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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

In ihnen [den

In ihnen [den „Anzeigefunktionen“] finden wir nun als dieses Gemeinsame [von Anzeichen und Ausdruck] den Umstand, daß irgendwelche Gegenstände oder Sachverhalte, von deren Bestand jemand aktuelle Kenntnis hat, ihm den Bestand gewisser anderer Gegenstände oder Sachverhalte in dem Sinne anzeigen, daß die Überzeugung von dem Sein der einen von ihm als Motiv (und zwar als ein nichteinsichtiges Motiv) erlebt wird für die Überzeugung oder Vermutung vom Sein der anderen. (Husserl, zit. n. Derrida/Gondek 2003, 42; Kursive im Textem) 526 (Vgl. oben zur Doppelanzeige von Gegenstand und Sprachausdruck.) Wenn die Überzeugung keine bloße Potentialität bleiben soll, ist also eine Aktualisierung, eben ein Gebrauch, Voraussetzung für das Werden eines „Anzeichens“. Immerhin tut Husserl einen und Derrida den zweiten Schritt über Saussure hinaus. Doch wir müssen genauer hinsehen: [1] Jedes be-zeichnet, so sagen Linguistik und Philosophie, einen gegebenen „Sachverhalt“, z. B. das nicht nur das Bezeichnete (signifié) Pferd als generell bezeichenbaren „Inhalt“ des „Zeichens“, sondern damit potentiell auch die realen Pferde da draußen auf der Weide. 365 Die Erkenntnis eines/des potentiellen Phänomens und danach auch der realen als „Pferde“ benennbaren und benannten Phänomene geht bei Husserl und anscheinend auch bei Derrida analog zu Saussure aus einem der Erkenntnis vorausgehenden, bereits ‚existenten‘ Begriff hervor. Die Klasse existiert vor ihren Individua. Wie kann es aber eine Klasse geben, ehe es gibt, woraus sie besteht / bestehen soll? Die Theorie geht der Wirklichkeit voraus. Es wird nicht gesagt, woher Begriffe und Theorien kommen. Saussure war an dieser für ihn diachronen Frage nicht interessiert. Erst in einem dritten Schritt erzeugt Husserl auch den aktuellindividuellen einzelnen Gegenstand „dieses Pferd da“ aus dem allgemeinen Anzeichen „reale Pferde“. Hierfür hat Husserl keinen eigenen spezifischen Terminus. [2] (Zum Folgenden vgl. Derrida 1998, 46-52.) Husserl schreibt dem „Ausdruck“ Intentionalität zu. Ich bezweifle die Existenz einer allgemeinen Intentionalität und zudem noch Intentionalität-eines-Allgemeinen. Das Phänomen aus der Drei-Einheit Form, Bedeutung und Intention wird bei Husserl metaphysiert und ontologisiert. Das Ergebnis benennt (bezeichnet) er mit dem Terminus „Ausdruck“. Nun kommen die drei Bedingungen für einen Ausdruck (nach Derrida) aber erst in einem Gebrauch zusammen, 365 Oft insofern mißverständlich mit „Bedeutung“ übersetzt, als damit gegen Saussure ein Bezug auf die Realität suggeriert werden könnte (vgl. „Wert“). „Inhalt“ ist natürlich ebensowenig korrekt; ich verwende mitunter den deutschen Terminus, weil die Zusammenstellung „Form und Inhalt“ anderwärts geläufig ist.

527 wenn ihnen die vierte Bedingung, ein Benenner (bei Derrida la voix, die „Stimme“), zugedacht wird, wenn das Allgemeine also zu einer Äußerung individualisiert wird (nach linguistisch-philosophischer Meinung dadurch, daß der Benenner einen Begriff und dann ein Individuum aus ihm [!] nennt). 366 Das aber kann, wie bei Derrida nicht expressis verbis vermerkt wird, nur durch einen Stimmgeber, also einen Sprecher (bzw. in anderer Weise einen Schreiber) als Benenner in einer gegebenen Situation geschehen. Ein Sprecher/Schreiber gebraucht einen Ausdruck in einer Situation. Erst diese raum-zeit-momentane Ergänzung würde einen „Ausdruck“ als Zeichen (ohne Anführungsstriche) und danach auch als Potentialität/Virtualität möglich (generierbar) machen, denn erst der Stimmgeber, d. h. der Gebraucher, der Interpret, erzeugt ein reales Individuale, d. h. ein Zeichen (ohne Anführungsstriche), und erst diese individuelle Realität (mag sie auch kulturell überformt sein) erlaubt eine holistische Analyse von dem, was ich Zeichen (ohne Anführungsstriche) oder Zeichen-in-Gebrauch nenne. Immerhin kann man nach Husserl gemäß seinen Präferenzen behaupten, im Gebrauch gebe es indefinit viele Möglichkeiten, aus einem indefiniten potentiellen Inventar, einer Form in ihrer Realisierung eine Intention (Funktion) zu geben. Eine solche Ausdrucksweise entstammt der Beobachtung, daß meso-kulturspezifisch die Existenz (wie immer sie auch zustande gekommen sein mag, z. B. nur denkend) einer Potentialität der Makro- Ebene für die Erkennung der mesokosmischen Realität in Anspruch genommen, verkürzt gesagt: vorausgesetzt und „realisiert“ werden kann. (Die andere Möglichkeit ist die oben angedeutete: daß einer realen Form, z. B. die hier hingeschriebene und am Bildschirm oder auf Papier auf je eigene Weise fixierte Buchstabenfolge Pferd, eine Funktion für einen realen Gebrauch zugeordnet/beigelegt werden kann.) Unter Umständen wird aber auch die Funktion der voix (der „Stimme“) plurifunktional. „Stimme“ steht nicht nur für den Produzenten bzw. Rezipienten. Die Stimme als Benennung (mitsamt paralingualen Phänomenen) durch einen Benenner (Produzenten oder Rezipienten) wird (individuelle) Form der (allgemeinen) Form, indem die Erinnerung an letztere die Nennung der ersteren erlaubt. Die Stimme manipuliert und differenziert durch die Variation ihrer Form auch die Form-Funktions-Einheit des zur Rede stehenden individuellen oder allgemeinen Phänomens (vgl. obem die doppelte Funktionalität). – Vgl. die 366 Derridas „voix“ ist ebenfalls zuerst eine Virtualität und erst danach eventuell eine Individuierung und zu allerletzt ein konkretes Individuum (z. B. Derridas Stimme → Derridas Stimme im Moment t).

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