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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

608 den logisch

608 den logisch konstruierten Theorie ausgehen wollen, bekommen sie die Holistik der Realität schwerlich in den Griff. Der (zumindest bei Scheibmayr verlassenen) Statik des reinen Zeichensystems steht also die Umwelt gegenüber. Wenn Scheibmayr (ib. 308f) sie als „dynamisch“ bezeichnet, so kann dies am ehesten auf die Mikro-Ebene mit ihren momentan-individuellen Prozessen und Ereignissen bezogen werden, während ihr die „Strukturen des Zeichensystems“ als mesokosmisch-dauerhaft (nicht: statisch) gegenüberstehen. Scheibmayr (ib. 309) spricht von „dynamische[r] Stabilität“. Die Mikro-Ebene wirkt auf die Mikroelemente der Strukturen und damit oder direkt auf mesokosmische Strukturen ein. Der Mesokosmos generiert den Makrokosmos. Die Welt evoluiert. Scheibmayr (ib. 296) nimmt „nur graduelle Unterschiede“ zwischen Zeichensystem und Umwelt an. Damit wird Luhmanns Differenz bis zu ihrer Aufhebung relativiert. Tatsächlich ist die Relation Zeichen – Umwelt komplex und kann nicht Zéro werden. (Zur Grenzziehung s. oben.) Kontakte kann es wegen der Kontingenz eines Systems und der Umwelt nur bedingt (selektiv) geben (ib. 297). Bei Luhmann sind Kontakte nur über „Kommunikation“ möglich, weil Systeme als geschlossene Systeme angesetzt werden. Kommunikation ist (Inter­)Penetration. Das ‚kommunikative‘ oder interaktive Verhältnis wird durch die erwartbare Regelhaftigkeit im Verhalten beider Seiten möglichst im Gleichgewicht gehalten. Doch ist zu beachten, daß beide Seiten Prozesse sind, sich daher ständig wandeln und verändert werden. Die Beurteilung von Änderungen ist beobachterspezifisch perspektivisch. Insofern bleibt auch eine allgemeine Theorie allemal ein raum-zeitliches autoren-individuelles Konstrukt. Änderungen des Gleichgewichts werden sowohl bei Luhmann als auch Peirce und Scheibmayr als Irritationen, wie Luhmann sagt, d. h. Unregelmäßigkeiten, verstanden. (Der Ausdruck „Irritation“ soll evaluativ neutral sein.) Irritationen können dadurch entstehen, daß die erwartete Regelmäßigkeit seitens der Umwelt nicht eingehalten wird oder es eine Diskrepanz in der Auffassung über ein Phänomen gibt, indem ein Zeichen von einem Interpretanten als nicht auf ein Phänomen passend oder ein Phänomen als einem Zeichen nicht hinreichend genau entsprechend betrachtet wird usw. (vgl. aber oben zur starren Eindeutigkeit). Als Gründe findet Scheibmayr (ib. 300) „Komplexitätsunterlegenheit, Strukturdeterminiertheit und Selektivität des Zeichensystems“ gegenüber der Umwelt. Es gibt interne und externe Beobachter eines Systems. Dadurch können weitere Irritationen durch die Differenz zwischen Beobachtung und ‚Realität‘ und zwischen beiden Beobachtern und den jeweiligen Folgen und Wir-

609 kungen der Beobachtungen entstehen. Hier spielt auch das temporale Verhältnis zwischen ihnen eine Rolle. Das System muß stets auf der Hut sein, Irritationen zu vermeiden bzw. allgemeiner: sich zu erhalten. 424 In diesem Zusammenhang macht Peirce noch einmal den Unterschied zwischen [momentan-individueller] „Wirklichkeit“ und [mesokosmisch dauerhafter] „Realität“. Beide Ebenen sind zu beachten. Das System muß versuchen, Irritationen zu beseitigen. Das kann einmal dadurch geschehen, daß das System auf die Umwelt einwirkt, Störungen zu unterlassen, d. h. sie, die Umwelt, möge sich zugunsten des Systems ändern oder soll verändert werden. Eine zweite Lösung besteht darin, daß das System auf Irritationen eingeht, sich also anzupassen versucht (vgl. die [Inter­]Penetration). Es ist die Rede von Irritationen („Störungen“) und Adaptationen. Irritationen können auch zugunsten des Systems eintreten. Das System kann sie zum Anlaß nehmen, sich (u. U. mit Hilfe aus der Umwelt) im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten im Laufe eines friedlichen Prozesses oder in einer plötzlichen Revolution selbst zumindest soweit neu zu organisieren, daß etwas Neues, u. U. ein anderes System wird. Irritationen müssen nicht unbedingt vermieden werden, wie Scheibmayr (2004, 310f) mehrmals eerwähnt. Hier ist ein Unterschied zwischen Störungen und Irritationen angebracht. Einmalige Störungen werden häufig ignoriert; erst (Quasi­) Regelhaftigkeit veranlaßt das System zu einer aktiven Reaktion (ib. 312f). Die Reaktion wird normalerweise darauf abgestellt, solchen Störungen nicht nur durch eine Ad-hoc-Passung zu entgegnen. Es bedarf auch hier also der Planung und einer möglichst weitgehenden Generalisierbarkeit. Peirce nimmt Gelegenheit, ausführlich auf letztere Maßnahmen einzugehen (ib. 313-315): Es wird eine Hypothese gebildet und werden möglichst bekannte Regeln angewandt. Dann wird eine neue Begründung für das weitere Vorgehen und seine Strategie gesucht. Schließlich wird das Resultat auf seine regelhafte Gültigkeit überprüft. Bei negativem Ergebnis werden die Operationen wiederholt. – Regelbildung wird Teil einer Kultur. Die erwähnten Prozesse sind probabilistisch zu verstehen. Noch einmal zur Umwelt. Peirce akzeptiert (inkonsistent) für sein Zeichensystem eine Umwelt. Luhmann (1985; 1995) braucht die Umwelt, um 424 Bei Scheibmayr (2004, 303) wird statt der obigen Aussage als Schnittstelle zwischen dem Zeichensystem und dem realen Objekt die Potentialität (das Repräsentamen) genannt, die dem Interpretanten eine Reaktion ermöglicht. Wenn dabei (ib. 305f) auch Fremdreferenz erwähnt wird, so kann dies dahin gehend interpretiert werden, daß in der Selbstreferenz (Selbstbeobachtung, ­interpretation) auf die Meinung anderer Rücksicht genommen werden soll. Dann liegt weder reine Selbst- noch reine Fremdreferenz und Geschlossenheit des betreffenden Systems vor.

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