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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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Ich füge den Entschluß

Ich füge den Entschluß hinzu, weil er als solcher trotz möglicher langer Vorüberlegung ein (quasi)momentaner Prozeß ist. – Hofstadter/Held (2008, 433) interpretiert „wollen“ als Ausdruck eines Bedürfnisses. Bedürfnisse entstehen durch einen physischen Mangel (der sich z. B. als Müdigkeit bemerkbar macht oder beim Gewahrwerden einer Tafel Schokolade plötzlich als Lust, sie zu essen). Hier ist kein „freier Wille“ im Spiel. Auch das Sträuben gegen ein Bedürfnis (z. B. wach bleiben wollen) beruht nicht notwendigerweise auf einem freien Willensentschluß, sondern eben auf der Art physischer Müdigkeit oder fallspezifisch vielleicht auch auf einem anerzogenen (!) ethischen Grund (eine Arbeit zu Ende bringen müssen; in Gesellschaft kein Nickerchen machen dürfen) usw. – Wir kommen aber beim Ausdruck solcher Gründe nur schwer um ‚Willensausdrücke‘ (wollen, müssen) herum oder anders gesagt: wir sind daran gewöhnt, solche Verben zu gebrauchen. (Vgl. auch das folgende Zitat.) Es handelt sich im Wesentlichen um eine Wahl nach dem Grundsatz „ein Bedürfnis, n Stimmen“, wobei n ein bestimmtes Gewicht darstellt, das zu dem gegebenen Bedürfnis gehört. […] Kurz, unsere Entscheidungen werden aufgrund eines Prozesses getroffen, der sich analog verhält zu den Wahlprozessen in einer Demokratie. Unsere diversen Bedürfnisse bringen sich ein, und es werden die zalreichen externen Faktoren mit berücksichtigt, die als Einschränkungen fungieren[.] (Hofstadter/Held 2008, 435f) Dieses Abwägen braucht aber keineswegs bewußt zu geschehen. – Die oben besprochene Ergativinterpretation als Geschehen(lassen) würde nicht auf Willensfreiheit deuten („Ich muß X geschehen lassen“). Weiterhin verengt das rationale und hierin besonders das ‚logische‘ Nachdenken, auch und gerade das wissenschaftliche, was unter „Willensfreiheit“ verstanden werden kann bzw. sollte. Es wird sich herausstellen, daß Willensfreiheit in einem bestimmten Grad ‚Sinn macht‘, wenn sie holistisch, den ganzen Körper einbeziehend, verstanden wird (vgl. die „Kontrollschleife“). Verhalten ist immer holistisch. Entscheidenkönnen wird ein Entscheidenmüssen (Sich nicht entscheiden [wollen] ist auch eine Entscheidung). Das gilt auf der Meso- wie auf der Mikro-Ebene (vgl. die „Sensitivität“; vgl. den Sinnesreiz). Die Empfindung, man könne entscheiden, gehört zur „Kontrollschleife“. Die bildet nur den ‚Gipfel‘ eines holistischen Vorgangs. Außerdem ist zu unterscheiden, ob ein Individuum glaubt, daß es sich selbst primär herausstellt („im Wesentlichen bestimme ich mein Leben“), oder ob eine gesellschaftliche Kultur, die mehr als ein freibleibendes Angebot darstellt, zur führenden Leitlinie wird, weil der Mensch (oder das gut 92

erzogene Schoßhündchen) zur Anpassung erzogen worden ist (vgl. die zum Gehorchen erziehende Diktatur). Jahrtausendelang schwelte im religiösen Bereich der Streit zwischen Gottes Allmacht mit seinem jederzeit möglichen und tatsächlichen Eingreifen in menschliches Verhalten, dessen Entscheidbarkeit dadurch außer Kraft gesetzt wurde. Diese Lehre kulminierte im Laufe der Historie mehrfach in einer Lehre von der Prädestination (vgl. für den christlichen Bereich u. a. Augustinus [354-430 n. Chr.] und Calvin [1509-1564 n. Chr.]; vgl. in der islamischen Philosophie den „Necessitarismus“). Die Folgen der absoluten Unterworfenheit unter Gottes Willen führen heute zur säkularisierten aggressiven Allmacht der sog. freien Wirtschaft des globalen Kapitalismus (vgl. Max Weber 1904; vgl. dazu Vermeer 2007b, 143-151). Wegen der Ungenauigkeit der bisherigen Definitionen und der indefinit vielen potentiell mitbestimmenden inneren und äußeren Faktoren ist bis dato keine eindeutige Aussage über die Existenz und evtl. Extension eines freien Willens möglich. Wenn von Entscheidungen die Rede ist, wird Willensfreiheit von vielen Wissenschaftlern, z. B. Neurobiologen, nicht vorausgesetzt. Andere Disziplinen, z. B. die Rechtswissenschaft, setzen Willlensfreiheit nicht nur voraus, sondern begründen ihre Existenz mit deren Voraussetzung (s. unten). – Zur Unsicherheit einer Entscheidung und damit der Existenz eines freien Willens selbst bei akribischer Selbstanalyse vgl. z. B. Mercier (1997, 291-294), der aus seinem Pseudonym heraustretend später als Philosoph (Bieri 2005) die Existenz eines freien Willens vertritt. Das mit dem umstrittenen Terminus „Willensfreiheit“ 72 Gemeinte wird in unterschiedlichen Varianten vertreten. Dieser starke Begriff von Willensfreit (auch Libertarianismus genannt) besteht im wesentlichen aus den beiden Annahmen, daß die Willenshandlung einer Person (zumindest teilweise) durch den bewußten Willen und unabhängig von kausal wirkenden Einflüssen bestimmt ist (das Prinzip der mentalen Verursachung von Handlungen) und daß die Person für ihre Handlung deshalb verantwortlich ist, weil sie unter identischen inneren und äußeren Umständen (vor allem in ihrem Gehirn) auch eine andere als die von ihr vollzogene Handlung hätte ausführen können (das Prinzip des Alternativismus) (Roth 2004, 74) 72 Es bürgert sich immer mehr ein, den Namen des Begriffs in den Genitiv zu setzen, z. B.: der Begriff der Willensfreiheit. Es gibt aber einen Unterschied zwischen „der Begriff ‚Staat‘“ (nur so im DUW) und „ein Begriff von Staat“. Hier gelten zwei verschiedene Begriffe von „Begriff“: Im Ausdruck „ein Begriff von Freiheit“ ist eine Auffassung, Meinung von etwas gemeint, während im ersten Fall („der Begriff Freiheit“) eine linguistische Klasse gemeint ist: der Begriff . 93

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