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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

(einer

(einer „Perspektive“) in einer aktuellen 7 Situation und den zur Äußerung verwendeten Mitteln, z. B. einer Sprache, und indefinit 8 vielen weiteren Bedingungen ab. Erkenntnis, Erinnerung und Wissen sind Interpretationen ihres jeweiligen Gegenstands. Die genannten Phänomene 9 werden funktional eingesetzt. Jedes Phänomen ‚dauert‘ (mikrophysikalisch gesehen) aktuell nur einen (Quasi­)Moment und wandelt sich von einem (Quasi-) Moment zum anderen. (Mit „Phänomen“ meine ich irgendetwas Wahrgenommenes bzw. Wahrnehmbares, auch Gedanken, Vorstellungen usw.; s. unten.) Wenn jemand etwas sagen will, kommt er sehr bald nicht darum herum, das Verb „sein“ (oder sein Pendant in einer anderen Sprache), z. B. in der Form „ist“, zu gebrauchen. Damit behauptet der Sprecher, daß etwas auf eine kürzere oder längere Zeit existiert oder als existent angenommen wird. Behauptungen sollen in meinen Ausführungen relativ auf einen Bezug hin, also bedingt, gelten. Eine Behauptung drückt eine vom Behaupter für sich und oft auch für andere als geltend angenommene) Behauptung und evtl. sogar eine Überzeugung aus. Auf das Problem des „Seins“ als philosophischem Problem komme ich später ausführlicher zurück. Im Augenblick will ich nur darauf hinweisen, daß das Verb „sein“ nicht nur für Philosophen, sondern grundsätzlich für jede Wahrnehmung („Apprehension“) und Erkennung durch jeden ‚Beobachter‘ ein Problem darstellt. Die hier vertretene Ansicht vom Sein und Verstehen jeden Verhaltens (s. unten) führt zu einem grundsätzlichen Relativismus (s. unten). Er zwingt den Sprecher/Schreiber (im folgenden meistens „Produzent“ genannt) und 7 „Aktuell“ soll „in einem (gedachten) Raum-Zeit-Punkt einer Situation existierend“ bedeuten. Ich schreibe „aktuell“, um die damit mitgemeinten Bedingungen ([Quasi­] Momentanität, Situationsspezifik, Perspektivität usw.) nicht jedesmal ausbuchstabieren zu müssen. 8 Ich ziehe den Ausdruck „indefinit“ dem kürzeren „infinit“ vor. Indefinit bedeutet eine beliebige Menge zwischen 2 und ∞. “Whatsoever we imagine, is Finite. Therefore there is no Idea, or conception of any thing we call Infinite. […] When we say any thing is infinite, we signifie onely, that we are not able to conceive the ends, and bounds of the thing named; having no Conception of the thing, but of our own inability.” (Hobbes [1651] 1999, 23) Ein Infinites müßte alles Finite und anderes Infinite verdrängen; es könnte absolut nichts ‚neben‘ sich dulden. Gäbe es ein Infinites, könnte es nur dieses eine und sonst nichts geben. Würde jemand meinen, das Infinite sei nicht materiell, nähme also keinen Raum ein, so wäre es eben durch seine Immaterialität begrenzt, also finit. 9 „Phänomen“ sei alles Erkenn- und Denkbare. – Ich beschäftige mich in dieser Vorlesung mit dem Menschen. Inwieweit Tiere und andere Organismen dem Menschen ähnliche oder analoge (oder überlegene) Fähigkeiten besitzen, bleibt offen. 8

ebenso den Empfänger, hier also den Hörer/Leser (im folgenden „Rezipient“ genannt), 10 jede Behauptung und Erkenntnis als eine Annahme zu verstehen. – Beispiel: Statt zu sagen, man verstehe, was jemand sagte / gesagt hat, müßte es heißen: man nehme an, man verstehe, was man als rezipiert zu haben annehme. Ich schreibe solch eine umständliche Formulierung nicht jedesmal hin, bitte aber, sie immer mitzudenken. Außerdem bitte ich, sich der kurz gestreiften Komplexität und Bedingtheit sowie der Prozeßhaftigkeit und Perspektivität allen aktiven und passiven Verhaltens bewußt zu bleiben. Und noch eins: Kein Verhalten ohne Gefühl, Emotion. Emotion geht vor Vernunft („Ratio“). 11 Im ersten Teil der Vorlesung untersuche ich zwei möglicherweise gegensächliche Sprachstrukturen daraufhin, ob anzunehmen ist, daß sie das Verhalten ihrer (muttersprachlichen) Sprecher beeinflussen, bzw. ob sich die jeweiligen Strukturen auf Grund des unterschiedlichen Verhaltens ihrer Sprecher ausgebildet haben könnten. 12 Im Anschluß daran skizziere ich 10 „Produzent“ steht als Kurzform für einen Handelnden, also u. a. für Autor, Sender, Redaktor, Korrektor, Lektor, Translator usw. „Rezipient“ ist der, der etwas empfängt, wahrnimmt, perzipiert usw. 11 „Emotion“ nehme ich als Oberbegriff für Emotionen aller Art, Gefühle, Empfindungen, Leidenschaften, Bewertungen usw. 12 Ich mache es mir nach meiner Gewohnheit leicht und verwende das Masculinum [ein/der Sprecher] als genus generale, wie es im Deutschen bis vor einiger Zeit üblich war, wiederhole also nicht unablässig „Sprecher und Sprecherin“ oder „Sprecher/in“ oder „SprecherIn“. (Zu „Mensch“, ursprünglich einem Adjektiv, wüßte ich kein brauchbares Femininum; vgl. die Schwierigkeit, die sich Sprecher des Englischen mit „man“ eingehandelt haben. In Süddeutschland hört man manchmal die religiöse Demutsform „das Mensch“.) Im übrigen finde ich die Doppelformen häßlich und unhöflich. In meiner mir anerzogenen Kultur haben die Damen den Vortritt vor den Männern. Also müßte ich von Sprecherinnen und Sprechern reden, was wiederum dem rhythmischen „Gesetz der wachsenden Glieder“ (Behaghel 1930) widerspräche. Ich habe nur eine Lösung gefunden: Ich müßte „Sprecherin/0“ sagen und schreiben, die männliche Form also mit (und damit als?) Null bezeichnen. – Behaghels (1930) „Gesetz der wachsenden Glieder“ besagt, bei einer Aufzählung oder Reihung stehe der längste Ausdruck zuletzt. So heißt es z. B. im mittelhochdeutschen Nibelungenlied von den drei Burgunderprinzen: „Gunther unde Gernôt […] und Gîselher der junge“ (1.4). An anderen Stellen heißt es auch „Gîselher daz kint“ (5.267). Daß Giselher der jüngste der Brüder war, wird mehrfach wiederholt, eben aus dem genannten Grund: Der Zusatz längt nach dem dreisilbigen Namen noch einmal den letzten Ausdruck der Reihe. – Derartige rhythmische Regeln beeinflussen sprachliche Darstellungen. – In Vermeer (2006a, 427) habe ich einen Text aus dem südindischen Tamil erwähnt (Clayton 1948, 8-10; hier: 8; vgl. Vermeer [1974] 1983, 28). Dort heißt es ungefähr in folgender Reihenfolge: Eines Tages rief Bālans Vater seinen Sohn: „Geh zum Postamt und kauf mir eine Briefmarke!“ und gab ihm Geld. Im Deutschen sollte und 9

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