Aufrufe
vor 5 Jahren

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

„Ich komme, er/sie

„Ich komme, er/sie will“ (Er/sie will, daß ich komme). Das Vollverb waú („ich komme“) wird bei Buechel und damit Netzel als das direkte Objekt des Modalverbs wacín („Ich will“) interpretiert (Netzel 2006, 261). Analog wird der zweite Satz waú cin interpretiert. Since an infinitive cannot be used substantively in Lakota, it is turned into a clausal substantive (without the article) by being in the same person and number as „okihi“. (ib.) Die Erklärung zeigt die Schwierigkeit für Sprecher einer Subjekt-Objekt- und Modalverbsprache (hier des Englischen) andere Strukturen zu interpretieren. Die Existenz einer grammatisch-syntaktischen Objekt-Struktur wird als selbstverständlich angenommen und nicht hinterfragt. Beispiele werden entsprechend interpretiert. Für das Lakóta werden Objekte angesetzt (weil sie von Sprechern idg. Sprachen behauptet werden?), doch wird zugleich gesagt, das sog. direkte (Akkusativ­)Objekt falle mit einem Richtungskasus (zu/nach) zusammen (ib. 262, mit Verweis auf eine analoge Struktur im Quechua in Peru). Zu einem solchen Funktionszusammenhang (oder ­zusammenfall) vergleiche man im Idg. z. B. die Verwendung des Akkusativs im Lat.: Romam „nach Rom“ vs. Romam video „Ich sehe Rom“ (~ „Ich sehe auf Rom hin“) und Romam ibo „Ich gehe nach Rom“. Lenkersdorf hätte aus den obigen Beispielen für das Lakóta sicherlich zwei unabhängige (Subjekt­)Sätze gemacht. Wird der oben genannte Beispielsatz aus dem Lakóta in folgender Reihung wiedergegeben: „Er will, ich komme“, so läßt sich diese Wiedergabe mit und ohne Pause zwischen den beiden Sätzen lesen, wodurch sie im Deutschen eine je andere Interpretation erhalten. Ohne Pause gelesen, erscheint der zweite Satz(teil) tatsächlich für den Sprecher des Deutschen als Objekt des ersten (zumal, wenn das Hauptverb „komme“ als Konjunktiv interpretiert wird). Mit Pause gelesen ergeben sich zwei Subjektsätze. Die Interpretation beider Varianten hängt von ihrer Lesart ab. Der Vergleich eines (grammatisch-syntaktischen) Objekts, z. B. der deutschen Sprache, mit der von Lenkersdorf behaupteten Objektlosigkeit des Tojolabal und allgemein der Ergativsprachen erschließt für das deutsche Objekt zwei Funktionen: die Funktion des Objekts, das sich nicht gegen seinen Ge-, Ver- und evtl. Mißbrauch durch ein Agens wehren kann, und die Funktion des Objekts, das möglicherweise sekundär selbst wieder zu einem „Subjekt“ wird („Er will, daß ich …“ / „Ich soll …“). – Heidegger (2006) hat dies am Beispiel des Krugs (vgl. „Das Ding“ in „Sein und Zeit“) herausgestellt. Mit einem Krug, so argumentiert er, schenkt man an andere aus. Der Schenk macht den Krug zu seinem Werkzeug. Doch der 54

Krug schenkt aus, denn ohne ihn könnte es ein anderer, das Agens-Subjekt, nicht tun. Der Krug wird in dieser Perspektive zum Subjekt. In anderen Kulturen verehrt man solche „Objekte“ wie den Krug als aktiv Handelnde und bittet evtl. um ihre Erlaubnis, sie gebrauchen (‚be-handeln‘) zu dürfen, indem man z. B. einen Krug bittet auszuschenken oder beim Ausschenken zu helfen, d. h., man behandelt etwas als Objekt, indem man es als Subjekt handeln läßt. („Lassen“ hat mindestens zwei Funktionen: zulassen, veranlassen.) Natürlich können wir auch wieder sagen, letzten Endes zwinge man den Krug auszuschenken (vgl. auch Sloterdijk 2007, 152f). Die Perspektiven der Menschen drücken sich in ihren Sprachen unterschiedlich aus oder werden in ihnen unterschiedlich ausgedrückt. Ob die Perspektiven bewußt werden, bleibt dahingestellt. Ich glaube, dem ‚Mann auf der Straße‘ ist die Struktur seiner Rede keineswegs bewußt. Er kann sie nicht adäquat analysieren. Es gibt gar nicht die Perspektive. Sie ist in jedem Verhalten soziokulturell überformte Individualität. Der folgende Satz ist offenbar ein formal und semantisch korrekter Satz der deutschen Sprache: Ich pflücke eine Blume. Analog dazu gilt ebenso: Ich sehe eine Blume. Die beiden Sätze sind parallel konstruiert. Der zweite Satz wird trotz der mikrophysikalischen Umkehrung der vermeintlichen Sehrichtung durch Photonen, die das Auge reizen, wie der erste Satz gemäß einer Subjekt- Objekt-Struktur interpretiert. – Analog zu Lenkersdorfs Analyse bilden die beiden folgenden Sätze aber keine Subjekt-Objekt-Struktur: Ich gucke/schaue, da ist eine Blume. (Beachten Sie die Verbänderung von sehen zu gucken/schauen! Vgl. Lenkersdorfs „Erlebens“-Interpretation.) Dagegen werden die folgenden Sätze als eine Subjekt-Objekt-Struktur empfunden: Ich sehe, da(s) ist eine Blume. Der Versuch zeigt, daß das Verhalten (bzw. Handeln) eines Menschen, die Subjekt-Objekt- und die Intersubjektivitätsstruktur sowie die vorangehende Entscheidung für die eine oder die andere Struktur und ebenso die Reaktion auf die Wahrnehmung bzw. Perzeption der obigen Sätze so miteinander verflochten sind, daß eine jeweils situationsbedingt als adäquat ein- oder angenommene Interpretation willkürlich erscheint. Dabei braucht und kann nicht entschieden werden, ob die jeweilige Perspektive von einer (Wil- 55

Abschied von Hans J. Vermeer - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Hans J. Vermeer Postkoloniale Politik und literarisches Übersetzen
Literaturangaben Arbeitsbibliothek Hans J. Vermeer
Hans .J. Vermeer Die Aufhebung der Translatiou
Wie geht es weiter im „alten“ BA? - Fachbereich Translations ...
Erfahrungsbericht - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Laudatio - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Fächerübergreifendes Lehrangebot - Fachbereich Translations ...
Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft ...
Studienschwerpunkte - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Translation als Kreolisierung - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Prüfungsordnung für den "neuen" - Fachbereich Translations ...
Polnisch - Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Bachelorstudiengang Sprache, Kultur, Translation - Fachbereich ...
Translation als Schlüsselbegriff der Interdisziplinarität - Fachbereich ...
Paul Hillery - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Muttersprachlicher Unterricht - Fachbereich Translations-, Sprach ...
Modulhandbuch für MA SKT Spanisch - Fachbereich Translations ...
Deutsch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...
Prüfungsordnung BA SKT - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Teilnahmeformular - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Modulhandbuch - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Auswahlbibliographie - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Kataloge des FTSK und Ausleihe - Fachbereich Translations ...
Memoiren von Russlanddeutschen - Fachbereich Translations ...
Programm - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...
Von Ost nach West - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...