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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Gleichgültig, ob

Gleichgültig, ob Lenkersdorf mit seiner Analyse des Tojolabal recht hat oder nicht, seine „Weltsicht“ der und des Tojolabal zwingt zum Nachdenken. Lenkersdorf selbst zieht Schlüsse. Das Deutsche und überhaupt die idg., sem. und andere Sprachgruppen denken verbal in Machtstrukturen und handeln entsprechend auch nonverbal im Gegensatz zum Tojolabal bzw. zu den Tojolabal. – Dazu noch ein praktisches Beispiel bei Lenkersdorf (2005a, 31): [En Europa] se imparten clases en las escuelas. Por un lado, los sujetosmaestros-educadores dicen su palabra para que, por el otro lado, los alumnos-objetos-educandos la repitan. Este proceso se llama educación. Por informativa que sea, no es comunicativa, no es intersubjetiva. 57 Lenkersdorf spricht vom Frontalunterricht. Er selbst ‚macht Schule‘, indem er die Schüler im Tojolabal-Dorf um sich herumsitzen läßt und sich mit ihnen unterhält. (Beinahe war es vor Zeiten an deutschen Universitäten in den Seminaren ähnlich ....) Ich füge noch eine Anekdote aus Lenkersdorfs (2000, 158f; 2005a, 142) Tätigkeit als ‚Lehrer‘ bei den Tojolabal an, die den von ihm behaupteten Macht- und Sprachstrukturunterschied noch einmal unterstreicht. Vielleicht machen die folgenden Sätze Studierenden Mut, ihr Studierendendasein als Verantwortung im Leben klarer zu sehen. Sie würden sich selbst – und ihren Lehrern – helfen. In seinen zahlreichen Gesprächen mit den Tojolabal sprach Lenkersdorf mehrfach über Schulen und den Unterricht in ihnen. Das Thema Prüfungen interessierte die jungen Leute, Mädchen und Jungen, besonders. Sie verstanden nicht, wie jeder Prüfling von den anderen getrennt sein Bestes geben sollte, um am Ende die beste Note zu bekommen. Wenn die Tojolabal ein Problem haben, kommen sie alle zusammen und bereden es gemeinsam. Sie sagen, 25 Köpfe denken besser als einer, und 50 Augen sehen mehr als zwei. Warum sollten Schüler also zum Einzelkampf antreten? Es wäre doch viel erfolgversprechender für die beste Lösung einer Aufgabe, wenn sie alle zusammen daran arbeiteten. Dazu muß man noch wissen, daß Probleme im Tojolabaldorf von allen Mitgliedern – für Männer obligatorisch, für Frauen freiwillig – diskutiert werden. Jeder Anwesende muß seine Meinung persönlich vortragen; ein bloßes „Ich schließe mich X an“ gilt nicht. 57 „[In Europa] wird in den Schulen Klassenunterricht erteilt. Die Lehrer-Subjekte tragen ihr Wort vor, damit es auf der anderen Seite die Schüler-Objekte wiederholen. Dieser Prozeß wird Erziehung genannt. Er mag noch so informativ sein, kommunikativ ist er nicht und schon gar nicht intersubjektiv.“ (Lenkersdorf 2000, 32f) 70

Das Wesentliche in jeder Prüfung ist nach Meinung der Tojolabal die Lösung, nicht der Weg dahin. Meinem Mathematiklehrer auf dem Gymnasium kam es allerdings auf den Weg an. Vielleicht gilt wieder beides, also Gegenseitigkeit. In der „Welt da draußen“ interessieren auch die Lösungen nicht, sondern der Sieg im Konkurrenzkampf. So lernt jeder von klein auf, daß der andere sein Feind ist. Das wird dann „freie Marktwirtschaft“ genannt. Sieger wird am Ende … der Herzinfarkt oder der globale Zusammenbruch. Wenn Prüfungen einen Sinn machten, hätten sich die Indianer mit einem anderen meiner Lehrer zusammentun sollen. Der meinte, wer anstelle von Prüfungen etwas Vernünftiges ersinne, müsse den Nobelpreis bekommen. – Übrigens gibt es zum Thema Prüfung nicht nur unterschiedliche Ansichten („Perspektiven“), sondern auch unterschiedliche perspektivische Verhaltenskonventionen. Hierzulande wird erwartet. daß die Schüler und Studierenden aktiv am Unterricht teilnehmen, fragen, beitragen und kritisieren. When relations among scientists become relations of hierarchy and dependence, or when scientists instrumentalize other scientists, again the scientific enterprise suffers. (Putnam 1995, 72) Putnams (1995, 72) Sätze können leicht auf Examina und auf das Leben insgesamt übertragen werden. Oben hieß es, Sprecher von Aktivsprachen dächten in Oppositionen von Macht und Unterwerfung; die Struktur ihrer Sprachen zwinge sie geradezu dazu bzw. man denke, wie man es beim Wachsen in seine Kulturgemeinschaft(en) gelernt und damit übernommen habe. Das mag insofern stimmen, als eben alle Welt von Subjekten und Objekten spricht. Eine Bemerkung bei Schwerteck (1948), das ergativische Pronomen ­t der 1. Pers. Sing. im Flexionskomplex baskischer Sätze sei wahrscheinlich aus dem Lokativ eines demonstrativischen Pronomens mit der Bedeutung „~ hier“ entstanden läßt aufmerken. Ich erwähnte bereits, [1] daß auch idg. Personalpronomina aus Ortspronomina entstanden seien, [2] daß der sog. Akkusativ häufig als Richtungskasus diene (vgl. „Romam“ ~ nach Rom), und [3] daß es die Vermutung (Theorie) gebe, Aktivsprachen seien aus Ergativsprachen emergiert. Translation muß die möglichen Intensitäten und Einflüsse der in Frage stehenden Kulturen und kulturell überformten Individuen daraufhin hinterfragen, wie und inwieweit sie im aktuellen Fall auf die Form und Funktion von Phänomenen Einfluß nehmen (können) bzw. genommen haben. – 71

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