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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Größe reduziert oder

Größe reduziert oder auf das Doppelte vergrößert, wobei alle Proportionen eingehalten werden. Man bemerkt die Reduktion bzw. Vergrößerung nicht (man ist ja selbst mitgeschrumpft bzw. gewachsen). Quintessenz: Wir leben im Universum; wir können nicht sagen, wie groß es ist und wie groß ein Moment in ihm ‚ist‘. (Leibniz, nach Rombach 1994, 48f, ohne Quellenangabe; vgl. Vermeer 2006a, 76) Nur die Dinge innerhalb der Welt haben (in Relation zueinander) eine Größe; was diese aber insgesamt oder auch jede davon absolut genommen ausmachen mag, ist uns nicht nur völlig unbekannt, sondern ist auch in gar keiner Weise feststellbar. (Rombach 1994, 49) Wir können unserem Universum keinen außeruniversalen, „absoluten“ Maßstab anlegen. Vielleicht sind wir „in Gottes Hand“ doch nur indefinit kleine Zwerge, die sich zu Millionen auf einem Stecknadelkopf nanosekundenlang die Zeit (und sich selbst) mit Krieg vertreiben. Übrigens müßte sich in Leibniz’ Tempelgleichnis auch die Zeit ausdehnen bzw. zusammenziehen. Es gibt nur eine zusammenhängende Raum-Zeit. – Dauert das Leben der Eintagsfliege aus ihrem eigenen Blickwinkel nur wenige Stunden oder 80 Jahre wie beim Menschen? Voltaire Micromégas (Vorwort v. Borges, 2008, 11) erzählt, „[d]ie Bewohner des Saturns leben fünfzehntausend Jahre lang und beklagen sich über eine so kurze Zeitspanne, die ihnen wie ein Augenblick erscheint.“ In a composition of some days, in a perusal of some hours, six hundred years have rolled away, and the duration of a life or reign is contracted to a fleeting moment[.] (Gibbon 1957, 5.140, über seine Darstellung des Niedergangs Roms) Ich sprach von einem außeruniversellen Maßstab. Einsteins Relativitätstheorie behauptet für einige Phänomene, z. B. die Lichtgeschwindigkeit, gleiche Gültigkeit in allen Bezugssystemen im Universum. Nach Flasch (2007, 476ff) hat bereits Dietrich von Freiberg über eine qualitative Bestimmung der Dauer an Stelle einer quantitativen Messung nachgedacht. Das Maß ihrer Dauer [der Dauernden] bestimmt sich nicht nach ihrer Beziehung zu anderen Dingen, sondern von ihnen selbst aus. […] [Dietrich] will Dauer nicht nur quasi-extensiv zwischen ihrem Ausgangs- und Endpunkt, sondern aus der Wesens- und Seinsart des Dauernden quasi-intensiv begreifen. Die Zeitlichkeit von Naturprozessen ist nicht primär als Geschehen zwischen zwei Außenpunkten zu sehen, das sich sozusagen zwischen ihnen ausdehne, sondern aus der Wesensart des jeweiligen Seienden in ihrer qualitativen Eigenheit zu erfassen ([De mensuris durationis entium] 2 (3) – (5) III 217). (Flasch 2007, 476) 82

Ich erwähne diese Stelle, um darauf aufmerksam zu machen, daß wir gerade in der heutigen Zeit die rationale „Zeit“-Messung wieder in den Vordergrund stellen und das individuelle Empfinden der Dauer allenfalls als „Die Zeit läuft mir davon“ beklagen. Zwei Folgerungen ergeben sich aus den vorstehenden Überlegungen: [1] Es gibt keine Absolutheit. Der Mensch wird in seiner Suche nach einem Anfang nie einen absoluten „Ursprung“ erreichen. Am Anfang wurden Raum und Zeit. Es kommt darauf an, was als ‚Anfang‘ gesetzt wird. Geltung der Perspektivität. Keine Möglichkeit sagt etwas über einen absoluten ‚Urheber‘ und sein So-Sein aus. [2] Komplexität und Einfachheit bilden eine Einheit. Man kann an einem relativen ‚Ende‘ beginnen: Am ‚Anfang‘ war die Einheit, daraus wurde Komplexität, oder: am ‚Anfang‘ war das Chaos, daraus wurde Ordnung (Regelhaftigkeit als Reduktion und Amplifikation, also Modifizierung; vgl. Vermeer + Witte 1990). Es wäre zweifellos ein Fortschritt, könnte die fraktale Mathematik nicht nur in den messenden Wissenschaftsbereichen (auch neuronale Aktivitäten werden gemessen), sondern auch in den sog. Geisteswissenschaften und dort z. B. auf Textproduktionen und -interpretationen – kurz: Kommunikation oder allgemeiner: Interaktion, bei denen Emotionen und Ratio zusammengehen, angewandt werden. Jedenfalls scheinen „iterative Systeme mit fraktalen Rhythmen für den Körper normal“ zu sein (vgl. Briggs + Peat / Carius 2006, 158) Fraktale Geometrie ist eine Mathematik des Wandels, also der Prozesse (vgl. ib. 155). Fraktale werden ‚organischer‘, wenn bei jedem Schritt eine Auswahl zwischen verschiedenen Iterationsformen zur Verfügung steht oder wenn ein bestimmtes Iterationsverfahren immer nur einige Schritte weit benutzt wird und sich dann plötzlich ändert. (ib. 156; vgl. „zufällige Fraktale“, ib. 159f) Es gibt Erscheinungen, wie z. B. die Intermittenz oder die Solitonwellen („Translationswellen“, z. B. der Tsunami), die fragen lassen, ob nichtlineare Koppelungen ein „Gedächtnis“ haben. Wenn sich z. B. zwei Solitonwellen kreuzen, scheinen sie sich für kurze Zeit zu vereinigen, man kann sie dann nicht unterscheiden, doch sogleich danach gehen sie „wieder völlig unversehrt auseinander hervor“ und ihre eigenen Wege (ib. 177). Im Amazonas wandern solche Wellen bis zu 1000 km flußaufwärts. (Vgl. ib. 178-183.) Wellen entstehen selbst in festen Körpern als Energiewellen. Auch hier fragt der Wissenschaftler, ob eine Art „Gedächtnis“ oder ein „Erinnerungsvermögen“ dafür sorgt, daß die Energie nach einiger Zeit wieder an ihren Ausgang zurückkehrt und sich nicht gleichmäßig verteilt (ib. 186). So wäre z. B. „die Meeresoberfläche ‚stark moduliert‘, so daß sie 83

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