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Hans J. Vermeer Translationen Grenzen abschreiten - Fachbereich ...

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für die Entwicklung des

für die Entwicklung des Selbst ist – weiterhin nach Prinz – die Gesellschaft, in der die vorgenannten Annahmen gegenseitig erworben werden, indem jeder von jedem voraussetzt, er habe ein Selbst, so daß er es sich [in reflexiver Ko-Orientierung (Siegrist 1970)] schließlich auch selbst zuschreibt. Stellt man die Ausführungen zusammen, so erscheint Bewußtsein als etwas, an das man glaubt, weil man es so von den Erziehungsberechtigten gelernt hat und es die gesellschaftliche Anpassung erleichert. Aber man kann nicht voraussetzen, was erst erworben werden soll. Die Wahrnehmung der auf ihn gerichteten Fremdzuschreibungen erzeugt dann Selbstzuschreibung, und der Akteur macht sich schließlich die ihm zugeschriebene Rolle selbst zu eigen. Er versteht sich dann so, wie die anderen ihn verstehen, und er handelt so, wie die anderen es von ihm erwarten. (Prinz 2006, 34) Selbstbewußtsein würde also durch einen Analogieschluß von anderen übernommen. Das müssen dann die Älteren sein, die Eltern, Lehrer – kurz: die Mächtigen, die zu eigenem Nutz und Frommen Tradition verbreiten. Das sind Selbstbewußtsein und damit Willensfreiheit nicht frei. Mit dem Selbstbewußtsein werden die Erzieher auch ihr Machtbewußtsein und ihre gewohnten Umstände (Traditionen) weitergeben. Damit wird Entwicklung im Laufe der Zeit allerdings nicht ausgeschlossen, aber auf die Widerspenstigkeit abgeschoben. Sicherlich, Abhängigkeit wird es im Lernprozeß immer geben. Sie ist eine notwendige Voraussetzung fürs Lernen. – Wahrscheinlich (aber nicht notwendigerweise; vgl. die neuere Genforschung) werden auch eineiige Zwillinge verschiedene Persönlichkeiten ausbilden, wenn man dem einen immer wieder vorhält, er/sie sei dumm und tauge zu nichts, und den/die andere(n) mit Lob ob seiner/ihrer großartigen Fertigkeiten füttert. Wer hat dem ersten Menschen Selbstbewußtsein gegeben? Darauf geht Prinz nicht ein. Er setzt anscheinend die Gesellschaft vor den sie konstituierenden Individuen an, was evtl. denkbar wird, wenn man voraussetzt, daß es Herden und Herdenverhalten gab, ehe Einzeltiere zu Homines evoluierten. Auch Tiere haben Individualität. Bleibt die Frage, ob Selbstbewußtsein nicht nur von außen übernommen und anerzogen, sondern auch von ‚innen‘ ein-gebildet wird. Jeder Mensch ist ein Individuum und wird in seinen Gesellschaften (jedermann gehört vielen an) durch Eltern, Lehrer, Schulkameraden, Berufskollegen usw. sozial miterzogen. Dann würde Selbstbewußtsein im Laufe der „Sozialisation“ bzw. „Enkulturation“ (mit)geprägt. Selbstbewußtsein ist ein komplexes Phänomen, das im Laufe eines Menschenlebens kontinuierlich wächst und verändert wird. 98

Sieht man genau hin, so ist Selbstbewußtsein nicht das Bewußtsein von sich selbst, sondern ein Persönlichkeitsbewußtsein aus dem Gefühl und der Beobachtung seiner selbst und Anderer, also die Perzeption einer Interpretation des Ich durch das Ich. 73 Prinz (ib. 35) spricht von „Freiheitsintuitionen“, die für ihn ebenfalls ein soziales (gesellschaftliches) Phänomen sind. Entsteht „Freiheit“ also nur in einer Gemeinschaft? Gemeinschaft engt ein und erweitert Möglichkeiten. Intuition generiert nach Prinz (ib. 35) Wirklichkeit. Dann wäre Wirklichkeit / Wirklichkeiten, wie die Menschen sie wahrnehmen, nur eine Intuition. Man weiß längst, daß für einen Menschen Realität ist, was er als (seine) Realität annimmt. Nach dem DUW (1989) meint „Intuition“ unmittelbares Erkennen. Das ist schwammig. Ich ziehe die zweite Erklärung als „ahnendes Erfassen“ vor. – Kurz: Realität ist eine Annahme. (Auch nur angenommenes) Selbstbewußtsein führt zu einer angenommenen Freiheit sowie in deren Folge inter- und intrapersonal zur Verantwortung und damit zur Handhabung von „Moral und Recht“ (ib. 36). So gesehen, scheint Willensfreiheit aus Selbstbewußtsein zu entstehen. – Als Beispiel für seine Darstellung führt Prinz (ib. 36f) Odysseus als „modernes Subjekt“ und im Gegensatz dazu Agamemnon als „vormodernes Subjekt“ an, weil letzterer sich noch als Werkzeug der Götter versteht, während sich Odysseus emanzipiert habe. Schmitz’ (1980, 20) hält die Divergenz zwischen dem „eigentümliche[n] Selbstverständnis der Menschen in Homers Ilias“ und dem „üblichen Standpunkt der [heutigen] psychosomatischen Anthropologie“ für unüberbrückbar. In der bei Prinz erwähnten Auffassung sieht Jaynes (zit. n. Prinz 2006, 37) „den Nachklang eines psychohistorischen Prozesses[…], in dem autonome Subjekte dermaleinst als Ebenbilder und Nachfahren der Götter entstanden“. Demnach hätte sich der Mensch zuerst Götter (nach seinem Ebenbild) gemacht und sich irgendwann gesagt, „Was die können, kann ich auch“, und sich folgerichtig an ihre Stelle gesetzt. Abgesehen davon, daß es ethisch durchaus gefährlich war, sich solche Vorbilder zu nehmen, hätte sich der Mensch damit nur sich selbst verfremdend ersetzt. Aber dann wäre seine Emanzipation zu einem selbstbe- 73 Beobachtung als Selbst- oder von außen als Fremdbeobachtung greift als komplexe Folge von Prozessen- und Ereignissen-in-Situation, d. h. als aktuelle Prozeßmenge, aktiv in das zu Beobachtende ein, wodurch dieses, der Beobachter und deren je eigene Situierung und Umwelt verändert werden. Auf der Mikro-Ebene wird eine Beobachtung als sich von Moment zu Moment ändernd angesetzt. Zur Möglichkeit des Eingreifens vgl. die „Interaktion“ und „Kommunikation“ im Anschluß an Luhmann (1985). – Zur Einschränkung von Selbstbeobachtungen vgl. Vermeer (2006b, 16f). – Zu Konstrukten und Konstruktionen vgl. Lenk (1994). 99

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