009) bezeichnet das Tojolabal als die am deutlichsten ergative Mayasprache, doch geht sie mit keinem Wort auf Lenkersdorfs Interpretationen ein. Nach Stolz hat das Tojolabal die übliche Ergativstruktur mit Subjekt und Objekt (bei Stolz Patiens genannt). Dann kann man diese Sprache wie alle anderen analysieren: „Ich (Ergativ, Subjekt ) sehe den Mais (Patiens, Objekt). Weil Lenkersdorf seine Beispiele aus praktischen Gründen für Nicht-Linguisten in normales Mexikanisch-Spanisch übersetzt, tritt die Ergativität der Strukturen des Tojolabal zugunsten der von ihm behaupteten Objektlosigkeit ergativischer Sätze dieser Sprache in den Hintergrund. Ergativsprachen finden sich weit über die Erde verstreut. Ich versuche ein paar Eigenarten am Beispiel des Baskischen darzustellen. Allerdings ist die ursprüngliche Struktur dieser Sprache im Laufe der letzten mindestens 2500 Jahre anscheinend durch den Einfluß idg. Sprachen (Keltisch, Lateinisch, Spanisch, Französisch) und vielleicht hamitischer Sprachen (Berberisch; vgl. u. a. Mukarovsky 1968) ziemlich verändert, wenn nicht gar zerrüttet worden. Außerdem muß bedacht werden, daß muttersprachliche Sprecher des Baskischen heute weithin zweisprachig sind und entweder das was der erfahrbaren Welt ontisch zugrunde liegt. Mit „metaphysischen“ Werken meinte Aristoteles seine nach seinen physikalischen (µετ1 t1 φυσικ0) publizierten Werke. 39

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