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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Manche Ethiker und

Manche Ethiker und Philosophen nehmen an, das Hauptmerkmal der vorsokratischen Ethik sei die tapfere „Selbstbehauptung“ im Kampf ums Überleben in einer ‚feindlichen‘ Umwelt gewesen (vgl. Canto-Sperber /Sedlaczek 2000, 118). Offenbart sich hier eine (in diesem Fall griechische, d. h. idg., später durch die Römer intensivierte) „Tätermentalität“? 52 Fehlt ein Gegenpart zur episch-heldenhaften Darstellung eines Krieges, wie z. B. in der Ilias des angeblichen Homer (Οµηρος; Mitte oder 2. Hälfte des 7. Jhs. v. Chr.)? Hätte eine ergativsprachige Gesellschaft das Geschehen um Troia ohne markige Helden dargestellt bzw. wie hätte sie es darstellen können? Es ist nicht anzunehmen, daß Ergativ-Menschen vorzeiten nicht miteinander gewaltsam gestritten hätten. Im angeführten Beispiel stilisieren wir einen Fall als Hauptmerkmal einer Epoche und Kultur, und diese Haltung wird auch heute noch verbreitet und bewundert. Oder drängt unser Verhalten uns einfach eine einseitige Sicht auch anders möglicher Weltanschauungen auf? Es ist zwar höchst philosophisch, daß jemand bemerkt, daß es sich in einem bestimmten Fall nicht um eine Tat eines Subjekts gegenüber einem Objekt, sondern um ein Geschehen zwischen beiden handelt; aber ist das wirklich eine erwartbare spontane Einstellung zu einem Prozeß? Kann solch eine Perspektive ursprünglicher als die (uns heute so natürlich erscheinende) aktive Handlung sein? – In mancher Hinsicht scheinen die (aktivsprachigen, idg.) Hethiter im 2. Jt. v. Chr. fortschrittlicher gewesen zu sein als heutige westliche Kulturen: „Die Todesstrafe war praktisch abgeschafft […]. Und im Strafrecht galt […] die Idee von Wiedergutmachung und Buße.“ (Zick 2008, 85) Man vergleiche dagegen, wie blutrünstig es in den historischen Büchern des sog. Alten Testaments und im alten Griechenland sowie in Europa mindestens bis ins 18. Jh. nicht nur in den häufigen Kriegen zuging. – In Hesiods Kosmogonie scheint (für uns?) eine Entwicklung zur Personalisierung auf: Die alten Mächte waren impersonal: Chaos, Wasser, Feuer, Erde usw. Allmählich treten individuelle aktive Götter (und Göttinnen) an ihre Stelle. Können wir von einem Übergang zwischen impersonalem „Geschehen“ zu personalem Handeln sprechen? Die Sprache war allemal (schon?) das transitiv-aktive Griechisch. Etwa gleichzeitig wird bei Hesiod (Ησίοδος, um 700 v. Chr.) auch „eine Moral des Zwangs und der Selbstbeschränkung“ deutlich (Canto- Sperber/Sedlaczek 2000, 118), die aber trotz der späteren, in dieser Hinsicht ursprünglich ähnlichen christlichen Lehre nie so recht die Oberhand gewinnen sollte. Hesiod und den späteren Ansichten ist gemein, daß der 52 Rom wurde unter etruskischer Herrschaft gegründet. Die Struktur des Etruskischen ist bisher unzureichend bekannt. 58

Mensch nach seinem Willen handelt (und dafür verantwortlich wird). Fast scheint eine Umkehr auf: Im Leben handelt der Tätermensch; hinterher muß er sein (dadurch selbst erwirktes) höllisches Schicksal geschehen lassen. Dabei scheint übrigens bereits die Folge: Schuld und Sühne, als Selbstverständlichkeit auf. Heute gilt in der ‚westlichen‘ Welt das eigene Handeln als höchstwertig; die sozial-kulturelle Gemeinschaftsverantwortung gilt nur noch minimal. Gibt es im frühen Christentum nicht-aktive Einflüsse? Nach Hermann Goetz (1974) gab es in Petra, Jordanien, mit großer Wahrscheinlichkeit ein (nicht vollendetes) buddhistisches Kloster. Sprache spielt eine (mit)entscheidende Rolle für die menschliche Erkenntnisfähigkeit und ­art. Noch einmal die Frage: Spielt auch die jeweilige Struktur der Einzelsprachen oder einer Sprachgruppe, z. B. die Aktiv- gegenüber der Ergativstruktur, eine Rolle und inwieweit? 4. Ornamentik um Strukturen Im folgenden soll Lenkersdorfs Satz, wir seien für die kosmische Gemeinschaft des Lebens, zu der wir gehören, mitverantwortlich, eingehender kommentiert werden, indem ich modellhaft die Verdrängung einer Weltsicht des Geschehens bzw. Geschehenlassens durch eine Sich des Handelns zur Diskussion stelle. Wenn bzw. soweit diese Perspektive angenommen werden könnte, würde sie auch für den Translator, d. h. die Strategie des Translatierens und seine Folgen. gelten. Ich suche mögliche Grundlagen und Auswirkungen der „Weltsicht“ von Subjekt-Objekt- vs. Intersubjektivitäts- bzw. von Geschehens- vs. Handlungskulturen. Tatsächlich geht es vorrangig mehr um Kulturen als um Sprachstrukturen. Oben wurde die Tyrannis der Subjekt-Objekt-Struktur vieler Sprachen erwähnt. Sprachwandel ist normal, und Satzstrukturen werden im Gebrauch nicht weiter bedacht und sind längst zu unbewußten Gewohnheiten gewordem. Die Frage ist, ob sie das menschliche Verhalten beeinflussen. – Vor Jahren wollte Whorf bereits an einer nordamerikanischen Indianersprache, dem Hopi, einen Zusammenhang zwischen Sprachstruktur und Verhalten aufzeigen. Bald kam Kritik auf. (Vgl. Whorf 1956; vgl. dazu vor allem Gipper 1972; vgl. den Überblick bei Kienpointner 1998. Auch Kienpointner geht nicht auf das hier zur Debatte stehende Problem ein.) Die so genannten Sprachrelativisten, als deren wichtigste Vertreter Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf gelten, stellten […] die Hypothese auf, dass das menschliche Denken wesentlich durch Sprache bestimmt werde. Jakobson hatte […] dagegen argumentiert, dass Sprachgemeinschaften und Sprecher dort, wo es für sie relevant erscheint, auch entsprechende Mittel für die 59

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