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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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adäquate sprachliche

adäquate sprachliche Bewältigung der Realität entwickeln. Auch wenn Jakobsons Einwand theoretisch zutrifft, so ist doch empirisch nicht zu übersehen, dass durch konventionalisierte Sprachmittel sehr wohl auch Lebenswirklichkeit geschaffen, gestaltet, gegliedert und bewertet wird, d. h., dass zwischen dem menschlichen Denken, Fühlen und Handeln einerseits und der Sprache andererseits eine unleugbare Korrelation besteht. Sprache ist trotz der theoretischen Möglichkeit der metasprachlichen Reflexion vor allem ein gewachsenes Zeichensystem, in dem sich die kulturelle Erfahrung einer Gemeinschaft niederschlägt, als solche tradiert wird und somit auch die aktuellen Denk- und Verhaltensmuster bestimmt. (Prunč 2007, 93f; Fußnoten weggelassen; vgl. auch ib. 94f) Prunč denkt in diesem Zitat wie die meisten Sprachwissenschaftler vor allem an das Vokabular. Mich interessiert in erster Linie die Syntax. Auch Nida (1959 bzw. 1966, 13, zit. n. Prunč 2007, 94) denkt ‚in Wörtern‘: Sprache ist, stellt Nida fest, eine systematisch organisierte Menge von Symbolen, wobei sowohl die Zuordnung zwischen Symbol und Wirklichkeit, als auch die zugrunde liegende Segmentierung der Wirklichkeit ihrem Wesen nach willkürlich (arbiträr) ist[.] Jakobson (1896-1982) gehört zu jener Generation von Linguisten, für die Sprache ein metaphysisches Ding war, das vor allem aus Wörtern, allenfalls noch Phrase(me)n und etwas Syntax bestand. Wörter lassen sich (in Maßen) austauschen, um'schreiben oder anders neu zusammensetzen. Was sich nicht ohne weiteres ändern läßt, ist die grundsätzliche Struktur. Es ist der strukturelle und damit u. a. syntaktische Zwang, dem sich ein Sprecher /Schreiber bzw. Hörer/Leser einer Sprache beugen muß. Und diese Konventionen wirken im Unbewußten. Deshalb sind sie so gefährlich. Ich möchte sie aus ihrer Hinterhältigkeit hervorzerren. Inzwischen gibt es zahlreiche Untersuchungen zu einer abgeschwächten „Sapier-Whorf-Hypothese“. – Als Beispiel sei die Diskussion um räumliche und zeitliche Abfolgen skizziert. Man ist sich im allgemeinen einig, daß der Raum das primäre Orientierungsschema gegenüber dem abstrakteren der Zeit liefert. Aus welchem ursprünglichen Grund auch immer, Sprachen haben eine Präferenz für bestimmte räumliche Ausdrucksweisen entwickelt und auf Verbalisierungen der Zeit ausgedehnt (das Englische zieht z. B. die horizontale einer vertikalen sprachlichen Darstellungen vor, während das Mandarin entgegengesetzte Präferenzen zeigt; vgl. Einzelheiten bei Boroditzky 2001). Boroditzky (ib. 16 3 ) betont aber, daß die Schreib- und damit Leserichtung der Sprecher deren Verhalten nicht wesentlich beeinflußt, wohingegen Kaindl (1995) dies für das Japanische gerade herausstellen wollte. Vielleicht hängt die Änderung der Leserichtung im Japanischen und Chinesischen mit der wiederholten Änderung der Schreibrich- 60

tung in den letzten Jahrzehnten zusammen. (Im Lehrgang von Gundert 1957 ist die Schreibrichtung des Japanischen noch ausnahmslos senkrecht von rechts nach links eingerichtet.) Der ‚Vater‘ der sog. Sapir-Whorf-Hypothese eines sprachlich gebildeten „Weltbilds“ zögert, sich zu entscheiden. Sapir sieht keinen unbedingten Zusammenhang zwischen Sprache, Rasse und Kultur und erklärt die Tatsache, dass eine Sprache mit einem Volk und einer Kulturgemeinschaft zusammenfallen kann, mit geschichtlichen Ereignissen (vgl. Sapir 1961, Kap. 10). (Seel 2008, 90 115 ) Sapir (1961, 194) räumt dies [„Sprache spiegele sowohl als System als auch in Form individuellen Sprechens die Kultur einer Nation“ (Seel 2008, 91)] lediglich für den Wortschatz einer Sprache ein. Wenn er jedoch an anderer Stelle feststellt, „die Sprache als ein formelles System, als Struktur, ist von innen gesehen die Gußform des Denkens“ (Sapir: 1961, 29), dann scheint dies zueinander im Widerspruch zu stehen. Denn es kann davon ausgegangen werden, das Denken ist zwar sui generis eine dem Menschen angeborene Fähigkeit, ihre jeweilige Aktualisierung durch Sprache findet sie jedoch immer im Verhältnis des Individuums zu seiner kulturspezifischen Umwelt (vgl. Sapir: 1961, 23). In diesem Sinne kann also die Sprache auch als ‚Struktur‘ Kulturspezifik aufweisen. (Seel 2008, 91 121 ) Der Deutsche findet Buchen und behauptet vielleicht immer noch, die Eiche sei der typische deutsche Baum, weil er es so gelernt hat. – Der Bewohner Sri Lankas spricht von Palmen. – Boas meinte, das Bedürfnis der Kultur entscheide über den Wortschatz. Für Sapir beeinflussen Sprachgewohnheiten die gesellschaftliche Realität. Sprache formt nach seiner Meinung menschliche Erfahrungen, also auch das Denken und die gesellschaftliche Realität, d. h. das Weltbild des Individuums (vgl. Werlen 2002, 183; 195; 199). Wie und warum solche Formungen stattfinden bleibt vorläufig rätselhaft, ebenso, weshalb Menschen und Sprachen verschiedene Mittel entwickeln, das gleiche 53 auszudrücken (das Englische hat z. B. umschreibende Verbformen ausgebildet, das Deutsche gebraucht für die gleichen Funktionen Adverbien. Daß der Gebrauch der beiden Formen verschieden ist, hängt u. a. von der gesamten Satzstruktur, dem Rhythmus, dem Stil, der Rede-Ebene, der emotionalen Disposition des Sprechers usw. ab). – Vielleicht dämpfte die Litanei der Anredemöglichkeiten im ‚vordemokratischen‘ Portugiesischen tatsächlich den Zorn aufgeregter Sprecher. Bis man die Leiter von „Vossa Excelência“, das auch der Busschaffner gegenüber dem Fahrgast zu gebrauchen pflegte, bis zum fast vulgären 54 53 Mit „dem gleichen“ meine ich als ähnlich Angenommenes. 54 In der Beira, einer Provinz in Mittelwestportugal sag(t?)en die Bauern, die Anrede você „é para os porcos“, sei für die Schweine. 61

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