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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Die behauptete

Die behauptete Unabhängigkeit von einer Kultur überrascht zunächst, wenn bei Carroll et al. (2004, 184) zum Spracherwerb eines Kindes gesagt wird: Applied in the context of developmental psychology it was assumed that the child learns a particular ‘framework for schematising experience’ in acquiring the grammar of a particular language which holds when thinking for speaking, i.e. when speakers are required to code [?] information in a specific linguistic system, but this need not be the case when reasoning takes place outside linguistic tasks (cf. Slobin 1987, 1991, 1996; Berman and Slobin 1994). Kinder lernen ihr Verhalten, auch ihr sprachliches, von ihrer Umgebung (Eltern usw.). Oben habe ich gesagt, nonverbales und verbales Verhalten unterliege sozio-kulturellen Regulativen. In der vorstehenden Diskussion liegen unterschiedliche Auffassungen von „Kultur“ vor. In den letzten Jahren wurden etliche Untersuchungen zum Wort- und (weniger) zum Phrasenerwerb publiziert (vgl. die Literaturangaben bei Athanasopoulos + Kasai 2008). Der Erstspracherwerb eines Kindes geschieht immer mit der gleichzeitigen Einführung in eine Kultur (im Sinne des genannten Regelinventars). Kultur und Sprache sind in dieser Hinsicht nicht voneinander zu trennen. Ein eigenes Problem gilt u. U. für Bilinguale, die in einer oder zwei verschiedenen Kulturen zugleich enkulturiert werden. Präferenzen für die Wortwahl scheinen z. T. von grammatikalischen Phänomenen, z. B. der Pluralmarkierung, abzuhängen (ib.). Die Autoren kamen z. B. zu dem Schluß, daß Sprecher von Sprachen mit obligatorischer Pluralmarkierung Gegenstände vorwiegend nach formalen (shape) Kriterien, Sprecher von Sprachen ohne obligatorische Pluralmarkierung (im diesem Fall Japanisch und Yukatekisch) aber vorwiegend nach der Objektbeschaffenheit (objects), z. B. Farben (colors), wählten. – Es wäre sehr interessant, wenn die bisher aufgestellten Thesen durch weitere Untersuchungen gefestigt und verbleibende Gegensätze genauer beschrieben werden könnten. Eine Unterscheidung im Verhalten zwischen Sprechern von Subjekt-Objekt- (Aktiv-) und Ergativsprachen wurde meines Wissens bisher nicht untersucht. Wie wichtig ist die kulturelle Prägung der Informanden? Schließlich lernt man nicht nur, wie man spricht und schreibt, sondern auch, wie man sich unter welcher Perspektive verhält. Und ein weiteres Desiderat: Inwieweit wird unterschiedliches verbales Verhalten emotional gelenkt? – Man sollte im Hinblick auf Sprachen nicht von „Kodierung“ sprechen, das aus der mechanischen Datenübertragung stammt (vgl. die Arbeiten von Shannon und Weaver; vgl. Dizdar 2006, 76-80). Oft fehlt es bei Forschungen an der nötigen terminologischen Präzision. – So fehlen z. B. bisher genaue Beschreibungen der Funktionen und dem Ge- 64

auch türkischer finiter Verbalformen (s. oben). – Wie will man dann aber interlinguale Vergleiche anstellen? Wenn Ideologien zur Sprache kommen, spielt die Zeit zweifellos eine Rolle. Ideologien existieren jeweils (mesokosmisch gesehen) eine größere oder kleinere Zeitlang. Um hier Ideologien als ein Beispiel für eine, selten mehr als eine relativ oberflächliche, gegenseitige Beeinflussung des Verhaltens durch Sprachstrukturen anzuführen, erwähne ich ein Beispiel Kades (1980, 52-70; hier: 59-61). Kade vergleicht die Übersetzung eines Terminus in zwei deutschen Übersetzungen des Vierseitigen Abkommens über Westberlin von 1971 zwischen Frankreich, Großbritannien, der UdSSR und der USA (um sie alphabetisch geordnet aufzuführen, während Kade sie [ib. 57] nach seiner politischen und militärischen Gewichtung aufzählt, was für seine Argumentation nicht unerheblich ist). An einer Stelle der dreisprachigen offiziellen Version ist die Rede von связи (russisch) bzw. ties (englisch) bzw. liens (französisch) zwischen Westberlin und der Bundesrepublik Deutschland. In der DDR-Version wird von „Verbindungen“, in der bundesrepublikanischen von „Bindungen“ geschrieben. Kade (ib. 59) betont, daß auf rein sprachlicher Ebene keine Entscheidung getroffen werden könne, da nicht eindeutig sei, was mit den drei Ausdrücken der Ausgangstexte gemeint sei und „nicht alle Kontext- und Wirklichkeitsbezüge in einem zweisprachigen Lexikon verarbeitet und erläutert werden können“. Er behauptet aber weiter, die DDR-Version („Verbindungen“) allein sei korrekt. So „vermag nur derjenige, der mit den objektiven Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung ausgerüstet ist, in diesem Falle die richtige Entscheidung über die Auswahl des Äquivalents zu treffen.“ (ib.) Es müßten „als Voraussetzung für die Äquivalentauswahl der sprachliche Kontext und der Wirklichkeitsbezug (die Hinwendung zum objektiven Sachverhalt) genutzt werden.“ (ib.) Denn [z]u einer völlig eindeutigen Klärung dieses politisch hochgespielten Übersetzungsproblems führt schließlich der Wirklichkeitsbezug. Wer es mit der historischen Wahrheit hält und die Entwicklung Westberlins vom Potsdamer Abkommen ausgehend bis zur Gegenwart [von 1971 bis 1980] verfolgt, der kommt ganz sicher zu dem Schluß, daß die (in anderen Kontexten und bezogen auf andere Sachverhalte u. U. mögliche) Wiedergabe von связи (bzw. ties,. liens) mit Bindungen mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Gerade diese Wirklichkeit, wie sie sich im Ergebnis der Nachkriegsentwicklung herausgebildet hat, wird aber in dem Abkommen völkerrechtlich fixiert, so daß der tatsächlich vorliegende und in den authentischen Texten sprachlich fixierte Sachverhalt im Deutschen nur mit Verbindungen exakt wiedergegeben wird. 65

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