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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Die Entscheidung hängt,

Die Entscheidung hängt, zumindest z. T., davon ab, ob man von Formen oder von Funktionen ausgeht. Diese Entscheidung aber ist ebenfalls nur „gesetzt“. Im Grunde mag die eine oder andere Analyse gelten. Eine Wirkung auf das Verhalten der Sprecher bzw. auf ein anderes Denken und Verhalten im Vergleich zu Aktivsprachensprechern, wie Lenkersdorf es für die Tojolabal behauptet, scheint (vielleicht mit Ausnahme der Tojolabal?), nicht nachweisbar zu sein. – Indien und Pakistan haben sich zu zwei (vor allem religiös) unterschiedlichen Kulturen und damit Verhaltensweisen (oder, wie man immer noch gern sagt: Mentalitäten) entwickelt. Die jeweiligen Hauptsprachen Hindī und Urdū sind aber grammatisch eine Sprache geblieben. Das Vokabular hat sich weitgehend auseinander entwickelt. Paradox wird der Kasus, wenn man sog. performative Äußerungen betrachtet (ich kenne hierüber keine linguistische Erörterung zu Ergativsprachen). In einer Aktivsprache wird die Äußerung „Ich segne dich“ selbst Vollzug der Handlung. Durch den Segensspruch (evtl. plus der zugehörigen Geste) wird das Objekt gesegnet. Gen. 12.2 steht geschrieben: „Benedicam tibi (!)“ (Vulgata 1965); „Ich werde […] dich segnen“ (Einheitsübersetzung 1989); bask., als Translat wohl von der Vorlage beeinflußt: „Benedikatuko zaitut“ (Duvoisin 1972; benedikatu „segnen“; ­ko Futurindikator; zaitut Pron. 2. Pers. z(u)- + [Verbstamm] + ­t- [Plural(dativ)infix (vgl. oben ­te-); zu ist ursprünglich 2. Pers. Pl.; vgl. das engl. you] + [Bindevokal +] ­t Pron. 1. Pers. Sg. Ergativ; vgl. ni bzw. ni-k). Wird der Ergativ nicht in Analogie zu den Aktivsprachen als Subjekt behauptet (s. oben), gibt es in Ergativsprachen keine performativen Äußerungen (vgl. ~ *bei mir geschieht deine Segnung bzw. sei von mir gesegnet; evtl. laß dich von mir segnen?). 47 – Dem ptg. „isso não se faz“ entspricht ein dt. „das tut man nicht“ mit einem Objekt anstelle der ptg. Subjektstruktur; vgl. hierzu Ammann 1993) Die Linguistik geht bis heute von der seit der Antike als mustergültig überkommenen altgriechischen (idg.) Struktur aus. (Wie sähe diese Linguistik aus, wäre sie von Sprechern einer ergativischen Sprache entwickelt worden?) Auch neue Beschreibungsmodi entgehen der überkommenen Generalisierung nur mit Mühe. – Vgl. die Behauptung, ursprünglich hätten alle Sprachen eine Subjekt-Objekt-Struktur gehabt, und dagegen: die idg. Kasusflexion sei vielleicht aus einer ergativischen Agglutination entanden (vgl. Erhart 1933, 8-16, mit Lit.). Ob die allmähliche Umformung von 47 Lat. bene dicěre bedeutet ursprünglich ~ „(zu jemandem) gut/schön/(adäquat) reden“; mit Dativ: „von jemandem / über j-n gut reden“; dt. segnen gehört zu idg. *sec ~ „schneiden, (ein)ritzen [z. B. ein Kreuz auf der Stirn]“; vgl. Säge, Sichel; lat. signum. 48

einem neu entstehenden Verhalten bedingt war oder zu einem solchen geführt hat, läßt sich nicht feststellen. Grammatische Darstellungen beschreiben nicht die grammatische und erst recht nicht die reale (sachliche) Realität, sondern die Perspektive(n) gegenwärtiger/früherer Sprecher auf ihre Realität. Die eigene Sprache (genauer: Sprachansicht oder ­perspektive) beeinflußt auch die Analyse von Sprachen. Man glaubt, wie man zu sehen glaubt, weil man es so gelernt hat. So analysiert sich (jede) Sprache selbst. Das gilt auch für die Wissenschaft. Führen Ergativstrukturen zu keinem anderen Verhalten als Aktivstrukturen? Kann die Linguistik ihre Ansicht begründet auf bestimmte Strukturen begrenzen? Das eigene Verhalten beeinflußt die Darstellung und damit das (Nicht­ oder Anders­)Verstehen einer anderen Welt. Die eigene Subjekt- Objekt-Struktur führt zur Verallgemeinerung, zur ‚Globalisierung‘ ihrer dominanten Weltsicht. Eine andere Struktur wird interpretiert, wie jemand das Verhältnis (ein Ausdruck, der zu „Verhalten“ gehört) seiner Sprache zur Welt bzw. sein Verhältnis zu seiner Welt empfindet bzw. glaubt und es sodann auf andere Welten anwendet. Eine Perspektive (ver)führt sich selbst. Und plötzlich ist alle Welt voller Subjekt-Objekt-Sprachen. Weil die meisten Analytiker 48 sowieso Sprecher einer Aktivsprache (gewesen) sind, haben andere ihr wissenschaftliches Denken von ihnen gelernt und ahmen es nach. Wenn sprachliche Strukturen menschliches Verhalten, z. Β. das wissenschaftliche, beeinflussen, tragen die Analytiker Mitschuld am Zustand der Welt. (Denken ist auch ein Tun und Handeln, also Verhalten.) Dabei bietet gerade die Globalisierung (auch der Subjekt-Objekt-Struktur von Sprachen) eine Chance zum Nachdenken: Individuen müssen sich in einer Gesellschaft aneinander anpassen. Global müssen sich Gesellschaften kulturell (und sprachlich) aneinander anpassen. Jeder Schritt dazu bedingt eine Entscheidung. Man übernimmt Elemente voneinander und gibt an andere ab: Reziprozität, Rückkoppelung, Komplexität. Vielleicht lernt man sich dabei gemeinsam falsch verstehen und wird glücklich über den Konsens. Lenkersdorf (2005b, 156) behauptet (mit einigen Vertretern der Linguistik und anderer Wissenschaftsdisziplinen) eine Rückkoppelung zwischen Verhalten und Sprachstruktur. Im vorliegenden Zusammenhang verweist er darauf, daß sich durch den bloßen Austausch von Namen (als Subjekt und Objekt oder Ergativ und Nominativ) nichts am Verhalten der Menschen ändert. 48 Neuerdings lese ich auch „Analysten“, ein Lehnwort aus dem Englischen, daß zuvor Börsenfachleuten vorbehalten war (vgl. DUDEN). 49

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