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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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menschlichen Existenz

menschlichen Existenz wird durch Dauer (Statik) charakterisiert. Dauer und Prozeß erweisen sich als relative, perspektivische Phänomene. Auch das menschliche Nervensystem baut auf dem Quantenniveau auf und erreicht so z. B. die Sprachfähigkeit, wie Briggs + Piet / Carius (ib. 289) vermuten. Im Anfang war die Potentialität: die νέργεια, vis, als Kraft, Macht und Prozeß. Offenbar ist die Mikrophysik auf eine mythische Metaphorik angewiesen, um beschreiben zu können, worum es ihr geht. Vor kurzem versuchte ich „Sensitivität“ auszudeuten (vgl. Vermeer 2007a). Die Mikrophysik benutzt einen interessanten Terminus für das ‚Verhalten‘ von Mikroelementen: Sie spricht von der „Sensitivität“ (Dürr 2003) der Elemente, die es ihnen sozusagen erlaubt, mit anderen Elementen des Universums ‚auszukommen‘. Whitehead ([1927-1928] 1978) sprach von „feeling“. Schon dieses ‚Auskommen‘ als eine Art des Sich-Arrangierens und Sich-Anpassens bzw. Angepaßt-Werdens an eine Umwelt und andere Elemente darin setzt „Sensitivität“, „feeling“, voraus. Ich möchte die anthropomorphisierende Metapher und Metaphorizität weiterführen. Analysiert man ihre mögliche Reichweite, so findet man, daß sie als überraschend komplexes Phänomen erscheinen muß, obgleich sie doch die Funktion eines einfachen Elements sein soll, daß keine Eigenschaften („Akzidentia“) haben kann [sondern statt dessen Existenz-Inductiva hat], denn dann wäre es nicht mehr elementar. Für einfache Elemente können keine Qualitäten postuliert werden. Eine Qualität ist als Akzidenz normalerweise keine Bezeichnung, die im Falle einfacher Elemente angewandt werden kann. Elementare Elemente, einfache Prozesse und Whiteheads „events“ [„Ereignisse“] oder die „nodes“ Smolins (1997), die sich mit anderen Elementen verbinden können und es auch tun, um Komplexitäten bis hinauf zum Menschen und ihrem Bewußtsein zu bilden, können und müssen aber „Qualia“, inhärente Potentialitäten, aufweisen. Es muß etwas geben, das solchen Elementen erlaubt, sich mit anderen zusammenzutun – um wiederum anthropomorph zu sprechen: etwas, das anzieht (vgl. die Attraktion) oder abstößt (vgl. die Repulsion, sozusagen eine negative Attraktion) oder „neutral“ bleibt, etwas, das den unzählbar vielen Prozessen der „Komplexifikation“ gestattet, zu dem, was wir aus unserer Perspektive „Evolution“ nennen, zu führen. Wenn wir heute von Sensitivität sprechen, so schließt dies, wie vage auch immer, ein Gefühl für Vektorenergie und eine Fähigkeit zur Differenzierung und Evaluierung ein. Evaluierung würde selbst wieder die Fähigkeit oder Macht zu urteilen und zu entscheiden einschließen, und zwar zu Entscheidungen, die auf etwas wie ein vorästhetisches und vorethisches Gefühl von „besser“ oder „schlechter“ bzw. auf einem Zusammentreffen oder einer Vereinigung zweier (oder mehr) Prozesse und/oder Ereignisse beruhen. Wir kennen die Bedingungen der ‚Evaluierungen‘ nicht. Einfache Elemente sind zumeist momentan. Entsteht eine Struktur (ein „System“), so entsteht auch Dauer und damit eine Art ‚Gedächtnis‘ – eine Sensitivität für „Ort“ und „Zeit“. Gedächtnis heißt seinerseits Vergleich, Verallgemeinerung und Variation (vgl. die Iteration). Einige Mikrophysiker sprechen vom „Leben“, das das 74

gesamte Universum durchzieht. 62 Was auch immer im Universum vor sich geht oder „geschieht“, beruht auf physikalischen Prozessen und Ereignissen. Unsere Erde ist nur ein mimimales Ereignis in diesem Universum (oder einem „dieser“ Universen), und auf der Weltuhr existiert die Menschheit gerade mal Sekunden, eine Zeitspanne, die mit einer großen Zahl oft weit älterer Spezies geteilt werden muß. Was die Menschen allerdings von anderen Organismen unterscheidet, ist die seltene Fähigkeit zu echtem Bewußtsein – aber wir wissen immer noch nicht, wie wir es zu unserem Nutz und Frommen gebrauchen könnten. Doch vielleicht besagt Sensitivität ‚nur‘ eine alles durchwaltende Anziehungskraft (vgl. die Gravitation). „Sensitivität“ wurde und wird zur zweiten Bedingung der Möglichkeit (des Prozesses Universum), nachdem der „Urknall“ die erste Bedingung stellte. 63 Sensitivität ist der τέλος, die „Grenze“ als energetischer Prozeß. Zum Urknall und zur Sensitivität gibt es keinen Gegensatz (keine „Differenz“). Differenzen entstanden erst im Nachher. Weil tout se tient, umfaßt Sensitivität auch Möglichkeiten bisher nicht erklär- und deutbarer (vgl. ‚okkulter‘) Phänomene. Sobald die der Sensitivität inhärenten, soeben aufgezählten Bedingungen und die aus Sensitivität emergierende Finalität zu einer Entscheidung führen, entsteht in der menschlichen Interpretation des Prozeßganzen ein Eindruck von Kausalität. Die indefinite Komplexität, die letzten Endes auf „Sensitivität“ zurückzugehen scheint, bedingt schließlich holistisch auch das Leben bis hinauf zum Bewußtsein des Menschen. Das tout se tient führt zur Rückkoppelung, d. h. zur rekursiven Spiegelung (feedback) und damit zur ‚Einheit‘ von Gegenwart und Vergangenheit (vgl. das Gedächtnis und die Erinnerung; vgl. den erwähnten Vektorcharakter, die ‚Teleologie‘ der Sensitivität; vgl. zu diesem Komplex auch Hofstadter /Held 2008, bes. 367-387). So wird auch verständlich, daß die Meso-Ebene menschlichen Lebens aus der Mikro-Ebene elementarer Prozesse entsteht. Allerdings gibt es bisher keine eindeutige Definition für „Leben“. Zumal im Altertum scheint Leben oft soviel wie Beweglichkeit, also „Prozeß“ zu besagen. Das Lebendige bewegt sich, oder: was sich bewegt, „lebt“. Tatsächlich weiß man noch sehr wenig Gewisses über ‚die Welt‘ (vgl. Rauner 2008). Wenn alles mit allem zusammenhängt, hängt das Universum, in dem wir leben, nach dem „big bang“ mit etwas „vor“ dem Urknall zusammen (vgl. das Modell der Pulsion; beide müssen keinen Gegensatz 62 Die Belebung des Alls, z. B. durch göttliches πνεµα [Pneuma), wird im Altertum öfter behauptet. Das πνεµα führt manche Autoren zu einem radikalen Determinismus. 63 Neuerdings wird mathematisch versucht, das Urknallereignis durch eine Modell der Pulsierung (Zusammenziehung und Expansion) zu ersetzen. 75

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