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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

„você“ (das immer

„você“ (das immer noch aus vossa mercê „Euer Gnaden“ verballhornt ist) hinuntergeklettert war, mußte alle Wut verflogen sein. Grundsätzlich läßt sich sagen, daß Sprache, zumal durch den verfügbaren Wortschatz, einmal durch die kulturell überformte Realitätsansicht geformt, diese mesokosmische Realität ihrerseits mitformt Doch scheint diese Formung heute zumindest in Westeuropa kaum mehr nachweisbar. – Man sagt zwar den Portugiesen oft im Gegensatz zu ‚den‘ Spaniern (wer immer damit gemeint sein mag) nostalgische Selbstbemitleidung, die oft besungene „saudade“ (< lat. solitudinem), nach und führt sie mitunter auf eine ‚Auszehrung‘ der Kräfte als Folge der Übersee-Unternehmungen und ­Emigrationen zurück, läßt sich das aber nachweisen? Beide Sprachen, Portugiesisch und Spanisch, haben wie andere romanische Sprachen auch, u. a. eine reflexiv-medial-unpersönliche Struktur (Im Prolog zu den „Pagliacci“ [1892] von Ruggero Leoncavallo steckt der Clown Tonio den Kopf aus dem Vorhang und fragt das Publikum, „Si può?“ [Ist’s gestattet?]). Die reflexiv-impersonale Ausdrucksweise des Portugiesischen wird bisweilen zu einem Translationsproblem. Ammann (1993) hat dies an Hand der Übersetzung eines portugiesischen Romans ins Deutsche aufgezeigt. Eine deutliche Rückkoppelung zwischen menschlichem Verhalten und der Struktur ihrer Sprache zeigt folgendes Beispiel. Dabei hat die Orographie zuerst die Lebenswelt der betreffenden Menschen geprägt und allmählich auch ihre Sprache mitgeformt, zuerst die parole, schließlich auch ihre langue, um in den Kategorien Saussures zu sprechen. Mein Kollege Georg Buddruss berichtete mir, im afghanischen Prasun (vgl. Morgenstierne 1949), das schon vor Jahren nur noch in einem einzigen abgeschlossenen Tal gesprochen wurde, gebe es an die zwei Dutzend ortsanzeigende („deiktische“) Präfixe, mit denen die Richtung (talauf, talab, quer zum Tal usw.) einer Handlung obligatorisch verbalisiert wurde. Überdurchschnittlich viele junge Burschen, die das Tal verlassen mußten, wenn sie zum Militärdienst eingezogen wurden, erlebten einen psychischen Zusammenbruch, weil sie sich außerhalb des Tals sprachlich verloren fühlten und nicht mehr ausdrücken konnten. Die heutige Lage kenne ich nicht; der Gebrauch der Präfixe war schon vor Jahren u. a. durch den Einfluß Fremder, z. B. das Tal aufsuchender Händler, die des Prasun nicht oder nur sehr gebrochen mächtig waren, im Schwinden. Im übrigen stellt man natürlich Entwicklungen von Sprachstrukturen fest, kann ihre Gründe jedoch selten eindeutig angeben. – Sprachmischung entsteht z. B., wie in etwa am Prasun angedeutet, wenn Sprecher unterschiedlicher Sprachen miteinander zu kommunizieren suchen. Es entstehen 62

z. B. strukturell reduzierte „Pidgins“ als sog. Verkehrssprachen (vgl. Fabian 1973; Bußmann 2002). Werden Pidgins zu Mutter- oder Erstsprachen, nennt man sie Kreolsprachen. Letztere entwickeln mitunter im Vergleich zu ihren Pidgin-Vorfahren erstaunlich komplexe Strukturen (vgl. z. B. das Kabuverdianu aus Portugiesisch und einer [?] afrikanischen Sprache mit seinen 18 Aspektformen aus 7 Temporal- und weiteren umschreibenden Formen des Portugiesischen (z. B. êl tâ kantâ „ele canta“, êl tâ tâ kantâ „ele está a cantar“, êl tá kantâ „ele cantava“, êl sâ tâ kantâ „ele estava a cantar“ êl kantâ „ele cantou“ usw.; vgl. Veiga 1982). Hier wurde aus einer vorrangig temporalen eine aspektivische Struktur. – Nach der obigen Beschreibung ist auch das Englische aus Anglo-Sächsisch und Normanno- Französisch eine Kreolsprache). Wahrnehmungen sind komplexe Prozesse. Prozesse werden interpretiert und (diese Interpretationen) in eine Sprache übersetzt (also zu Interpretation von Interpretationen). Zur Zeit werden am Seminar für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg unter der Leitung von Christiane von Stutterheim Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung und sprachspezifischer Beschreibung von Wahrnehmungen untersucht (vgl. von Stutterheim + Carroll + Klein 2003; Schmiedtová 2008; Salomon 2008; vgl. auch Carroll et al. 2004 usw.). Vielleicht führen die dortigen Untersuchungen des spezifischen Verhaltens bei Beschreibungen von Sachverhalten auf textueller Ebene zu neuen Einsichten. Es werden Sprecher verschiedener Sprachen daraufhin untersucht, wie sie z. B. ein Bild beschreiben, worauf sich ihr Fokus dabei konzentriert usw. – So sollen muttersprachliche Sprecher des Deutschen bei der Betrachtung eines Bildes, auf dem zwei Personen auf einem Weg zu einem Haus gehen, eben dies als „zwei Personen gehen zu einem Haus“ ausdrücken, während Sprecher des Englischen häufiger berichten „Two persons are walking along a road“. Schmiedtová (2008, 44-46) hebt hervor, daß die Unterschiede unabhängig von der jeweiligen Kultur der Informanden auftreten. (In das Projekt wurden „13 Sprachen aus vier Sprachfamilien“ einbezogen.) Das vorläufige Ergebnis lautet: Aufgrund dieser auf breiter empirischer Basis gewonnenen Ergebnisse lässt sich folgende These aufstellen: Sprachliche Strukturen steuern konzeptuelle Prozesse mit. Die Konzeptualisierungsschemata, die in der Enkodierung von temporalen Ereignissen verschiedene Präferenzen für die Informationsverarbeitung setzen, weisen einen sprachspezifischen Charakter auf. Die These unserer Projektgruppe stellt damit die bisher in der Kognitionsforschung vorherrschende Position von der Universalität kognitiver Prozesse in Frage. (ib. 46). 63

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