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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

In der Voraussetzung,

In der Voraussetzung, daß Entscheidungen „unter identischen […] Umständen“ gleich ausfallen (würden), liegt eine Unschärfe. Wiederholung gibt es in holistischer Betrachtung nicht; es gibt nur Iteration (~ Beinah- oder Quasi-Wiederholung) von etwas unter anderen Umständen, die reduktionistisch verallgemeinert als den als Vergleich dienenden, voraufgehenden Ereignissen hinreichend gleich angenommen werden. Oder: Was auf der Meso-Ebene oft als identisch identifiziert wird, ist es auf der Mikro- Ebene und holistisch auch auf der Meso-Ebene nicht. – Die Behauptung, A sei mit B identisch, wird zu einer generalisierenden Reduktion. Der folgende Satz: „In diesem Satz ist die Form A mit der Form A identisch“ ist holistisch betrachtet falsch, denn das zweite A steht an einer anderen Stelle, d. h. in einer anderen Umwelt, als das erste; das zweite A kommt wegen der Leserichtung der lateinischen Schrift zeitlich nach dem ersten A; das zweite A hat eine andere Funktion als das erste usw. Bei einer mündlichen (oder z. B. auch handschriftlichen) Äußerung wurde das zweite A im Momentt+1 nach dem Momentt des ersten A auch formal verändert. (Vgl. Quante 2007, 7 und 7 6 .) – Also keine Gewißheit und zudem die Unbestimmtheit des „hinreichenden“ Urteils. The wise man should therefore, on Hobbes’s account, recognise that all conflict was at bottom a conflict of belief, and should also recognise that all beliefs which might be the material of conflict were inadequately founded. (Tuck in Hobbes 1999, xxvii) Das ‚Gefühl‘, man sei frei, reicht nach Meinung der Neurobiologen (und anderer Wissenschaftler) nicht zur Behauptung der realen Existenz einer Willensfreiheit. Zudem geht die neuronale Entscheiderung der Bewußtwerdung voraus (vgl. die Syntax dieses Satzes; vgl. die „Kontrollschleife“; vgl. die Quantenbifurkation; vgl. Briggs + Peat / Carius 2006, 280). Für die nächsten Bemerkungen stütze ich mich z. T. auf Geyer (2004) und die dort genannten Autoren. Angenommen, ein Hund tut etwas, das ihm ‚verboten‘ wurde. Zeigt ein solches Tier – evtl. nur aus menschlicher Perspektive – „Schuldgefühle“, oder zeigt es, falls es bestraft wurde, „Trotz und Ärger“ über die Bestrafung? Kann sich ein Hund durch „Reue“ selbst bestrafen bzw. mit „gutem Vorsatz“ Besserung anstreben? Der Mensch meint, wenn der Hund das Verbotene nicht noch einmal tut, hat er sich ‚gebessert‘; „die Strafe hat gewirkt“. Inwieweit können andere, nicht auf den Menschen hin gezüchtete „wilde“ Tiere einem Haushund analog gesehen werden? Oder ist die ganze aus menschlicher Perspektive verbalisierte Rede vom Tier aus gesehen und 94

auf ein Tier übertragen unzutreffend? Beim Menschen glaubt man an die „sittenbildende Kraft der Strafe“. Strafe schreckt ab oder soll es zumindest tun. Dabei sind zwei Umstände zu beachten: Verallgemeinert man diese Erwartung, so gilt, woran die Menschheit anscheinend seit Urzeiten geglaubt hat und das, von Ausnahmen abgesehen, vor rund 40 Jahren in Westeuropa plötzlich verteufelt wurde, daß der Mensch nämlich durch mehr oder minder drastische Anpassungsmaßnahmen in eine Gemeinschaft erzogen, d. h. ethisch ausgebildet, werden kann. Zum anderen erkennt man dabei und anderwärts, daß sich neben den Erziehungsmaßnahmen auch die Erziehungsziele ändern können. – Heute wird Päderastie bzw. Pädophilie bestraft; im alten Griechenland galt die παιδεραστία z. T. als heilig. (Vorsicht bei Translationen! Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe.) Tiere besitzen Fähigkeiten, die dem Menschen unerreichbar sind. Eine Höherstellung des Menschen wegen der von ihm erreichten anderen Stufe bleibt fraglich. Tiere sind anders als Menschen und haben andere Fähigkeiten. Arnold Gehlen nannte den Menschen ein „Mängelwesen“. Willensfreiheit, wenn es sie gibt, ist ebenfalls Teil der biologischen Evolution. Der Mensch ist lediglich schritt- oder, wenn man so will, stufenweise „autopoietischer“ und dabei zugleich ‚einseitiger‘ als manche anderen Tierarten, d. h., er gelangte durch Evolution zu bestimmten Fähigkeiten bzw. wurde auf für ihn typische Fähigkeiten hin evoluiert, mögen sie nun ‚besser‘ sein oder nicht, das hängt von der Perspektive ab, aus der etwas betrachtet wird. Höffe (2004, 181f) versucht von Kant mit dessen Postulat einer moralischen Freiheit auszugehen: Jemand soll unter Androhung, getötet zu werden, ein falsches Zeugnis ablegen. Nach Kant kann er sich weigern (ob er es tut, ist eine andere Sache). Der Bedrohte wisse, daß er sich entscheiden kann, weil er sich bewußt sei, daß er entscheiden muß. Doch die Annahme, etwas tun zu können, kann ein Irrtum sein. Das Wesentliche ist nach Höffe, daß jemand angesichts des drohenden Todes um die Möglichkeit der Verweigerung weiß, weil er von der Möglichkeit gehört hat und in Oppositionen denken kann. Das braucht nicht bewußt zu geschehen. Das heißt aber: Das Gehirn hat (in diesem Fall zwei) Möglichkeiten gespeichert und kann sie, menschlich-mesokosmisch gesprochen, miteinander vergleichen. Es muß eine Entscheidung fallen. Holistisch-physikalisch. Jeder Entscheidung geht eine Abwägung („Evaluierung“) voraus. Man kann nicht nicht-bewerten. Evaluierung geschieht meistens unbewußt und kann unbewußt bleiben. Der Bedrohte empfindet (!) das Resultat als „Wahl“. (Über neuronale Pro- 95

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