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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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ilden). Sensitivität

ilden). Sensitivität stände nicht am Anfang dieses Universums. Oder ent die Suche nach „Sinn“ erst mit dem Menschen, der Sinn braucht und in seine Perzeptionen hineinlegt, um erkennen zu können? Im Prozeß einer Struktur-, Klassen- und System- bzw. Systemteilbildung werden anscheinend die Bedingungen für Sensitivität, die ‚Grammatik‘ der Sensitivität selbst, an ihre jeweilige Funktion adaptiert (vgl. Sourjik 2007). Sensitivität kommt der (Ur-)Energie als Vermögen, also Potentialität und Macht, zu. Sensitivität erinnert an Sensibilität oder noch deutlicher an das englische sensibility, in dem die Nähe zum sense deutlicher zu spüren ist. Mit sense (als Verb ~ „fühlen“, als Substantiv ~ „Sinn“) ist die Funktion gemeint, der Skopos, der einer Intention oder Interpretation als X-für-Y zugrunde liegt. Intention und Interpretation werden von indefinit vielen Bedingungen einer gegebenen holistischen Situation gesteuert. Willensfreiheit braucht nicht postuliert zu werden. Funktion ist das Resultat der wirkenden Macht der Energie-Sensitivität. Andererseits entsteht die Intention einer Funktion durch Rückkoppelung ebenso aus indefinit vielen Bedingungen usw. – Aus sensitiven Prozessen entsteht eine Richtung auf Werdendes, Zielgerichtetheit und unter ‚passenden‘ Bedingungen Neues. (Ich bewerte nicht.) Vielleicht sind diese Gedanken nicht zu weit von einer Hypothese entfernt, die sagen (nicht erklären) will, wie es um die Welt (der Menschen) steht. Rückkoppelung ist überall im Spiel. Die geheimnisvolle mikrophysikalische Sensitivität liegt der evolutionären Entwicklung und damit auch der Fähigkeiten des menschlichen neurophysischen Apparats (verkürzt: des Gehirns) zugrunde. Rückkoppelung macht die Einheit der Welt aus. „Passungen“ (Vermeer 2006a) ermöglichen die ‚Parallelschaltung‘ der Mikro- und Meso- mitsamt der Makro- aus eben der Meso-Ebene. Evolution ist ein Prozeß, auch in Bezug auf individuelle Phänomene. Der Mensch wird (z. B. entwickelt er sich vom Embryo zum Erwachsenen), mitbeeinflußt von seinen Umwelten (die ebenfalls Prozesse sind). – Auf seine geistreiche Art scheint mir Hofstadter/Held (2008, bes. 258f) Ähnliches zu beschreiben. Er sieht darin bis hinauf in die Fähigkeit zu den abstraktesten mathematischen und philosophischen Tüfteleien eine Evolution, der der Mensch nicht entkommen kann (ib. 259: „[…] dass wir alle auf diese Ebene ausgerichtet sind, ohne dass uns je eine andere Wahl geblieben wäre“). – Mancher mag statt „Evolution“ vielleicht das neutralere Foucaultsche „Histoire“ einsetzen. Es mag wahnwitzig klingen, mein Mythos schlägt Purzelbaum, wenn ich „Sensitivität“ oder überhaupt heutige Annahmen über mikrophysikalische Energie(n), z. B. die Gravitation (oder die „dunkle Energie“?), auch noch 76

mit dem mittelalterlichen „intellectus per essentiam“ (vgl. Dietrich von Freiberg, um 1240/1250 – um 1320) in Verbindung bringe. 64 Ich weiß um die himmelweite Andersartigkeit einer Klasse gegenüber einem Individuum und die Folgen/Folgerungen daraus. Im Mittelalter glaubten einige Theo- Philosophen, es gebe einen Intellekt, der sich in Gott vollständig zeige und in den Menschen individuieren könne. Eine solche Philosophie arbeitete der in Ägypten geborene Plotin (Πλωτνος; um 205 – 270) aus. Das Allgemeine wurde schon in der antiken Philosophie ‚höher‘ gewertet als das Individuelle und existierte vor diesem. Zuerst gilt das Allgemeine, der Begriff (vgl. Platons δέα); daraus wird ein Einzelphänomen abstrahiert. Aristoteles wollte, wie schon erwähnt, diese Art zu denken ohne Erfolg umkehren. Es ist ungewiß, ob es dem Menschen vorbehalten ist, das „Allgemeine“ als Begriff zu denken. Auch Tiere erkennen Formen als ähnlich oder ‚zum gleichen Zweck‘. Analog zu dieser Art zu denken, stellt Robertson (1998, 193, zit. n. Seel 2008, 116) Globalisierung vor Lokalisierung, wobei letztere „von oben oder außen“ hereinkomme. Das Allgemeine steht dem Individuellen gegenüber; es steht (als Hindernis, räumlich und zeitlich) vor ihm. Es kann selbst wieder individualisiert werden, ohne jedoch ein bestimmtes Individuum zu meinen (vgl. „der“ Mensch / vs. „ein Mensch“, z. B. in der Frage „Wer ist ein Mensch?“) Auch im Verstehensprozeß scheint das Allgemeine vor dem Individuellen des in Frage stehenden Falles gedacht zu werden. Und das gilt ebenfalls für den Translationsprozeß. Eine Übersetzung/Verdolmetschung scheint folgenden (Irr-)Weg (vgl. Dizdar 2006) zu nehmen: Man liest oder hört von einem „Pferd“, denkt , dieses zu um und wendet die Klassenbenennung wieder auf den individuellen Fall als „this horse“ an. Die traditionelle Linguistik leistet dem Vorschub, weil wir es so gelernt haben (vgl. Seel 2008, bes. 118f). Im obigen Zitat fährt Hofstadter/Held (2008, 259) fort: „Wir sehen die Aktivität unseres Gehirns automatisch als vollständig symbolisch an!“ Zu solcher Fähigkeit scheint Sprache nötig zu sein. Tiere, so können wir vielleicht annehmen (?), denken kein Allgemeines, und doch können sie für ihre Belange Klassen erkennen, indem sie vergleichen, also verallgemeinern. – Ein Hund braucht keine Vorstellung von (ich meine nicht 64 Wenn ich im folgenden mittelalterliche Philosophie erwähne, meine ich keine genaue Entsprechung, sondern wieder Metaphern. Es wäre aber nicht gänzlich abwegig, ältere Gedanken in heutiger Weise auszudeuten. – Der menschliche intellectus per essentiam kommt gleich nach der göttlichen Weisheit und (be)wirkt (konstituiert) mit ihr zusammen die Welt (vgl. Flasch 2007, 535-537). Antike Autoren sprechen von λγος (vgl. auch Joh. 1). 77

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